Im milliardenschweren Streit um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Roundup steht in den USA eine Entscheidung mit Sprengkraft bevor: Der Supreme Court verhandelt über die Frage, ob der Hersteller Monsanto trotz Zulassung durch die US-Umweltbehörde EPA weiter wegen fehlender Krebswarnungen verklagt werden kann.
Für tausende Betroffene könnte das Urteil zum Wendepunkt werden – für Bayer und Monsanto geht es um nichts weniger als die Abwehr weiterer Milliardenforderungen.
Blutkrebs nach jahrelangem Einsatz von Roundup
Im Zentrum des Verfahrens steht ein langjähriger Anwender des Mittels, der über viele Jahre hinweg Roundup auf Grünflächen, Gehwegen und in öffentlichen Bereichen einsetzte. Später erkrankte er an Non-Hodgkin-Lymphom, einer Form von Blutkrebs.
Eine Jury sprach ihm bereits 1,25 Millionen Dollar zu und kam zu dem Schluss, dass Roundup zu seiner Erkrankung beigetragen habe. Genau dieser Fall landet nun vor dem höchsten US-Gericht.
Die zentrale Frage: Schützt die EPA Monsanto vor Klagen?
Monsanto argumentiert, dass die US-Umweltbehörde EPA nie eine Krebswarnung für Glyphosat verlangt habe. Der Konzern leitet daraus ab, dass Klagen wegen fehlender Warnhinweise ausgeschlossen sein müssten.
Die Gegenseite hält dagegen:
Eine behördliche Zulassung sei kein Freifahrtschein, wenn mögliche Risiken nicht klar genug kommuniziert wurden. Hersteller könnten auch zusätzliche Warnhinweise aufnehmen – und müssten sich deshalb weiterhin vor Zivilgerichten verantworten.
Glyphosat bleibt hochumstritten
Glyphosat, der jahrzehntelang zentrale Wirkstoff in Roundup, zählt zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Chemikalien der Welt.
Während Monsanto und Teile der Landwirtschaft betonen, das Mittel sei sicher und unverzichtbar, verweisen Kritiker auf die Einstufung einer Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Glyphosat bereits 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ bezeichnete.
Genau diese Einschätzung löste die Klagewelle in den USA aus.
Milliardenrisiko für Bayer
Seit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 kämpft der deutsche Konzern Bayer mit den finanziellen Folgen der Roundup-Verfahren.
Dem Unternehmen drohen weiterhin Milliardenforderungen. Parallel läuft ein geplanter Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar, der viele Fälle beenden könnte.
Doch der Supreme-Court-Fall könnte entscheidend sein:
- Stärkt das Gericht Monsanto, werden viele künftige Klagen deutlich schwerer.
- Stärkt es die Kläger, droht dem Konzern weiterer massiver juristischer und finanzieller Druck.
Trump-Regierung stellt sich auf die Seite des Konzerns
Politisch besonders brisant: Die Regierung von Donald Trump unterstützt in dem Verfahren die Position von Monsanto.
Das sorgt ausgerechnet in Teilen des eigenen Lagers für Unruhe – vor allem bei gesundheits- und chemiekritischen Trump-Anhängern. Denn parallel treibt Trump laut US-Berichten auch Maßnahmen voran, um Glyphosat-Produzenten besser zu schützen.
Für Kritiker ist das ein fatales Signal:
Verbraucherschutz gegen Konzerninteressen – und das Weiße Haus schlägt sich auf die Seite des Konzerns.
Entscheidung mit Folgen weit über Roundup hinaus
Das Urteil wird bis Ende Juni oder Anfang Juli erwartet – und dürfte weit über den Einzelfall hinausreichen.
Denn der Supreme Court entscheidet letztlich über eine Grundsatzfrage:
Dürfen Unternehmen sich hinter einer Behördenzulassung verstecken – oder können Verbraucher trotz EPA-Segen weiter auf Schadensersatz klagen?
Fazit
Für Bayer und Monsanto ist es ein Verfahren mit enormer Tragweite.
Für tausende Kläger ist es die bange Frage, ob ihre Krebsklagen noch eine Zukunft haben.
Der Supreme Court entscheidet damit nicht nur über Roundup – sondern über die künftigen Grenzen der Produkthaftung in den USA.
Oder zugespitzt gesagt:
Es geht um Milliarden, Blutkrebs – und die Frage, ob ein Warnhinweis am Ende mehr wert ist als eine Behördenakte.

