Robert F. Kennedy Jr. steht in Washington weiter im Kreuzfeuer: Bei gleich zwei Senats-Anhörungen an einem Tag musste sich der US-Gesundheitsminister unangenehme Fragen zu Masern-Ausbrüchen, Impfungen, Glyphosat und Medikamentenpreisen gefallen lassen. Das Bild danach: viel Streit, viele Widersprüche – und ein Minister, der zunehmend auch im eigenen Lager für Unruhe sorgt.
Masern werden zum Politikum – und RFK Jr. fühlt sich „verfolgt“
Vor allem die aktuellen Masern-Ausbrüche brachten Kennedy in Bedrängnis. Demokratische Senatoren warfen ihm vor, mit seiner langjährigen impfkritischen Rhetorik das Vertrauen in Schutzimpfungen beschädigt zu haben.
Kennedy reagierte genervt und beklagte, praktisch alle Demokraten hätten nur über Masern reden wollen. Für ihn sei das „Parteilichkeit“ und „Stammesdenken“.
Das Problem: Genau dieses Thema wollten viele im Senat eben nicht kleinreden.
Selbst Republikaner schlagen Alarm
Besonders brisant: Auch aus den eigenen Reihen kam deutliche Kritik. Der republikanische Vorsitzende des zuständigen Ausschusses, selbst Arzt, machte klar, dass der Fokus auf Masern völlig berechtigt sei.
Wenn Kinder an Krankheiten sterben, die durch Impfungen verhindert werden könnten, dann müsse das im Mittelpunkt stehen. Ein bemerkenswerter Satz – und ein klares Signal an Kennedy.
Mit anderen Worten:
Nicht nur die Demokraten treiben RFK Jr. vor sich her – auch Republikaner verlieren sichtbar die Geduld.
Der nächste Aufreger: KI soll irgendwann die FDA „irrelevant“ machen
Als wäre der Impf-Streit nicht genug, legte Kennedy bei einem anderen Thema direkt nach: Künstliche Intelligenz könne die Medizin so stark verändern, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA eines Tages „irrelevant“ werde.
Das dürfte in Washington für hochgezogene Augenbrauen gesorgt haben. Zwar lobte Kennedy die Chancen von KI für schnellere Arzneimittelprüfungen und personalisierte Medizin. Doch wer mitten in einer ohnehin angespannten Debatte mal eben die eigene Aufsichtsbehörde rhetorisch zur Auslaufmodell-Zone erklärt, sorgt automatisch für neue Schlagzeilen.
Glyphosat: Gestern Krebswarnung, heute Trump-Verteidigung
Besonders unerquicklich wurde es beim Thema Glyphosat. Noch kurz zuvor hatte Kennedy erklärt, das Herbizid könne Krebs verursachen. Nun verteidigte er plötzlich Trumps Linie, die US-Produktion von Glyphosat auszubauen.
Seine Begründung: Es gehe nicht um mehr Glyphosat insgesamt, sondern darum, weniger abhängig von China zu sein.
Kritiker im Senat sahen darin dennoch einen offensichtlichen Widerspruch. Eine demokratische Senatorin hielt Kennedy vor, er habe im Wahlkampf versprochen, gegen Chemiekonzerne und krebserregende Stoffe vorzugehen – und mache jetzt den Rückzieher.
Kurz gesagt:
MAHA-Rhetorik trifft Realpolitik – und die wirkt plötzlich erstaunlich chemiefreundlich.
Auch bei Soldaten-Impfungen wird es heikel
Für zusätzlichen Zündstoff sorgte Kennedys Verteidigung der Entscheidung des Pentagon, die Pflicht zur Grippeimpfung für Soldaten zurückzufahren.
Sein Argument: Wer für die Freiheit kämpfe, solle auch selbst mehr Freiheit haben.
Klingt politisch griffig. Medizinisch sorgte es im Senat jedoch für Stirnrunzeln. Kritiker erinnerten daran, wie gefährlich Grippe-Ausbrüche in geschlossenen militärischen Einheiten sein können – etwa auf Schiffen oder U-Booten.
CDC-Frage: Kennedy sendet widersprüchliche Signale
Auch bei der künftigen Führung der US-Seuchenbehörde CDC blieb Kennedy auffällig unklar.
Vor dem Senat erklärte er, ein neuer CDC-Direktor könne unabhängig entscheiden. Tags zuvor hatte er sich jedoch geweigert, verbindlich zuzusagen, dass er Impfempfehlungen einer künftigen CDC-Spitze ohne Eingriffe akzeptieren werde.
Das verstärkt einen Eindruck, der sich durch die gesamte Anhörungswoche zieht:
Kennedy sendet je nach Bühne unterschiedliche Signale – und genau das nährt das Misstrauen.
Streit auch um „TrumpRx“
Als wäre das alles nicht genug, gab es noch einen Schlagabtausch über das neue Medikamentenportal TrumpRx. Kennedy pries das Modell als Weg zu den „niedrigsten Preisen der Welt“.
Demokratische Senatoren hielten dagegen und präsentierten Beispiele, bei denen Medikamente anderswo – etwa über Versicherungen oder im Einzelhandel – deutlich günstiger zu haben seien.
Die Botschaft der Kritiker:
Viel Marketing, wenig Wundermittel.
Fazit: RFK Jr. bleibt ein politischer Hochrisikofaktor
Die Anhörungen haben eindrucksvoll gezeigt: Robert F. Kennedy Jr. bleibt auch als Gesundheitsminister ein politischer Dauer-Erreger.
Masern, Impfungen, Glyphosat, Militär-Impfstoffe, Medikamentenpreise – fast überall produziert Kennedy neue Konflikte oder verstärkt alte.
Und das eigentlich Bemerkenswerte ist nicht einmal die Kritik der Demokraten.
Sondern, dass inzwischen auch Republikaner öffentlich signalisieren: So kann es nicht ewig weitergehen.
Oder anders gesagt:
In Washington wird inzwischen nicht mehr nur über Masern diskutiert – sondern zunehmend auch über die Frage, wie lange RFK Jr. noch als Gesundheitsminister durch diese Mischung aus Provokation, Widerspruch und politischem Improvisationstheater kommt.

