Das Treffen zwischen Donald Trump und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Weißen Haus verlief offenbar deutlich harmonischer als viele Beobachter erwartet hatten. Nach Monaten diplomatischer Spannungen sprachen beide Staatschefs in Washington über Zölle, Rohstoffe, Handelsfragen und geopolitische Interessen.
Auffällig dabei: Die Öffentlichkeit blieb weitgehend außen vor.
Über Stunden warteten amerikanische und brasilianische Journalisten vergeblich auf gemeinsame Statements der beiden Präsidenten. Selbst der Zugang zum Oval Office wurde kurzfristig gestoppt. Statt großer Pressebilder gab es nur wenige offizielle Informationen.
Trump erklärte später auf Truth Social lediglich knapp, das Treffen sei „sehr gut“ verlaufen. Lula sei ein „dynamischer Mann“. Weitere Gespräche zwischen Vertretern beider Staaten seien bereits geplant.
Rohstoffe im Fokus – USA wollen unabhängiger von China werden
Hinter den Kulissen dürfte es vor allem um strategische Rohstoffe gegangen sein. Brasilien verfügt über die zweitgrößten bekannten Reserven seltener Erden weltweit – direkt hinter China.
Diese Mineralien gelten inzwischen als geopolitischer Schlüsselrohstoff. Ohne sie funktionieren weder moderne Chips, Elektroautos, KI-Systeme noch militärische Hightech-Produkte.
Die USA versuchen seit Monaten, ihre Abhängigkeit von China zu reduzieren. Hintergrund ist die Eskalation im Handelskonflikt mit Peking. Chinas Staatschef Xi Jinping hatte zuletzt den Export bestimmter Rohstoffe eingeschränkt und damit gezeigt, wie stark die Volksrepublik den Weltmarkt kontrolliert.
Für Washington wird Brasilien damit strategisch immer wichtiger.
Pix-Zahlungssystem sorgt für Streit
Ein weiterer Konfliktpunkt dürfte das brasilianische Zahlungssystem „Pix“ gewesen sein. Das staatlich entwickelte Sofortzahlungssystem gilt in Brasilien als riesiger Erfolg und wird von Millionen Menschen genutzt.
Die US-Regierung wirft Brasilien allerdings vor, amerikanische Zahlungsdienstleister zu benachteiligen. Bereits im vergangenen Jahr leitete Washington Untersuchungen gegen den brasilianischen Zahlungsmarkt ein.
Lula reagierte darauf ungewöhnlich scharf. „Pix gehört Brasilien“, erklärte der Präsident zuletzt öffentlich. Niemand werde Brasilien zwingen, das System zu verändern.
Hintergrund des Streits ist die Sorge amerikanischer Finanzkonzerne, Marktanteile in Lateinamerika an staatliche Bezahlsysteme zu verlieren.
Schwieriges Verhältnis trotz freundlicher Worte
Auch politisch liegen Trump und Lula eigentlich weit auseinander. Trump pflegt weiterhin enge Kontakte zu Ex-Präsident Jair Bolsonaro, dem politischen Erzfeind Lulas.
Bolsonaro wurde inzwischen wegen eines mutmaßlichen Putschplans verurteilt. Trotzdem gilt er weiterhin als wichtiger Verbündeter Trumps in Südamerika.
Lula wiederum kritisierte zuletzt mehrfach die Außenpolitik Washingtons, insbesondere im Umgang mit Venezuela und Iran.
Umso bemerkenswerter erscheint nun der überraschend freundliche Ton des Treffens.
Wirtschaftliche Interessen dominieren die Politik
Am Ende zeigt das Treffen vor allem eines: Trotz aller politischen Differenzen dominieren wirtschaftliche Interessen zunehmend die internationale Politik.
Die USA brauchen Rohstoffe und neue Handelspartner. Brasilien braucht Investitionen und Zugang zum amerikanischen Markt.
Und genau deshalb dürften beide Seiten versuchen, den Konfliktkurs der vergangenen Monate zumindest teilweise zu entschärfen – auch wenn die eigentlichen Interessengegensätze bestehen bleiben.

