AustriaEnergy International GmbH: Grüner Wasserstoff aus Chile – grünes Investment oder grünes Risiko für Anleger?

AustriaEnergy International GmbH: Grüner Wasserstoff aus Chile – grünes Investment oder grünes Risiko für Anleger?

Veröffentlicht

Freitag, 08.05.2026
von Red. TB

Grüner Wasserstoff ist derzeit eines der großen Zukunftsthemen an den Finanzmärkten. Genau darauf setzt auch die AustriaEnergy International GmbH aus Wien. Das Unternehmen entwickelt nach eigenen Angaben große Wasserstoff-, Ammoniak-, Solar- und Windprojekte in Chile und sammelt dafür seit geraumer Zeit Geld von Anlegern ein.

Doch Anleger sollten sich von Schlagworten wie „Green Bond“, „Klimaschutz“ oder „nachhaltige Energie“ nicht blenden lassen. Denn hinter dem Investment steckt ein erhebliches Risiko – bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.

8 Prozent Zinsen – ein Warnsignal?

Die AustriaEnergy International GmbH hat bereits 2023 eine sogenannte grüne Anleihe mit der ISIN DE000A3LE0J4 auf den Markt gebracht. Anlegern werden dabei 8 Prozent Zinsen pro Jahr versprochen. Die Laufzeit endet 2028.

Zusätzlich sammelt das Unternehmen über Crowdinvesting-Plattformen wie Bettervest oder Klimja weiteres Geld von Privatanlegern ein. Dort wird mit ebenfalls 8 Prozent Verzinsung für sogenannte Nachrangdarlehen geworben.

Doch genau hier sollten bei Anlegern sämtliche Alarmglocken klingeln.

Denn hohe Zinsen gibt es an den Kapitalmärkten nicht ohne Grund. Sie spiegeln fast immer auch ein hohes Risiko wider.

Nachrangdarlehen – Anleger stehen im Ernstfall ganz hinten

Besonders brisant: Beim Crowdinvesting handelt es sich um Nachrangdarlehen.

Viele Anleger verstehen gar nicht, was das tatsächlich bedeutet.

Im Falle einer Insolvenz oder wirtschaftlicher Schwierigkeiten werden zuerst Banken, Behörden und andere Gläubiger bedient. Erst danach kommen die Anleger mit ihren Nachrangdarlehen an die Reihe. Bleibt dann kein Geld mehr übrig, droht der Totalverlust.

Genau deshalb gelten Nachrangdarlehen seit Jahren als hochriskante Anlageform.

Man muss es deutlich sagen:
Ein Nachrangdarlehen ist eben kein Sparbuch und auch keine sichere Festgeldanlage.

Projekte offenbar noch in der Entwicklungsphase

Hinzu kommt ein weiterer kritischer Punkt:
Die großen Wasserstoff- und Energieprojekte in Chile befinden sich offenbar überwiegend noch in der Entwicklungsphase.

Größere Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe erwartet das Unternehmen offenbar erst in der Zukunft.

Anleger investieren also letztlich in Hoffnungen auf zukünftige Entwicklungen und stabile politische sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Chile.

Doch gerade internationale Großprojekte im Energiesektor sind mit erheblichen Unsicherheiten verbunden:

  • Genehmigungsrisiken,
  • politische Veränderungen,
  • steigende Baukosten,
  • technische Probleme,
  • Verzögerungen,
  • Finanzierungsfragen,
  • oder Veränderungen am Energiemarkt.

Scheitern Projekte oder verzögern sich diese erheblich, kann das dramatische Auswirkungen auf die Rückzahlung der Anlegergelder haben.

Green Bond bedeutet nicht automatisch Sicherheit

Viele Anleger verbinden den Begriff „Green Bond“ automatisch mit Seriosität und Sicherheit. Doch das ist ein gefährlicher Irrtum.

Auch nachhaltige Investments bleiben unternehmerische Beteiligungen mit erheblichen Risiken.

Die Börsennotierung der Anleihe in Frankfurt oder Kurse nahe 100 Prozent ändern daran nichts.

Entscheidend bleibt:
Kann das Unternehmen langfristig wirtschaftlich erfolgreich arbeiten und genügend Erträge erwirtschaften?

Gerade bei Projekten, die erst in einigen Jahren nennenswerte Einnahmen generieren sollen, ist diese Frage alles andere als sicher beantwortet.

Fazit

AustriaEnergy setzt auf einen Zukunftsmarkt. Das klingt zunächst attraktiv. Doch Anleger sollten die Risiken nüchtern bewerten und sich nicht allein von Nachhaltigkeitsversprechen oder hohen Zinsen leiten lassen.

Besonders kritisch sind:

  • das erhebliche Totalverlustrisiko,
  • die Konstruktion als Nachrangdarlehen,
  • die langfristige Kapitalbindung,
  • die Abhängigkeit von zukünftigen Projektentwicklungen,
  • sowie die zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten im Ausland.

Wer hier investiert, sollte wissen:
Im schlimmsten Fall kann das eingesetzte Geld vollständig verloren sein.

Bildnachweis:

Gaertringen (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 08.05.2026

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