Digger im Kino: Tom Cruise geht mit seiner ungewöhnlichsten Rolle ein großes Risiko ein

Digger im Kino: Tom Cruise geht mit seiner ungewöhnlichsten Rolle ein großes Risiko ein

Veröffentlicht

Sonntag, 04.10.2026
von Red. TB

Tom Cruise ist dafür bekannt, Dinge zu tun, die für die meisten Menschen geradezu furchteinflößend wirken – sei es, sich an Flugzeugen festzuhalten oder mit Motorrädern von Klippen zu springen. Doch mit seinem neuen Film „Digger“ geht der Hollywoodstar möglicherweise das größte Risiko seiner Karriere ein.

Diesmal drohen ihm zwar keine gebrochenen Knochen. Dafür setzt er sich der Gefahr aus, dass der Film als überambitioniert, selbstgefällig oder schlicht zu ungewöhnlich wahrgenommen wird. Und nicht ausgeschlossen ist, dass „Digger“ trotz seines prominenten Hauptdarstellers wirtschaftlich enttäuschen könnte.

Regie führte Alejandro G. Iñárritu, der mexikanische Filmemacher hinter Werken wie „Amores Perros“, „Birdman“ und „The Revenant“. Gemeinsam mit anderen Autoren schrieb er auch am Drehbuch mit.

„Digger“ ist nicht nur einer der ungewöhnlichsten Filme, die Tom Cruise je gedreht hat. Er gehört überhaupt zu den eigenwilligsten großen Hollywoodproduktionen der jüngeren Zeit.

Viele Kinogänger dürften sich auf ein solches Experiment gar nicht erst einlassen. Andere könnten den Film möglicherweise vorzeitig verlassen.

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass „Digger“ gescheitert ist.

Der Film ist vielmehr eine schrille, provokante und bewusst überzeichnete Öko-Satire, die ihrem Publikum einiges abverlangt und mit einem klassischen Tom-Cruise-Actionfilm kaum etwas gemeinsam hat.

Tom Cruise als alternder Öl-Milliardär

Schon die Hauptfigur unterscheidet sich grundlegend von den Rollen, die Cruise in den vergangenen Jahren gespielt hat.

Digger Rockwell ist kein fitter, scheinbar altersloser Actionheld.

Mithilfe umfangreichen Make-ups verwandelt sich Cruise in einen ergrauenden, übergewichtigen und teilweise kahl werdenden texanischen Öl-Magnaten.

In einer ironischen Anspielung auf einen seiner frühen Erfolgsfilme wird Rockwell sogar in Unterwäsche gezeigt.

Solche extremen Verwandlungen hat Cruise schon früher ausprobiert. Besonders bekannt ist sein Auftritt als grotesker Hollywoodproduzent Les Grossman in „Tropic Thunder“.

Damals handelte es sich allerdings um einen vergleichsweise kurzen Auftritt.

Bei „Digger“ trägt Cruise diesen überzeichneten Look während des gesamten Films.

Ein Mann, der sich um seine Katze sorgt – aber nicht um den Planeten

Subtilität gehört nicht zu den Stärken, die dieser Film überhaupt anstrebt.

Rockwells historische Villa ist mit ausgestopften exotischen Tieren vollgestellt und erinnert teilweise an ein naturhistorisches Museum aus dem viktorianischen Zeitalter.

Gleichzeitig macht sich der Öl-Milliardär große Sorgen um seine dürre Hauskatze.

Ganz gefühllos ist die Figur also nicht.

Auch seine Halbschwester bedeutet ihm etwas.

Sie wird von Sandra Hüller gespielt und arbeitet als Unternehmerin im Bereich grüner Energie.

Allerdings fällt ihre Rolle deutlich kleiner aus, als es die prominente Besetzung vermuten lassen könnte.

Im Kern interessiert sich Rockwell vor allem für Geld.

Der Umwelt schenkt er dagegen kaum Beachtung.

Eine Ölbohrung löst eine gewaltige Katastrophe aus

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als ein Mitarbeiter Rockwell darüber informiert, dass eine Ölbohrung seines Unternehmens in Alaska einen Gletscher gespalten hat.

Rockwell reagiert zunächst mit demonstrativer Ahnungslosigkeit.

Er versucht, das Problem herunterzuspielen, verweist auf die vielen Arbeitsplätze, die sein Unternehmen geschaffen habe, und versucht anschließend, die Verantwortung auf andere abzuwälzen.

Doch schon bald lässt sich die Katastrophe nicht mehr ignorieren.

Ein Eisberg von der Größe eines kleineren Landes bricht vom Gletscher ab und treibt in Richtung Nordeuropa.

Innerhalb weniger Tage könnte ein dadurch ausgelöster Tsunami mehrere große Städte überfluten.

Eine solche Ausgangslage hätte noch vor einigen Jahren womöglich völlig übertrieben gewirkt.

Inzwischen erscheint sie angesichts realer Debatten über Klimaveränderungen und extreme Wetterereignisse deutlich weniger absurd.

Krisensitzung in Rockwells Villa

Der amerikanische Präsident, gespielt von John Goodman, beruft daraufhin eine Krisensitzung ein.

Sie findet ausgerechnet in Rockwells Anwesen statt.

Schon bald sitzen zahlreiche Männer in Anzügen und Militäruniformen um einen Tisch und überbieten sich mit lautstarken Wortgefechten.

Der Film macht sich dabei auch über die fast vollständige Abwesenheit von Frauen in diesem Machtzirkel lustig.

Ein Wissenschaftler, gespielt von Riz Ahmed, versucht verzweifelt, den Anwesenden die Dimension der bevorstehenden Katastrophe verständlich zu machen.

Schließlich entsteht ein Plan.

Das amerikanische Militär soll versuchen, den Eisberg von seinem Kurs abzubringen.

Sollte dies scheitern, gibt es bereits Überlegungen, wie sich die öffentliche Darstellung der Ereignisse beeinflussen ließe, damit nicht ein US-Unternehmen für die folgende Zerstörung verantwortlich gemacht wird.

Der religiöse Berater des Präsidenten beruhigt die Runde zusätzlich mit dem Hinweis, Gott stehe schließlich auf ihrer Seite.

Satire auf Wirtschaft, Politik und Klimakrise

Als Satire funktioniert „Digger“ vor allem deshalb, weil die Überzeichnung immer wieder überraschend nah an realen politischen und wirtschaftlichen Debatten liegt.

Unternehmensvertreter, Politiker, Militärs und Berater reagieren auf eine existenzielle Krise mit Schuldzuweisungen, Kommunikationsstrategien und dem Versuch, wirtschaftliche Interessen zu schützen.

Die eigentliche Katastrophe droht dabei beinahe zur Nebensache zu werden.

Gerade diese Mischung macht die Grundidee des Films so wirkungsvoll.

Doch „Digger“ bleibt nicht bei dieser klassischen Klimasatire.

Im weiteren Verlauf gibt es zwei große konzeptionelle Wendungen, die die zuvor gezeigten Ereignisse in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Mehr soll darüber nicht verraten werden.

Bereits der erste Trailer wirkte so künstlich und überzeichnet, dass manche Zuschauer vermuteten, Iñárritu könnte sogar ein Musical gedreht haben.

Tatsächlich ist das Konzept noch ungewöhnlicher.

Kein klassischer Oscar-Film für Tom Cruise

Alejandro G. Iñárritu gehört zu den erfolgreichsten Regisseuren Hollywoods.

Er wurde mehrfach mit Oscars ausgezeichnet.

Leonardo DiCaprio gewann seinen ersten regulären Schauspiel-Oscar für seine Hauptrolle in Iñárritus „The Revenant“.

Deshalb lag zunächst die Vermutung nahe, Tom Cruise könnte mit „Digger“ ebenfalls gezielt auf einen Oscar hinarbeiten.

Cruise wurde zwar bereits mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet, konnte bislang jedoch keinen regulären Schauspielpreis bei der Oscar-Verleihung gewinnen.

Doch „Digger“ spricht eher gegen die Vorstellung eines gezielt auf Auszeichnungen zugeschnittenen Prestigeprojekts.

Wer unbedingt möglichst viele Preise gewinnen möchte, würde vermutlich kaum einen derart exzentrischen und politisch direkten Film drehen.

Statt eines leicht zugänglichen Oscar-Dramas ist „Digger“ ein Film, an dem sich die Meinungen stark scheiden dürften.

Manche Zuschauer werden ihn lieben.

Andere dürften ihn ablehnen.

Und womöglich wird die zweite Gruppe sogar deutlich größer sein.

Die wichtigsten Daten zum Film

Regie: Alejandro G. Iñárritu

Besetzung: Tom Cruise, Sandra Hüller, Riz Ahmed, John Goodman

Laufzeit: 128 Minuten

Kinostart: 2. Oktober 2026 in den USA und Großbritannien

Ein Film, der bewusst übertreibt

Der Film hat durchaus Schwächen.

Einige seiner bewusst überzogenen Elemente werden mit der Zeit anstrengend.

Auch die Laufzeit von 128 Minuten dürfte vielen Zuschauern zu lang erscheinen.

Nach etwa anderthalb Stunden kann es ermüdend werden, John Goodman immer wieder brüllend in Nahaufnahme zu sehen.

Andererseits lebt „Digger“ gerade von dieser Maßlosigkeit.

Wenn Tom Cruise durch das Bild rast und mit großer Energie Tiraden über die Ölindustrie hält, entfaltet seine Darstellung eine enorme Präsenz.

Die düstere Umweltbotschaft des Drehbuchs wird ohne Zurückhaltung formuliert.

Auch Iñárritus hektischer und anarchischer Inszenierungsstil passt zu der bewusst übergroßen Welt des Films.

Ein Kunstfilm mit einem der größten Stars Hollywoods

Wäre „Digger“ mit einem Schauspieler besetzt worden, der vor allem für experimentelle Independent-Filme bekannt ist, würde der Film wahrscheinlich als mutiges Kunstexperiment gefeiert.

Doch in der Hauptrolle steht Tom Cruise, einer der bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Schauspieler der Welt.

Genau das macht das Projekt so außergewöhnlich.

Viele Zuschauer dürften sich fragen, warum Cruise sich ausgerechnet auf einen derart seltsamen Film eingelassen hat.

Doch genau darin liegt möglicherweise der Reiz.

Cruise hat seine Karriere darauf aufgebaut, bei großen Actionproduktionen immer spektakulärere Grenzen auszutesten.

Wenn er einen Blockbuster dreht, sollen die Stunts möglichst größer und gefährlicher sein als alles zuvor Gezeigte.

Bei einer bizarren apokalyptischen Tragikomödie verfolgt er offenbar denselben Ansatz.

Auch hier gibt er sich nicht mit einer kleinen, zurückhaltenden Variante zufrieden.

Stattdessen entsteht ein Film, der laut, extravagant, unbequem und kompromisslos ist.

„Digger“ dürfte deshalb kaum jedem gefallen.

Aber gerade weil Tom Cruise mit diesem Film etwas vollkommen anderes versucht, gehört er zu den ungewöhnlichsten Projekten seiner langen Karriere.

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Bildnachweis:

geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 04.10.2026

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