Australien steht außenpolitisch unter wachsendem Druck. Militärisch rückt das Land immer enger an die Vereinigten Staaten heran, wirtschaftlich bleibt China zugleich sein wichtigster Handelspartner.
Diese doppelte Abhängigkeit prägt die australische Politik zunehmend.
Nachricht: Australien verstärkt militärische Zusammenarbeit mit den USA
Im Norden Australiens trainieren derzeit australische, amerikanische und japanische Streitkräfte gemeinsam im Rahmen des Manövers „Southern Jackaroo“.
Die Übung soll die militärische Zusammenarbeit im Indopazifik verbessern.
Australische Militärvertreter sprechen offen davon, dass sich das Land auf schwerwiegendere Konfliktszenarien vorbereiten müsse.
Brigadier Ben McLennan erklärte, man übe für die „schlimmste Art von Krieg“, vergleichbar mit den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts.
Einen konkreten möglichen Gegner nannte er nicht.
Nachricht: China wird in Australiens Verteidigungsstrategie ausdrücklich genannt
Australiens nationale Verteidigungsstrategie 2026 beschreibt die wachsende Konkurrenz zwischen den Vereinigten Staaten und China als dauerhaftes Merkmal der strategischen Lage.
Darin heißt es auch, China betreibe derzeit den weltweit größten militärischen Ausbau, ohne aus australischer Sicht ausreichend Transparenz zu schaffen.
Australien reagiert darauf unter anderem mit einer verstärkten militärischen Zusammenarbeit mit Washington.
Nachricht: Zahl der US-Marines stark gestiegen
Die amerikanische Militärpräsenz in Australien ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.
2012 waren rund 200 US-Marines jährlich für mehrere Monate in Australien stationiert.
Heute sind es etwa 2.500.
Hinzu kommt der Ausbau militärischer Infrastruktur.
Der Luftwaffenstützpunkt RAAF Tindal wurde so modernisiert, dass dort auch amerikanische B-52-Langstreckenbomber unterstützt werden können.
Mit dem Sicherheitsbündnis AUKUS zwischen Australien, Großbritannien und den USA ist außerdem die Beschaffung atomgetriebener U-Boote vorgesehen.
Nachricht: China bleibt Australiens wichtigster Wirtschaftspartner
Trotz der sicherheitspolitischen Annäherung an die USA bleibt China der wichtigste wirtschaftliche Partner Australiens.
China ist Australiens größter Exportmarkt.
Besonders wichtig sind Exporte von Rohstoffen, Mineralien und landwirtschaftlichen Produkten.
Die wirtschaftliche Verflechtung ist damit weiterhin sehr groß.
Nachricht: Beziehungen zwischen Australien und China waren zeitweise stark belastet
Australien und China unterhalten seit 1972 diplomatische Beziehungen.
In den frühen 2010er-Jahren wurde China zum wichtigsten Handelspartner Australiens.
2015 wurde ein Freihandelsabkommen abgeschlossen.
Die Beziehungen verschlechterten sich allerdings deutlich, nachdem Australien 2020 eine Untersuchung zum Ursprung der Corona-Pandemie gefordert hatte.
China reagierte darauf mit Handelsbeschränkungen und Zöllen.
Unter der Regierung von Premierminister Anthony Albanese verbesserten sich die Beziehungen wieder, bleiben aber angespannt.
Im Juni 2026 verhängte China einen Zoll von 55 Prozent auf Rindfleischimporte.
Nachricht: Australier misstrauen beiden Großmächten
Umfragen des Lowy Institute zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung.
Nur 31 Prozent der Australier vertrauen darauf, dass die Vereinigten Staaten international verantwortungsvoll handeln.
Bei China liegt der entsprechende Wert bei 28 Prozent.
Gleichzeitig sehen 61 Prozent China inzwischen eher als Wirtschaftspartner denn als Sicherheitsbedrohung.
Das sind elf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Erstmals erklärte zudem eine Mehrheit von 51 Prozent, Australiens Beziehung zu China sei wichtiger als die Beziehung zu den USA.
Nachricht: Verhältnis zu den USA wird skeptischer bewertet
Auch das Verhältnis zu Washington wird in Australien kritischer diskutiert.
Die Wissenschaftlerin Marina Yue Zhang von der University of Technology Sydney verweist darauf, dass sich viele Menschen zunehmend fragen, wie verlässlich die USA als langfristiger Partner tatsächlich seien.
Gleichzeitig bleibt die Sicherheitsallianz mit den Vereinigten Staaten das Fundament der australischen Verteidigungspolitik.
Analyse: Australien kann sich eine klare Entscheidung kaum leisten
Die Fakten zeigen einen grundsätzlichen Widerspruch.
Australien bindet sich militärisch enger an die USA, ist wirtschaftlich aber stark von China abhängig.
Genau deshalb ist ein vollständiger Bruch mit einer der beiden Seiten kaum realistisch.
Ein Rückzug aus der sicherheitspolitischen Partnerschaft mit Washington würde Australiens Verteidigungsstrategie grundlegend verändern.
Eine wirtschaftliche Abkopplung von China wiederum könnte erhebliche Folgen für Exporte, Unternehmen und Arbeitsplätze haben.
Analyse: China ist für Australien weder nur Partner noch nur Gegner
Die Bezeichnung „Frenemy“ beschreibt Australiens Verhältnis zu China recht treffend.
Aus sicherheitspolitischer Sicht wird China zunehmend als strategischer Konkurrent wahrgenommen.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist das Land gleichzeitig unverzichtbar.
Diese beiden Ebenen lassen sich nicht sauber voneinander trennen.
Genau darin liegt das Problem.
Analyse: Das eigentliche Risiko wäre eine militärische Eskalation
Solange sich die Rivalität zwischen Washington und Peking vor allem politisch und wirtschaftlich abspielt, kann Australien versuchen, beide Beziehungen parallel zu pflegen.
Schwieriger würde es bei einer militärischen Eskalation im Indopazifik.
Dann könnte Canberra unter erheblichen Druck geraten, sich klar zu positionieren.
Besonders heikel wäre ein Konflikt rund um Taiwan.
In einem solchen Szenario könnte die australische Regierung kaum gleichzeitig ihre militärische Allianz mit den USA aufrechterhalten und wirtschaftlich völlig unbeschadet mit China weiterarbeiten.
Analyse: Die Bevölkerung denkt pragmatischer als die Regierung
Auffällig ist auch die wachsende Skepsis innerhalb der australischen Bevölkerung.
Die Regierung vertieft die militärische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten.
Gleichzeitig bewertet eine Mehrheit der Bevölkerung China zunehmend als wichtigen Wirtschaftspartner.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Australier China sicherheitspolitisch vertrauen.
Es zeigt vielmehr, dass viele Bürger die wirtschaftlichen Vorteile der Beziehungen zu Peking nicht aufgeben wollen.
Analyse: Australien wird zum Beispiel für die neue Weltordnung
Australien zeigt beispielhaft, wie schwierig die Lage für mittelgroße Staaten in einer zunehmend multipolaren Welt wird.
Es gibt nicht mehr einfach zwei klar getrennte Lager.
Staaten können gleichzeitig
militärische Verbündete,
wirtschaftliche Konkurrenten,
Handelspartner
und politische Gegner sein.
Australien muss deshalb versuchen, mehrere widersprüchliche Interessen gleichzeitig zu verfolgen.
Fazit
Die Nachricht ist klar:
Australien verstärkt seine militärische Zusammenarbeit mit den USA und bereitet sich intensiver auf mögliche Konflikte im Indopazifik vor.
Gleichzeitig bleibt China der wichtigste Handelspartner des Landes.
Die Analyse daraus lautet:
Australien kann sich derzeit weder eine vollständige Abkehr von Washington noch von Peking leisten.
Genau deshalb dürfte der außenpolitische Balanceakt immer schwieriger werden, je stärker die Rivalität zwischen beiden Großmächten wächst.
Militärisch steht Australien näher bei den USA. Wirtschaftlich bleibt China unverzichtbar.
Das ist kein Widerspruch, der sich kurzfristig auflösen lässt.


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