Nach Schulmassaker in Kanada: Ermittler nehmen mutmaßlichen Unterstützer in den USA fest

Nach Schulmassaker in Kanada: Ermittler nehmen mutmaßlichen Unterstützer in den USA fest

Veröffentlicht

Mittwoch, 07.10.2026
von Red. TB

Nach dem tödlichen Schulmassaker im kanadischen Tumbler Ridge haben Ermittler in den USA einen 30-jährigen Mann festgenommen.

Die US-Justiz wirft James Cody Bryant vor, den späteren Täter über längere Zeit unterstützt und bestärkt zu haben. Ihm wird unter anderem eine Verschwörung zur Ermordung von Menschen in einem anderen Land zur Last gelegt.

Bei dem Angriff im Februar waren acht Menschen getötet worden, darunter sechs Kinder. Der mutmaßliche Schütze, der 18-jährige Jessie Van Rootselaar, starb während der Tat durch eine selbst zugefügte Schussverletzung.

Kontakt über Monate

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden standen Bryant und Van Rootselaar über Monate hinweg regelmäßig miteinander in Verbindung.

Die beiden sollen sich bereits Jahre zuvor im Internet kennengelernt haben. In den sechs Monaten vor der Tat hätten sie nahezu täglich über die Plattform Discord kommuniziert.

Die Vorwürfe gegen Bryant gehen dabei weit über bloße Bekanntschaft hinaus.

Er soll technische Ratschläge gegeben, Geld geschickt und bei der Vorbereitung des Angriffs geholfen haben. Außerdem soll er zugesagt haben, die Tat über einen Livestream im Internet zu übertragen.

Nach Angaben der Ermittler war dieser Stream nur rund 20 Sekunden online und wurde lediglich von einem Account angesehen.

Ermittler sprechen von bewusster Unterstützung

Besonders schwer wiegt der Vorwurf, Bryant habe gewusst, dass ein Angriff geplant war.

Nach Darstellung der Behörden soll er zeitweise sogar mit dem Täter darüber gesprochen haben, die Polizei zu informieren. Letztlich habe er dies jedoch nicht getan.

Aus den Ermittlungsunterlagen geht zudem hervor, dass beide über mögliche Tatorte gesprochen haben sollen. Auch der grenzüberschreitende Transport von 3D-gedruckten Waffen sei Thema ihrer Gespräche gewesen.

Die Ermittler sehen darin Hinweise darauf, dass Bryant nicht nur von Gewaltfantasien wusste, sondern Teile der Vorbereitung aktiv begleitet haben könnte.

Sollte er verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Acht Tote in einer kleinen Gemeinde

Der Angriff erschütterte die kleine Stadt Tumbler Ridge in British Columbia.

Die Tat ereignete sich sowohl im Wohnhaus des späteren Schützen als auch an einer weiterführenden Schule.

Unter den Opfern waren die Mutter des Täters, sein elfjähriger Stiefbruder, fünf weitere Kinder sowie eine Mitarbeiterin der Schule.

Für eine Gemeinde mit nur wenigen Tausend Einwohnern bedeutete die Tat einen tiefen Einschnitt.

Inzwischen wurden mehrere Klagen im Zusammenhang mit dem Massaker eingereicht.

Warnzeichen waren offenbar vorhanden

Nach Angaben der Polizei war Van Rootselaar den Behörden bereits zuvor bekannt.

In der Vergangenheit hatte es mehrfach Einsätze wegen psychischer Krisen im Umfeld seines Wohnhauses gegeben.

Der Fall wirft deshalb erneut eine schwierige Frage auf: Wann werden aus einzelnen Warnzeichen konkrete Hinweise auf eine bevorstehende Gewalttat?

Im Nachhinein lassen sich Verbindungen häufig deutlich erkennen. Vor einer Tat sind sie dagegen oft über verschiedene Stellen verteilt – bei Angehörigen, Plattformen, Behörden oder Bekannten.

Gerade deshalb dürfte nun genau untersucht werden, welche Informationen wann vorlagen und ob jemand früher hätte eingreifen können.

Auch ChatGPT spielt in den Ermittlungen eine Rolle

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall, nachdem bekannt wurde, dass Van Rootselaar vor der Tat auch mit ChatGPT interagiert hatte.

Die Provinz British Columbia sowie Angehörige von Opfern haben OpenAI deshalb verklagt. Sie werfen dem Unternehmen vor, Behörden nicht rechtzeitig über problematische Interaktionen informiert zu haben.

OpenAI-Chef Sam Altman entschuldigte sich später öffentlich bei den Familien der Opfer und erklärte, dass keine Warnung an Strafverfolgungsbehörden erfolgt sei.

Die juristische Aufarbeitung dieser Frage dürfte weit über diesen einzelnen Fall hinausreichen.

Denn sie betrifft ein grundsätzliches Problem moderner digitaler Kommunikation:

Was geschieht, wenn Gewaltpläne nicht mehr nur gegenüber Menschen geäußert werden, sondern in Chats, sozialen Netzwerken oder gegenüber KI-Systemen?

Verantwortung endet nicht beim Täter

Die Festnahme Bryants erweitert den Fall um eine weitere Ebene.

Im Mittelpunkt steht nun nicht mehr ausschließlich derjenige, der die Tat ausgeführt hat. Ermittler beschäftigen sich zunehmend auch mit der Frage, welche Rolle Menschen spielen, die Gewalttaten fördern, vorbereiten oder bewusst nicht verhindern.

Ob sich die schweren Vorwürfe gegen Bryant vor Gericht bestätigen, muss das Verfahren klären.

Doch schon jetzt zeigt der Fall, wie stark sich die Vorbereitung extremistischer oder schwerer Gewalttaten in digitale Räume verlagert hat.

Menschen können sich über Ländergrenzen hinweg kennenlernen, radikalisieren, gegenseitig bestärken und konkrete Vorbereitungen treffen, ohne sich jemals persönlich begegnet zu sein.

Für Polizei, Plattformbetreiber und Gesellschaft entsteht daraus eine schwierige Aufgabe.

Es geht nicht darum, jede drastische Äußerung automatisch als bevorstehende Straftat zu behandeln.

Es geht darum, jene Situationen zu erkennen, in denen aus Fantasien konkrete Planung wird.

Im Fall von Tumbler Ridge kommt diese Erkenntnis für acht Menschen zu spät.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

luctheo (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 07.10.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv