Die wichtigsten neuen politischen Entwicklungen – Stand: 26. September 2026, früher Morgen
Österreichs Innenpolitik hat über Nacht ein neues bestimmendes Thema bekommen: die Zukunft der SPÖ-Spitze.
Medienmanager Gerhard Zeiler hat öffentlich erklärt, dass er bereit ist, den Vorsitz der Sozialdemokraten zu übernehmen. Damit wird aus der seit Längerem schwelenden Personaldebatte erstmals eine konkrete Herausforderung für Parteichef Andreas Babler.
Zeiler will SPÖ-Chef werden
Zeiler erklärte, er halte sich für die richtige Person, um die SPÖ aus ihrem derzeitigen Tief herauszuführen.
Babler wiederum denkt nach den bislang vorliegenden Informationen nicht daran, freiwillig zurückzutreten.
Damit könnte es auf eine innerparteiliche Auseinandersetzung hinauslaufen. Babler war erst im März für weitere drei Jahre zum Parteivorsitzenden gewählt worden.
Eine Ablösung wäre deshalb nicht automatisch möglich. Für eine Direktwahl müssten entsprechende parteiinterne Voraussetzungen erfüllt werden; Babler könnte sich dann selbst erneut der Abstimmung stellen.
Die politische Bedeutung reicht über die SPÖ hinaus. Schließlich ist die Partei Teil der Bundesregierung. Eine längere Führungsauseinandersetzung könnte deshalb auch die Arbeit der Dreierkoalition beeinflussen.
Wehrpflicht und Zivildienst werden zum nächsten großen Thema
Parallel nimmt die Debatte um Wehr- und Zivildienst Fahrt auf.
Die Regierungskoalition hat sich auf eine Verlängerung der Wehrpflicht von sechs auf neun Monate verständigt. Gleichzeitig könnte sich auch der Zivildienst verändern.
Im Raum steht eine Verlängerung von derzeit neun auf möglicherweise elf Monate, falls nicht genügend Rekruten zur Verfügung stehen.
Auffällig ist bereits jetzt ein Anstieg der Zivildienstmeldungen.
Damit dürfte die Reform insbesondere unter jungen Österreichern noch für intensive Diskussionen sorgen.
Regierung verschärft Regeln für Weiterbildung
Auch arbeitsmarktpolitisch bewegt sich etwas.
Die Regierung setzt bei der geplanten Weiterbildungszeit auf strengere Regeln. Die Neuordnung soll verhindern, dass staatlich geförderte berufliche Auszeiten ohne ausreichenden arbeitsmarktpolitischen Nutzen genutzt werden.
Das Thema ist Teil einer größeren Debatte darüber, wie Sozialleistungen, Weiterbildung und Arbeitsmarktpolitik künftig miteinander verzahnt werden sollen.
Verfassungsgerichtshof hat Zweifel an Krisenabgabe
Politisch brisant bleibt außerdem die rechtliche Diskussion über den Energiekrisenbeitrag.
Der Verfassungsgerichtshof beschäftigt sich mit der Regelung; Zweifel an Teilen der Ausgestaltung könnten finanzielle Folgen haben. Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht vorweggenommen.
Österreich positioniert sich bei der UNO
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hat Österreich bei der UNO-Vollversammlung deutlich für die Einhaltung des Völkerrechts positioniert.
Sie forderte unter anderem internationale Regeln für autonome Waffensysteme und kündigte an, Österreich werde seine Mitgliedschaft im UNO-Sicherheitsrat 2027 und 2028 aktiv nutzen.
Dabei räumte sie zugleich ein, dass die Vereinten Nationen derzeit vielfach hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Politisches Fazit
Die überraschendste innenpolitische Entwicklung heißt eindeutig Gerhard Zeiler.
Aus einer abstrakten Diskussion über Andreas Bablers Zukunft ist eine konkrete Personalfrage geworden.
Gleichzeitig stehen mit Wehrpflicht, Zivildienst, Weiterbildung und Energiepolitik mehrere Vorhaben an, bei denen die Regierung Entscheidungen treffen muss, die unmittelbar in den Alltag vieler Österreicher eingreifen.
Der politische Herbst dürfte damit deutlich unruhiger werden.
Rückruf, Immobilien und schwache Betriebe: Österreichs Wirtschaft zwischen Belastung und vorsichtiger Bewegung
Die wichtigsten neuen Wirtschaftsmeldungen – Stand: 26. September 2026
Österreichs Wirtschaft liefert derzeit ein widersprüchliches Bild. Der Immobilienmarkt kommt wieder in Bewegung, gleichzeitig bleiben Inflation und Energiekosten eine Belastung für viele Unternehmen. Hinzu kommt ein großer Volkswagen-Rückruf, der zehntausende österreichische Autofahrer betrifft.
Rund 95.000 Fahrzeuge in Österreich vom VW-Rückruf betroffen
Die unmittelbarste Verbrauchernachricht betrifft Volkswagen und Audi.
Wegen einer möglicherweise problematischen Schraube an der Lenkung werden weltweit Millionen Fahrzeuge überprüft. In Österreich betrifft die vorsorgliche Rückrufaktion nach Angaben des Generalimporteurs rund 95.000 Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns.
Bei einem Schraubenabriss könnte schlimmstenfalls die Lenkung beeinträchtigt werden.
Betroffene Fahrzeughalter sollen anhand der Zulassungsdaten ermittelt und schriftlich verständigt werden.
Immobilienmarkt kommt wieder in Bewegung
Gleichzeitig bleibt der österreichische Immobilienmarkt ein zentrales Wirtschaftsthema.
Nach der schwierigen Phase mit stark gestiegenen Zinsen hat sich das Umfeld verändert. Gleichzeitig sind Immobilienpreise keineswegs flächendeckend günstig geworden.
Statistik Austria hatte zuletzt gemeldet, dass die Preise für Wohneigentum im ersten Halbjahr 2026 auf ein Rekordniveau gestiegen sind.
Damit entsteht für Käufer eine ungewöhnliche Mischung: Die Finanzierungssituation verändert sich, aber die Preise bleiben hoch.
Handwerk wartet weiter auf den Aufschwung
Weniger erfreulich ist die Situation für viele kleinere und mittlere Unternehmen.
Im Gewerbe und Handwerk blieb die erhoffte Erholung zuletzt aus.
Die Auftragseingänge beziehungsweise Umsätze waren im ersten Quartal nominal 2,1 Prozent niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Preisbereinigt ergibt sich sogar ein Minus von 4,6 Prozent.
Auch die Erwartungen der Betriebe bleiben gedämpft.
Besonders belastend wirken weiterhin Energiepreise und Inflation.
Junge Unternehmer fordern bessere Bedingungen
Beim Summit der Jungen Wirtschaft in Oberwart diskutierten rund 500 Jungunternehmer und Führungskräfte über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts.
Im Mittelpunkt standen Unternehmensgründungen, Investitionen, Innovation und die Bedingungen für junge Betriebe.
Die Veranstaltung zeigt zugleich eines der strukturellen Probleme Österreichs: Neue Unternehmen sollen investieren und Arbeitsplätze schaffen, treffen dabei aber auf hohe Kosten und teilweise erhebliche administrative Anforderungen.
Salzburg AG unter Druck
Ein weiterer wirtschaftlich relevanter Vorgang betrifft den Salzburger Landesenergieversorger.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit einem Photovoltaikauftrag gegen die Salzburg AG.
Ausgangspunkt sind Vorwürfe eines Unternehmens, bei einem Großauftrag übergangen worden zu sein. Dabei steht ein behaupteter Schaden von mehr als 20 Millionen Euro im Raum.
Dabei handelt es sich um laufende Ermittlungen; die Vorwürfe sind nicht mit einer festgestellten Schuld gleichzusetzen.
Das Wirtschaftsbild
Österreich steckt damit weiter in einer Phase zwischen Stabilisierung und struktureller Belastung.
Der Immobilienmarkt bewegt sich wieder, Unternehmen investieren weiterhin und junge Gründer wollen wachsen.
Gleichzeitig bleiben Energiepreise, Inflation und schwache Auftragseingänge für Teile des Mittelstands problematisch.
Ein kräftiger, breit getragener Aufschwung sieht anders aus.


0 Kommentare