Wer braucht schon Jürgen Klopp, wenn er Ralf Rangnick hat? Österreich startet mit spätem Sieg in die Nations League

Wer braucht schon Jürgen Klopp, wenn er Ralf Rangnick hat? Österreich startet mit spätem Sieg in die Nations League

Veröffentlicht

Freitag, 25.09.2026
von Red. TB

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft ist zurück – und irgendwie ist auch das typische Rangnick-Gefühl wieder da. Nicht alles funktioniert, nicht alles sieht schön aus, zwischendurch wird es unnötig kompliziert. Aber wenn es darauf ankommt, findet diese Mannschaft einen Weg.

Zum Auftakt der UEFA Nations League gewann das ÖFB-Team in Linz mit 3:1 gegen Israel. Dabei stand Ralf Rangnick zum 50. Mal als österreichischer Teamchef an der Seitenlinie. Vor 15.200 Zuschauern trafen Romano Schmid per Elfmeter, Phillipp Mwene und Sasa Kalajdzic. Der Sieg wurde allerdings erst in den Schlussminuten sichergestellt.

Und deshalb darf man nach diesem Abend durchaus augenzwinkernd fragen:

Wer braucht schon Jürgen Klopp, wenn er Ralf Rangnick hat?

Natürlich hinkt jeder Vergleich zwischen zwei Trainern mit unterschiedlichen Aufgaben und Karrieren. Aber Rangnick hat in Österreich etwas aufgebaut, das weit über einzelne Ergebnisse hinausgeht. Selbst nach einer enttäuschenden WM und einem personellen Umbruch ist die Grundidee noch erkennbar: Energie, Pressing, Intensität – und eine Mannschaft, die bis zum Schluss an ihre Chance glaubt.

Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als ideal.

Marko Arnautovic hat seine Nationalmannschaftskarriere beendet. David Alaba fehlte, Marcel Sabitzer pausiert derzeit im Nationalteam und Konrad Laimer sowie Christoph Baumgartner standen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Rangnick musste seine Mannschaft also an mehreren Stellen umbauen.

Das Ergebnis war zunächst allerdings kein Fußballfeuerwerk.

Österreich begann engagiert, verlor danach aber zunehmend den Rhythmus. Israel störte wirkungsvoll und verhinderte lange klare Chancen. Patrick Wimmer prüfte Torhüter Daniel Peretz, Marco Grüll sorgte mit einem abgefälschten Versuch für Gefahr und Stefan Posch setzte einen Kopfball knapp vorbei.

Dann musste Rangnick reagieren.

Michael Gregoritsch, an diesem Abend zunächst Kapitän, knöchelte um und musste bereits nach 36 Minuten ausgewechselt werden. Für ihn kam Sasa Kalajdzic.

Und plötzlich veränderte sich das Spiel.

Nur vier Minuten nach seiner Einwechslung stellte Kalajdzic im Strafraum geschickt seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler Idan Nachmias. Der Israeli foulte ihn – Elfmeter.

Romano Schmid verwandelte sicher zum 1:0.

Nach der Pause brachte Rangnick mit Paul Wanner einen weiteren frischen Spieler. Doch statt der Vorentscheidung fiel der Ausgleich.

Nach einer israelischen Ecke bekam Österreich den Ball nicht konsequent aus der Gefahrenzone. Eine abgefälschte Flanke landete bei Sayed Abu Farchi, der Alexander Schlager per Kopf zum 1:1 bezwang.

Danach folgte die kurioseste Szene des Abends.

Abu Farchi feierte sein Tor mit der Eckfahne. Seine Bewegung sollte nach israelischer Darstellung einen Billardstoß darstellen, wurde vom Schiedsrichter jedoch als unsportliche Geste interpretiert. Da der Torschütze bereits verwarnt war, sah er Gelb-Rot. Israel musste ab der 55. Minute zu zehnt weiterspielen.

Für Österreich begann damit ein Geduldsspiel.

Mehr als eine halbe Stunde spielte das ÖFB-Team in Überzahl, ohne daraus zunächst genügend Kapital schlagen zu können. Kalajdzic köpfte über das Tor, Wanner scheiterte aus der Distanz.

Rangnick wechselte weiter.

Christoph Lang kam. Sascha Horvath feierte sein Debüt. Der Druck nahm zu.

Und dann kam die 90. Minute.

Nach einer Hereingabe des eingewechselten Wanner setzte sich Phillipp Mwene durch und erzielte mit dem Knie sein erstes Tor für die österreichische Nationalmannschaft.

2:1.

Die Erleichterung war riesig.

Doch einer war noch nicht fertig.

In der dritten Minute der Nachspielzeit traf ausgerechnet Sasa Kalajdzic zum 3:1. Der Angreifer hatte nach seiner Einwechslung bereits den Elfmeter zur Führung herausgeholt und setzte nun selbst den Schlusspunkt.

Genau hier zeigt sich, was Rangnicks Österreich inzwischen auszeichnet.

Es geht nicht nur um die Startelf. Es geht darum, dass Spieler von der Bank ein Spiel verändern können.

Kalajdzic holt den Elfmeter heraus und trifft selbst. Wanner bereitet das entscheidende zweite Tor vor. Lang und Horvath bringen zusätzliche Energie.

Rangnick selbst war anschließend keineswegs euphorisch. Er verwies darauf, dass Österreich über das gesamte Spiel lediglich einen Schuss auf das eigene Tor zugelassen habe. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Leistung noch nicht das höchste Niveau erreicht habe.

Mit dem Energielevel seiner Mannschaft zeigte er sich dagegen ausdrücklich zufrieden.

Und vielleicht ist genau das die entscheidende Nachricht dieses Abends.

Österreich musste nach der Weltmeisterschaft einen Neustart bewältigen. Wichtige Spieler fehlen, andere haben aufgehört oder pausieren. Trotzdem scheint Rangnick weiterhin eine Mannschaft zu besitzen, die seiner Idee folgt.

Das bedeutet nicht, dass gegen Israel alles überzeugend war. Ganz im Gegenteil: Über weite Strecken tat sich Österreich offensiv schwer. Und gegen zehn Israelis dauerte es bis zur 90. Minute, ehe die Partie entschieden wurde.

Doch Fußballspiele werden nicht für Schönheitspunkte gewonnen.

Sie werden durch Tore entschieden.

Und Österreich machte drei davon.

Kalajdzic brachte es anschließend ziemlich nüchtern auf den Punkt: Israel habe sich durch den Platzverweis selbst geschwächt, am Ende seien es drei Punkte – und genau das zähle.

Schon am Sonntag wartet die nächste Aufgabe. Im ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion empfängt Österreich den Kosovo, der zum Auftakt Irland mit 1:0 bezwang. Danach folgen die Auswärtsspiele in Irland und im Kosovo.

Der Auftakt hat jedenfalls eines gezeigt: Rangnicks Mannschaft ist noch nicht wieder dort, wo sie hinwill.

Aber sie lebt.

Sie läuft.

Sie kämpft.

Und sie kann Spiele von der Bank entscheiden.

Wer braucht da schon Jürgen Klopp? Österreich hat Ralf Rangnick.

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jarmoluk (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 25.09.2026

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