Die österreichische Kulturszene startet mit zahlreichen Neuigkeiten in den 25. September 2026. Im Mittelpunkt stehen der Auftakt des steirischen herbst, eine neue Ausstellung über Kaiserin Elisabeth, ein bemerkenswerter österreichischer Dokumentarfilm und die zunehmend schwierige Finanzierung der Wiener Kultur. Gleichzeitig beschäftigen wirtschaftliche Probleme beim ORF weiterhin die Medien- und Kulturlandschaft.
Steirischer herbst startet unter dem Motto „Red Flags“
Eine der wichtigsten österreichischen Kulturveranstaltungen des Herbstes hat begonnen: Am 24. September wurde in Graz der steirische herbst ’26 eröffnet. Das diesjährige Festival steht unter dem Titel „Red Flags“ und läuft bis zum 18. Oktober.
Zum Auftakt wurde der Grazer Karmeliterplatz zum Schauplatz des Festivals. Nach der Eröffnungsrede von Intendantin Ekaterina Degot stand Julian Warners Wrestling-Performance „Paradise Lost: Dieser Kampf ist kein Zeichen“ auf dem Programm. Später wurde der Eröffnungstag in der Helmut List Halle mit einer Tanzperformance von Alex Baczyński-Jenkins fortgesetzt.
Das Festival beschäftigt sich 2026 mit „Red Flags“ – Warnzeichen also, die gesellschaftlich und politisch wahrgenommen oder möglicherweise übersehen werden. Damit bleibt der steirische herbst seiner Tradition treu, zeitgenössische Kunst mit gesellschaftlichen Debatten zu verbinden.
Neuer österreichischer Dokumentarfilm kommt in die Kinos
Auch im österreichischen Kino gibt es einen bemerkenswerten Neustart. Der Dokumentarfilm „Mit Ästen bis zum Himmel“ kommt in ausgewählte Programmkinos.
Der Film von Catalina Molina Copony porträtiert blinde Kinder und ihr Lernumfeld. Nach Coponys Tod wurde das Werk von Bettina Blickwede, Peter Kutin und Stefan Neuberger fertiggestellt. Bei der Diagonale 2026 wurde der Film bereits präsentiert und für Montage, Kameraarbeit und Tongestaltung ausgezeichnet.
Am 24. September wurde der Film im Moviemento in Linz mit anschließender Diskussion gezeigt. Ab dem 25. September läuft er unter anderem in Wien, Graz, Innsbruck und Linz.
Anne Bennent in Marlene Streeruwitz‘ „Sturm“
Auch auf den Wiener Bühnen gibt es Neues. Im Hamakom ist Anne Bennent in Marlene Streeruwitz‘ „Sturm“-Stück zu erleben.
Im Zentrum steht eine Toilettenfrau, die sich mit den politischen und gesellschaftlichen Widersachern ihres Lebens auseinandersetzt. Der STANDARD hebt in seiner am 24. September erschienenen Besprechung insbesondere Bennents Darstellung hervor.
Damit steht erneut eine österreichische Autorin im Mittelpunkt, deren Arbeiten gesellschaftliche Machtverhältnisse, Geschlechterrollen und politische Konflikte thematisieren.
Innsbruck zeigt „Sisi als Medienstar“
In der Hofburg Innsbruck wurde eine neue Sonderausstellung über Kaiserin Elisabeth eröffnet. Der Titel: „Sisi als Medienstar – Kaiserin Elisabeth im Film und auf der Bühne“.
Im Mittelpunkt steht damit weniger die historische Person allein als vielmehr das Bild, das Film, Theater und populäre Kultur aus Elisabeth gemacht haben.
Parallel wurde die bestehende Dauerausstellung zu Kaiser Maximilian um zusätzliche Räume zur Entwicklung der Stadt Innsbruck erweitert. Gemeinsam mit dem Stadtarchiv und Stadtmuseum Innsbruck entstand zudem eine wissenschaftliche Publikation zur Stadtgeschichte.
Die Ausstellung greift damit ein Phänomen auf, das weit über klassische Geschichtsvermittlung hinausgeht: Aus einer historischen Kaiserin wurde im 20. und 21. Jahrhundert eine internationale Kultur- und Medienfigur.
Wiener Kulturbudget: Suche nach neuem Geld geht weiter
Eine der kulturpolitisch wichtigsten Debatten spielt sich derzeit in Wien ab.
Nach dem Aus für den ursprünglich diskutierten „Kultureuro“ wird weiter nach zusätzlichen Einnahmen für die Kultur gesucht. Der STANDARD berichtete am 24. September über Überlegungen zu einer Haushaltsabgabe. Zuvor war ein Modell diskutiert worden, bei dem ein Aufschlag von 12,5 Prozent vorgesehen gewesen sein soll.
Die Diskussion ist deshalb relevant, weil sie unmittelbar die Finanzierung der Wiener Kulturlandschaft betrifft. Noch ist allerdings kein endgültiges Modell beschlossen.
Für Theater, Festivals, Museen und andere Einrichtungen bleibt damit offen, wie die zusätzlichen Mittel langfristig aufgebracht werden sollen.
ORF steht weiter unter finanziellem Druck
Auch die wirtschaftliche Lage des ORF bleibt ein Thema mit unmittelbarer Bedeutung für Österreichs Medien- und Kulturlandschaft.
ORF-Stiftungsratschef Heinz Lederer erklärte am 24. September, dass er derzeit keine Mehrheit für eine Erhöhung des ORF-Beitrags sehe. Für Oktober ist ein Sonderfinanzausschuss des Stiftungsrats vorgesehen. Der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats, Thomas Medwenitsch, sprach laut STANDARD von einer besonders großen wirtschaftlichen Herausforderung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Für die Kulturszene ist die Entwicklung relevant, weil der ORF nicht nur Nachrichtenanbieter, sondern zugleich einer der bedeutendsten Auftraggeber, Produzenten und Verbreiter österreichischer Film-, Musik- und Kulturinhalte ist.
Österreichische Medientage diskutieren KI
Parallel dazu beschäftigen sich Österreichs Medien intensiv mit künstlicher Intelligenz.
Bei den Österreichischen Medientagen wurde darüber diskutiert, wie journalistische Inhalte künftig nicht nur für Menschen, sondern zunehmend auch für KI-Systeme und digitale Assistenten aufbereitet werden müssen.
APA-Vertreter beschrieben dabei einen bemerkenswerten Perspektivwechsel: Die Frage laute zunehmend nicht mehr nur, wie KI in den Journalismus komme, sondern wie journalistische Inhalte in KI-Systeme gelangen.
Damit verändert sich auch die Kultur- und Medienwirtschaft. Suchmaschinen, Chatbots und KI-Assistenten könnten künftig darüber mitentscheiden, welche journalistischen und kulturellen Inhalte Menschen überhaupt erreichen.
James Cottriall präsentiert neue Musik
Auch aus der österreichischen Popszene gibt es Neues. Der britisch-österreichische Sänger James Cottriall präsentierte im ORF seine neue Single „Try“.
Der Song soll zugleich einen Vorgeschmack auf ein neues Album geben, das für 2027 angekündigt ist.
Ein Kulturherbst mit finanziellen Fragezeichen
Die vergangenen 24 Stunden zeigen damit zwei sehr unterschiedliche Seiten der österreichischen Kulturlandschaft.
Künstlerisch beginnt eine intensive Phase: Der steirische herbst ist eröffnet, neue Filme erreichen die Kinos, Theaterproduktionen starten und Museen präsentieren neue Ausstellungen.
Gleichzeitig werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwieriger. Die Debatte um das Wiener Kulturbudget und die finanzielle Situation des ORF zeigen, dass sich hinter den neuen Produktionen eine grundsätzliche Frage stellt: Wie viel Kultur will und kann Österreich künftig öffentlich finanzieren?
Die nächsten Wochen dürften deshalb nicht nur künstlerisch, sondern auch kulturpolitisch interessant werden.


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