Judge Judy über Amerika: Wer das Land nicht mag, soll woanders hingehen

Judge Judy über Amerika: Wer das Land nicht mag, soll woanders hingehen

Veröffentlicht

Freitag, 25.09.2026
von Red. TB

Die frühere Familienrichterin und amerikanische Fernsehpersönlichkeit Judith „Judge Judy“ Sheindlin will sich künftig aus Wahlkämpfen heraushalten. Mit politischen Meinungen hält sich die 83-Jährige dennoch nicht zurück.

In einem Gespräch in ihrem Haus in Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut äußerte sich Sheindlin zu Kapitalismus, Sozialismus, dem Alter politischer Führungskräfte und ihren früheren Wahlempfehlungen. Dabei bezeichnete sie die Vereinigten Staaten als das erfolgreichste Land der Welt.

Menschen, die das amerikanische Gesellschaftsmodell grundsätzlich ablehnten, sollten ihrer Ansicht nach nicht versuchen, es vollständig zu verändern. Stattdessen könnten sie in ein Land ziehen, dessen politische und wirtschaftliche Ordnung eher ihren Vorstellungen entspreche.

Sheindlin sieht den Kapitalismus, Unternehmergeist und die Förderung besonderer Fähigkeiten als wesentliche Grundlagen des amerikanischen Erfolgs. Die Vereinigten Staaten hätten wissenschaftliche, medizinische und technologische Entwicklungen hervorgebracht, weil individuelle Leistung und Exzellenz belohnt worden seien.

Als Beispiele nannte sie die Entwicklung des Polioimpfstoffs sowie Unternehmen wie Apple und Amazon. Auch die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz seien das Ergebnis eines Umfelds, in dem Ehrgeiz und außergewöhnliche Fähigkeiten gefördert würden.

Kritik an sozialistischer Gleichheitsvorstellung

Sheindlin wandte sich gegen ein Verständnis von Gleichheit, bei dem Unterschiede zwischen Menschen ausgeblendet würden. Menschen besäßen unterschiedliche körperliche, kreative und geistige Fähigkeiten. Eine Gesellschaft müsse diese Unterschiede anerkennen und besondere Leistungen fördern.

Damit stellt sich die Fernsehpersönlichkeit klar gegen sozialistische Ideen, auch wenn sie keine detaillierte politische Definition verwendete. Ihre Argumentation richtet sich vor allem gegen den Versuch, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ergebnisse vollständig anzugleichen.

Sheindlins Position entspricht ihrem öffentlichen Image. In ihrer Fernsehsendung wurde sie durch direkte Urteile, klare Verantwortungszuweisungen und eine geringe Geduld für Ausreden bekannt. Auch im politischen Gespräch formuliert sie ihre Ansichten ohne erkennbare Sorge darüber, ob sie damit Widerspruch auslöst.

Für das kommende Lebensjahr wünsche sie sich zwar vor allem Frieden. Gleichzeitig sehe sie keinen Grund, ihre Haltung zur politischen und wirtschaftlichen Ordnung der Vereinigten Staaten abzuschwächen.

Zweifel an sehr alten Präsidenten und Richtern

Kritisch äußerte sich Sheindlin auch zum Alter politischer Führungskräfte. Sie selbst wird am 21. Oktober 84 Jahre alt. Ihr Ehemann Jerry Sheindlin war Richter am Obersten Gerichtshof des Bundesstaates New York.

Mit Blick auf lebenslange Ernennungen am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten erklärte sie, jedes Amt werfe irgendwann die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Abschied auf.

Sheindlin sagte außerdem, sie wolle keinen 84-jährigen Präsidenten im Weißen Haus sehen. Joe Biden war zum Ende seiner Amtszeit 82 Jahre alt. Donald Trump wurde im Juni 80 und hat noch zwei Jahre seiner Amtszeit vor sich.

Nach Ansicht der ehemaligen Richterin liegt das ideale Alter für politische Spitzenämter ungefähr zwischen 50 und 75 Jahren. In dieser Lebensphase verbänden sich ausreichende Erfahrung und Leistungsfähigkeit. Jüngere Politiker müssten unter Umständen noch zu stark in ihre Aufgaben hineinwachsen, während bei sehr alten Amtsträgern Zweifel an der dauerhaften Belastbarkeit entstehen könnten.

Keine weiteren Wahlempfehlungen

Sheindlin unterstützte in der Vergangenheit öffentlich nur zwei Präsidentschaftsbewerber: den früheren New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg und die ehemalige UN-Botschafterin Nikki Haley. Beide scheiterten bei dem Versuch, die Nominierung ihrer jeweiligen Partei zu gewinnen.

Nach diesen Erfahrungen will sich Sheindlin nicht mehr aktiv in Wahlkämpfe einmischen. Die Politik bezeichnete sie als abstoßendes Geschäft.

Als einen Grund für den Mangel an besonders qualifizierten Kandidaten sieht sie die ständige Beobachtung durch das Internet und die etablierten Medien. Menschen, die grundsätzlich in der Lage wären, dem Land zu dienen, wollten sich häufig nicht der täglichen Durchleuchtung ihres Privatlebens und ihrer Vergangenheit aussetzen.

Sheindlin verglich diese öffentliche Prüfung bildhaft mit einer permanenten medizinischen Untersuchung. Jede frühere Äußerung und jedes möglicherweise peinliche Detail könne im Internet gefunden, verbreitet und gegen Kandidaten verwendet werden.

Ihre eigenen Wahlempfehlungen betrachtet sie inzwischen mit Humor. Nachdem beide von ihr unterstützten Bewerber verloren hätten, werde vermutlich ohnehin niemand mehr nach ihrer politischen Unterstützung fragen.

30 Jahre „Judge Judy“

Anlass für das ausführliche Gespräch war auch das 30-jährige Jubiläum der Fernsehsendung „Judge Judy“. CBS würdigte Sheindlins Leben und Karriere mit einer 90-minütigen Sondersendung. Zu den Mitwirkenden gehörten Steven Spielberg, Samuel L. Jackson, Amy Poehler und RuPaul Charles.

Sheindlin führt den langjährigen Erfolg der Sendung vor allem auf ihre praktische Erfahrung zurück. Sie arbeitete rund 40 Jahre als Richterin, davon 25 Jahre am Familiengericht.

Diese berufliche Grundlage habe ihr eine Glaubwürdigkeit verliehen, die prominente Moderatoren ohne juristische oder vergleichbare Lebenserfahrung nicht einfach nachahmen könnten. Versuche anderer Prominenter, ohne entsprechende Fachkenntnisse richterliche Autorität auszustrahlen, betrachtet sie mit deutlicher Skepsis.

Gleichzeitig zieht Sheindlin eine klare Grenze zwischen Themen, zu denen sie sich aufgrund ihrer Erfahrung äußern kann, und Bereichen, von denen sie nach eigener Einschätzung zu wenig versteht. Über den Bau von Atomwaffen, Interkontinentalraketen oder die Auswahl des nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank wolle sie deshalb keine fachlichen Urteile abgeben.

Bei politischen Grundsatzfragen zeigt sie dagegen keine Zurückhaltung. Auch wenn Judge Judy keine Kandidaten mehr unterstützen will, bleibt sie bereit, ihre Vorstellungen über Führung, Leistung und die Zukunft der Vereinigten Staaten öffentlich und gewohnt direkt zu formulieren.

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Ralphs_Fotos (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 25.09.2026

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