Der Tod der 29-jährigen Tasia Fortune sorgt im US-Bundesstaat Mississippi für große Aufmerksamkeit. Die junge Frau wurde Anfang August hinter einem leerstehenden Haus in Jackson erhängt an einem Baum gefunden. Inzwischen hat die Polizei einen zweiten Mann wegen Mordes festgenommen und sucht nach einer dritten Person. Wegen Mississippis Geschichte rassistischer Lynchmorde löste der Fund schnell Befürchtungen aus. Doch die Ermittler haben bislang nicht erklärt, welches Motiv sie hinter der Tat vermuten.
Fast zwei Monate nach dem Tod von Tasia Fortune gibt es eine weitere Festnahme.
Die Polizei von Jackson im US-Bundesstaat Mississippi nahm am Dienstag, dem 22. September, den 25-jährigen Earnest Lloyd Jr. fest.
Der Vorwurf:
Mord.
Lloyd ist bereits der zweite Mann, gegen den im Zusammenhang mit Fortunes Tod ein Mordvorwurf erhoben wurde.
Schon am 11. September war der 51-jährige Jarques Ratliff festgenommen worden.
Beide Männer sind schwarz.
Beide haben auf nicht schuldig plädiert.
Und die Polizei sucht inzwischen nach einer dritten Person.
Tasia Fortune wurde hinter einem leerstehenden Haus gefunden
Der Fall begann am 3. August.
An diesem Tag wurde die 29-jährige Fortune hinter einem leerstehenden Haus nordwestlich der Innenstadt von Jackson gefunden.
Sie hing an einem Baum.
Der zuständige Gerichtsmediziner stufte ihren Tod später als Tötungsdelikt ein.
Eine genaue Todesursache wurde öffentlich zunächst nicht genannt.
Bei einem Gerichtstermin im Fall Ratliff machten Ermittler allerdings eine weitere schwerwiegende Angabe:
Ratliff soll nach Darstellung der Ermittler ein schwarzes Kabel benutzt haben, um Fortune an dem Baum aufzuhängen.
Ob und welche Rolle die inzwischen festgenommenen beziehungsweise gesuchten weiteren Personen dabei gespielt haben sollen, muss das Verfahren klären.
Zeugen sollen Lloyd bei einer Verfolgung gesehen haben
Zur Rolle des nun festgenommenen Earnest Lloyd Jr. sind bislang nur wenige Einzelheiten öffentlich bekannt.
Vertreter des Jackson Police Department erklärten gegenüber dem „Clarion Ledger“, Zeugen hätten Lloyd irgendwann vor Fortunes Tod dabei beobachtet, wie er die 29-Jährige verfolgt habe.
Warum er Fortune verfolgt haben soll, wurde nicht mitgeteilt.
Ebenso ist bislang unklar, ob Lloyd und Fortune sich kannten.
Bei Ratliff hatte die Polizei zuvor erklärt, es habe eine nicht näher beschriebene „Verbindung“ zu Fortune gegeben.
Weitere Einzelheiten wurden dazu nicht veröffentlicht.
Lloyd plädiert auf nicht schuldig
Lloyd erschien nach seiner Festnahme vor Gericht und plädierte auf nicht schuldig.
Ein Richter ordnete an, dass er zunächst in Haft bleibt.
Auch Ratliff hatte bereits am 14. September auf nicht schuldig plädiert.
Bei ihm entschied ein Richter, dass er wegen Fluchtgefahr in Haft bleiben müsse.
USA Today konnte die Anwälte der beiden Beschuldigten für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichen.
Damit gilt weiterhin:
Die gegen Lloyd und Ratliff erhobenen Mordvorwürfe sind Anschuldigungen. Über ihre strafrechtliche Schuld ist noch nicht entschieden.
Polizei sucht eine dritte Person
Die Ermittlungen sind offenbar noch längst nicht abgeschlossen.
Die Behörden in Jackson suchen nach einer dritten Person, die nach ihrer Einschätzung mit Fortunes Tod in Verbindung stehen könnte.
Den Namen dieser Person will die Polizei derzeit allerdings nicht veröffentlichen.
Auch dazu, welche konkrete Rolle dieser Mensch gespielt haben soll, liegen im Ausgangsbericht keine weiteren Angaben vor.
Damit bleiben entscheidende Fragen offen:
Was geschah in den Stunden vor Fortunes Tod?
Welche Beziehung bestand zwischen Fortune und den Beschuldigten?
Welche Rolle sollen die einzelnen Verdächtigen gespielt haben?
Und vor allem:
Warum wurde Tasia Fortune getötet?
Mississippis Geschichte macht den Fall besonders sensibel
Dass der Fall weit über Jackson hinaus Aufmerksamkeit erregt, hat einen historischen Hintergrund.
Mississippi ist einer jener US-Bundesstaaten, die besonders stark mit der Geschichte rassistischer Lynchmorde verbunden sind.
Der Fund einer schwarzen Frau, die an einem Baum hängt, weckt deshalb zwangsläufig historische Assoziationen.
Polizeichefin RaShall Brackney sprach diese Sorgen nach der ersten Festnahme ausdrücklich an.
Sie erklärte, die Polizei verstehe die Fragen und den Wunsch nach Antworten angesichts der Geschichte Mississippis.
Die Behörden würden diese Sorgen nicht abtun, sondern ernst nehmen.
Doch Brackney sagte zugleich nicht, dass die Ermittler von einem rassistischen Tatmotiv ausgehen.
Bislang hat die Polizei nach dem vorgelegten Bericht überhaupt kein konkretes Motiv öffentlich genannt.
Beide Beschuldigten sind selbst schwarz
Auch ein weiterer Umstand ist für die sachliche Einordnung wichtig:
Sowohl der 25-jährige Lloyd als auch der 51-jährige Ratliff sind schwarz.
Allein daraus lässt sich selbstverständlich ebenfalls kein Motiv ableiten.
Der historische Kontext erklärt die öffentliche Aufmerksamkeit, ersetzt aber keine Ermittlungsergebnisse.
Ob Fortunes Tod irgendeinen Zusammenhang mit rassistischer Gewalt hatte, wird durch die bislang veröffentlichten Informationen nicht belegt.
Verteidiger warnt vor Vorverurteilung
Ratliffs Anwalt Toney Baldwin hat die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten bereits zurückgewiesen.
Er erklärte, Ratliff sei unschuldig.
Bislang sei noch kein Beweismaterial vorgelegt worden, das ein vollständiges Bild der Ereignisse zeige.
Baldwin appellierte deshalb an Öffentlichkeit und Medien, seinen Mandanten nicht vorzuverurteilen, bevor sämtliche Beweise bekannt seien.
Das dürfte in einem Fall mit derart großer öffentlicher Aufmerksamkeit besonders schwierig werden.
Denn bereits die Umstände, unter denen Fortune gefunden wurde, sorgen für starke Reaktionen.
Weitere Todesfälle hatten Mississippi bereits beschäftigt
Fortunes Tod ereignete sich zudem weniger als ein Jahr nach zwei anderen öffentlich stark beachteten Fällen, bei denen Menschen in Mississippi erhängt aufgefunden worden waren.
Der Ausgangsbericht nennt dabei den Studenten der Delta State University De’Martravion „Trey“ Reed sowie Cory Zukatis.
Der Fall Fortune trifft damit auf eine Öffentlichkeit, die bereits durch vorherige Todesfälle sensibilisiert war.
Umso wichtiger ist die Unterscheidung zwischen historischen Assoziationen, öffentlichen Befürchtungen und den bislang tatsächlich bekannten Ermittlungsergebnissen.
Noch fehlt die Antwort auf die wichtigste Frage
Knapp zwei Monate nach dem Tod von Tasia Fortune hat die Polizei inzwischen zwei Männer festgenommen.
Ein dritter Mensch wird gesucht.
Ermittler behaupten, Ratliff habe ein schwarzes Kabel benutzt, um Fortune an einem Baum aufzuhängen.
Zeugen sollen Lloyd vor ihrem Tod bei der Verfolgung der 29-Jährigen beobachtet haben.
Doch entscheidende Teile des Falls bleiben unbekannt.
Die Behörden haben bislang nicht öffentlich erklärt, welches Motiv sie vermuten.
Auch über das Verhältnis zwischen den Beteiligten ist kaum etwas bekannt.
Und beide festgenommenen Männer haben auf nicht schuldig plädiert.
Damit steht die Justiz erst am Anfang der strafrechtlichen Aufarbeitung.
Der Fundort und die Geschichte Mississippis machen den Tod von Tasia Fortune zu einem besonders aufgeladenen Fall. Ob dieser historische Hintergrund etwas mit dem tatsächlichen Motiv zu tun hat, lässt sich nach den bisher veröffentlichten Informationen jedoch nicht sagen.


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