Speedinvest F: 98,8 Prozent Eigenkapital – eine starke Bilanz mit dem typischen Venture-Capital-Risiko

Speedinvest F: 98,8 Prozent Eigenkapital – eine starke Bilanz mit dem typischen Venture-Capital-Risiko

Veröffentlicht

Montag, 21.09.2026
von Red. TB

Ein ganz anderes Bild liefert die im September eingereichte Bilanz der Speedinvest F EuVECA GmbH & Co KG in Wien. Der Jahresabschluss 2025 wurde am 1. September 2026 eingereicht. Das Vehikel ist ein europäischer Venture-Capital-Fonds; das österreichische Firmenbuch weist derzeit 58 Kommanditisten aus. Die Finanzmarktaufsicht führt Speedinvest F als EuVECA-Fonds, dessen Vertrieb unter den dort genannten Voraussetzungen auch an Privatkunden zulässig ist.

Die Zahlen wirken zunächst ausgesprochen solide. Die Bilanzsumme beträgt rund 19,71 Millionen Euro, davon entfallen etwa 19,5 Millionen Euro auf Eigenkapital. Die ausgewiesene Eigenkapitalquote liegt bei 98,8 Prozent. Den kurzfristigen Verbindlichkeiten von nur rund 231.200 Euro stehen etwa 2,15 Millionen Euro liquide Mittel gegenüber.

Auch das Ergebnis fällt positiv aus. Der Bilanzgewinn beträgt rund 19 Millionen Euro. Darin sind allerdings rund 14,1 Millionen Euro Gewinnvortrag aus früheren Jahren enthalten; die Übersichtskennzahlen weisen für das laufende Jahr einen Ergebnisbeitrag von etwa 5 Millionen Euro aus.

Auf den ersten Blick gibt es hier also wenig Anlass für alarmistische Schlagzeilen.

Doch auch bei einer derart hohen Eigenkapitalquote lohnt sich die Frage, woraus dieses Vermögen besteht.

Von den 19,71 Millionen Euro Bilanzsumme stecken rund 17,55 Millionen Euro in Finanzanlagen. Das sind etwa 89 Prozent der gesamten Aktivseite. Genau das entspricht zwar grundsätzlich dem Zweck eines Venture-Capital-Fonds – es bedeutet aber auch, dass die wirtschaftliche Aussagekraft der Bilanz wesentlich von den angesetzten Werten dieser Beteiligungen abhängt.

Ein Beteiligungsbuchwert ist nicht dasselbe wie ein jederzeit erzielbarer Verkaufspreis.

Gerade bei jungen Technologieunternehmen können Bewertungen stark schwanken. Nicht börsennotierte Beteiligungen lassen sich häufig nicht kurzfristig veräußern, und der letztlich erzielbare Wert zeigt sich oftmals erst bei einer Finanzierungsrunde, einem Unternehmensverkauf, Börsengang oder im schlechtesten Fall bei einem Ausfall.

Das bedeutet nicht, dass die Werte von Speedinvest F zu hoch angesetzt wären. Dafür gibt es aus den ausgewerteten Unterlagen keinen Beleg. Es bedeutet lediglich, dass eine Eigenkapitalquote von 98,8 Prozent bei einem Venture-Capital-Fonds anders gelesen werden muss als etwa bei einem Unternehmen, dessen Vermögen überwiegend aus Bankguthaben oder kurzfristig realisierbaren Forderungen besteht.

Auch die Zahl der Anleger beziehungsweise Kommanditisten ist bemerkenswert: Im Firmenbuch werden derzeit 58 Kommanditisten geführt, darunter Privatpersonen, Beteiligungsgesellschaften, institutionelle Anleger und Unternehmen.

Speedinvest selbst ist als Verwalter alternativer Investmentfonds zugelassen und als EuVECA-Fondsmanager registriert; zuständige österreichische Aufsicht ist die FMA.

Die kritische Bilanzfrage ist deshalb hier eine andere als bei FMTG oder C&P: Nicht kurzfristige Verbindlichkeiten oder negatives Eigenkapital stehen im Vordergrund, sondern die Qualität, Bewertung und spätere Verwertbarkeit der Beteiligungen, in denen fast neun Zehntel des Vermögens gebunden sind.

Die 2025er Bilanz vermittelt eine finanziell robuste Momentaufnahme. Sie garantiert Anlegern aber weder eine bestimmte Rendite noch, dass sämtliche Beteiligungswerte beim späteren Exit in gleicher Höhe realisiert werden können.

Was sich aus den vier Fällen ableiten lässt

Die vier Abschlüsse zeigen vor allem, warum eine reine Kennzahlen-Schlagzeile schnell irreführend werden kann. Bei FMTG Services steht einem positiven Jahresergebnis eine starke Abhängigkeit von konzerninternen Forderungen und Beteiligungen gegenüber. Bei C&P IR17 dokumentiert der Abschluss erhebliche kumulierte Ergebnisbelastungen und Wertberichtigungen bei einer Gesellschaft, in die Anleger 6,746 Millionen Euro als Treuhand-Einlagen eingebracht haben. ROCKETS Investments weist negatives Eigenkapital auf, wobei die Bilanz der Plattform ausdrücklich nicht mit den Vermögen der einzelnen Crowdinvesting-Emittenten verwechselt werden darf. Bei Speedinvest F ist die Kapitalstruktur dagegen sehr stark, das wirtschaftliche Risiko sitzt vor allem in der Bewertung und späteren Realisierung des Beteiligungsportfolios.

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von Autor: Red. TB
am: Montag, 21.09.2026

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