Lenzing: Verschuldung sinkt – Eigenkapital schrumpft trotzdem deutlich
Lenzing veröffentlichte die Zahlen für 2025 im März 2026. Der Faserkonzern erzielte ein EBITDA von 413 Millionen Euro, musste unter dem Strich aber erneut einen Verlust von 135,2 Millionen Euro ausweisen.
Gleichzeitig gelang ein wichtiger Fortschritt: Die Nettofinanzverschuldung sank von 1,53 Milliarden auf 1,35 Milliarden Euro. Der Verschuldungsgrad im Verhältnis zum EBITDA verbesserte sich von 3,9 auf 3,3. Der Free Cashflow war mit 173,9 Millionen Euro positiv.
Die andere Seite der Bilanz ist weniger komfortabel. Das bereinigte Eigenkapital sank um 21 Prozent auf 1,364 Milliarden Euro, die bereinigte Eigenkapitalquote von 34,7 auf 29,6 Prozent. Das Net Gearing stieg auf 99 Prozent.
Für Anleiheinvestoren ist außerdem die neue Hybridanleihe bemerkenswert. Lenzing platzierte im Juli 2025 500 Millionen Euro unbefristetes, nachrangiges Hybridkapital mit einem Kupon von 9 Prozent. Damit wurde die ältere Hybridanleihe abgelöst, die noch 5,75 Prozent kostete.
Ein Kupon von neun Prozent ist kein Beweis für finanzielle Schwierigkeiten. Er zeigt aber, dass dieses Kapital für Lenzing deutlich teurer geworden ist.
Hinzu kommt: Die Lenzing AG selbst schloss 2025 nach österreichischem UGB mit einem Jahresfehlbetrag von 297,8 Millionen Euro ab. Dieser wurde durch Auflösung freier Gewinn- und Kapitalrücklagen ausgeglichen.
Der faire Befund: Cashflow und Verschuldung haben sich verbessert, gleichzeitig bleiben Verlust, gesunkene Eigenkapitalquote und hohe Finanzierungskosten klare Belastungsfaktoren.
Wienerberger: Starker Cashflow, weniger Schulden – Verschuldungsgrad trotzdem noch leicht über dem Ziel
Wienerberger veröffentlichte seinen Geschäftsbericht am 25. März 2026. Der Konzern erzielte 2025 rund 4,6 Milliarden Euro Umsatz, 754 Millionen Euro operatives EBITDA und 168 Millionen Euro Gewinn nach Steuern. Besonders stark war der Free Cashflow mit 474 Millionen Euro.
Die Nettofinanzverschuldung sank von 1,753 Milliarden auf 1,637 Milliarden Euro. Das Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zu operativem EBITDA verbesserte sich von 2,3 auf 2,2.
Das liegt nahe am langfristigen Unternehmensziel von ungefähr 2,0, aber noch leicht darüber.
Für Anleger ist erfreulich, dass eine 400-Millionen-Euro-Anleihe im Juni 2025 vollständig zurückgezahlt wurde. Zum Jahresende bestand unter anderem eine Sustainability-linked-Anleihe über 350 Millionen Euro mit 4,875 Prozent Verzinsung und Fälligkeit 2028.
Die Bilanzanalyse fällt deshalb überwiegend positiv aus. Der Konzern generiert hohen freien Cashflow und reduzierte die Nettoverschuldung.
Das Hauptrisiko liegt weniger in der Kapitalstruktur als im wirtschaftlichen Umfeld: Wienerberger ist stark von Baukonjunktur, Renovierung und Infrastrukturinvestitionen abhängig. Eine anhaltende Schwäche des europäischen Wohnbaus kann Ergebnis und Cashflow belasten.
Aus der 2025er Bilanz ergibt sich aber kein Anlass für eine alarmistische Bewertung der Anleihen.
voestalpine: Starker Cashflow trotz Milliardeninvestition in grünen Stahl
voestalpine veröffentlichte den Jahresbericht 2025/26 am 3. Juni 2026. Der Umsatz ging leicht auf 15,1 Milliarden Euro zurück, das EBITDA stieg jedoch auf 1,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis nach Steuern sprang auf 424 Millionen Euro, der Free Cashflow auf 537 Millionen Euro.
Damit verbesserte sich gleichzeitig die Nettofinanzverschuldung.
Für Anleihegläubiger war besonders wichtig, dass die 2019 ausgegebene 500-Millionen-Euro-Anleihe mit 1,75 Prozent Verzinsung im April 2026 planmäßig zurückgeführt wurde. Weiter ausstehend sind unter anderem eine 500-Millionen-Euro-Anleihe bis 2029 und eine Wandelanleihe, deren Nominalvolumen im April 2026 um 35 Millionen Euro erhöht wurde.
Die große Herausforderung liegt weniger in der aktuellen Schuldentragfähigkeit als im Investitionsprogramm.
Für das Projekt greentec steel wurden von geplanten rund 1,5 Milliarden Euro bereits etwa 60 Prozent investiert.
Damit trägt voestalpine gleichzeitig hohe Transformationsinvestitionen und die normalen zyklischen Risiken der Stahlindustrie.
Die Bilanz 2025/26 zeigt allerdings einen Konzern mit positivem Cashflow, verbesserten Ergebnissen und nachweislich bedienten Anleihefälligkeiten. Eine kritische Berichterstattung sollte deshalb die Investitionsrisiken darstellen, aber nicht den Eindruck erwecken, es gebe Hinweise auf ein akutes Finanzierungsproblem.
PORR: 9,5-Prozent-Hybridanleihe ist teuer – operative Bilanz aber außergewöhnlich stark
PORR veröffentlichte seinen Jahresfinanzbericht am 26. März 2026. Der Baukonzern erzielte 2025 einen Gewinn von 136,7 Millionen Euro, 25,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Free Cashflow stieg auf 232,9 Millionen Euro.
Die liquiden Mittel erreichten 748 Millionen Euro. Statt Nettoverschuldung wies PORR zum Jahresende eine Net-Cash-Position von 93,1 Millionen Euro aus. Die Eigenkapitalquote blieb mit 21,1 Prozent allerdings vergleichsweise niedrig.
Für Anleger interessant ist die 2024 begebene Hybridanleihe über 135 Millionen Euro. Sie läuft unbefristet, kann erstmals nach fünf Jahren gekündigt werden und trägt einen hohen Kupon von 9,5 Prozent.
Ein solcher Zinssatz ist teuer. Bei Hybridkapital muss zugleich berücksichtigt werden, dass dieses Instrument wirtschaftlich und bilanziell teilweise Eigenkapitalcharakter besitzt und gegenüber normalen Anleihen nachrangig ist.
Der hohe Kupon sollte deshalb nicht isoliert als Krisensignal interpretiert werden.
Im Gegenteil: Die operative Entwicklung 2025 ist stark, Liquiditätsreserve und Free Cashflow sind hoch und die Nettofinanzposition hat sich deutlich verbessert.
Der kritische Punkt ist eher strukturell: Die Eigenkapitalquote bleibt trotz des guten Jahres bei gut einem Fünftel der Bilanzsumme, und Hybridkapital zu 9,5 Prozent ist keine billige Form der Kapitalstärkung.
AT&S: Der KI-Boom hilft operativ – die hohe Verschuldung bleibt die entscheidende Bilanzfrage
AT&S veröffentlichte am 21. Mai 2026 die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26.
Der Umsatz erreichte rund 1,8 Milliarden Euro, das EBITDA 418 Millionen Euro. Der operative Free Cashflow lag bei starken 236 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb für das Gesamtjahr dennoch ein Konzernverlust.
Zum 31. März 2026 betrug die Bilanzsumme rund 4,65 Milliarden Euro. Die liquiden Mittel lagen bei 738 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote betrug jedoch lediglich 22,6 Prozent. Das Verhältnis Nettoverschuldung zu EBITDA stieg auf 3,2.
Damit war die Verschuldung im Vergleich zur Ertragskraft erheblich.
AT&S reagierte wenige Wochen später und platzierte am 16. Juni 2026 eine Hybrid-Wandelschuldverschreibung über 400 Millionen Euro mit einem Kupon von 2,5 Prozent. Das Unternehmen erklärte, die Mittel unter anderem zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten und zur Stärkung der Kapitalbasis einsetzen zu wollen.
Nach der Emission stieg die Eigenkapitalquote Ende Juni nach Unternehmensangaben auf 29 Prozent, während sich der Verschuldungsfaktor auf 1,9 verbesserte.
Das ist wichtig für die faire Einordnung: Die Bilanz zum März zeigt eine relativ hohe Verschuldung. Die anschließende Hybridemission stärkte die bilanziellen Kennzahlen erheblich.
Allerdings entstand diese Verbesserung nicht ausschließlich aus operativem Schuldenabbau, sondern teilweise durch die Aufnahme neuen Hybridkapitals.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, ob AT&S das erwartete starke Wachstum im KI- und IC-Substratgeschäft dauerhaft in entsprechenden freien Cashflow umsetzen kann.
OMV: Fast 6 Milliarden Euro Cash – aber Nettoverschuldung und Transformationsbedarf steigen
OMV veröffentlichte den kombinierten Geschäftsbericht 2025 am 2. April 2026.
Der Konzern weist Anleihen mit einem Buchwert von insgesamt rund 6,75 Milliarden Euro aus. Gleichzeitig lagen Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente bei 5,76 Milliarden Euro.
Die Nettoverschuldung erhöhte sich von 3,225 auf 3,633 Milliarden Euro. Das Eigenkapital sank von 24,617 auf 22,567 Milliarden Euro. Trotzdem blieb der vom Unternehmen verwendete Leverage-Grad mit 14 Prozent deutlich unter dem langfristig angestrebten Maximum von 30 Prozent.
Zusätzlich weist OMV fast 1,985 Milliarden Euro Hybridkapital im Eigenkapital aus. Auch dieses Kapital stammt wirtschaftlich von Investoren, obwohl es IFRS-bilanziell Eigenkapitalcharakter besitzt.
Der operative Cashflow lag 2025 weiterhin bei mehr als fünf Milliarden Euro.
Damit ist OMV ein gutes Beispiel dafür, warum absolute Milliardenverschuldung allein wenig aussagt. Ein Unternehmen mit mehreren Milliarden Euro Anleihen kann bei entsprechend hohem Cashflow und Eigenkapital finanziell deutlich robuster sein als ein kleiner Emittent mit nur wenigen Millionen Schulden.
Kritisch zu beobachten sind der leichte Anstieg der Nettoverschuldung, das gesunkene Eigenkapital und die hohen Investitionen im Rahmen des Konzernumbaus. Ein Hinweis auf eine akute Gefährdung der Anleihegläubiger ergibt sich aus diesen Zahlen nicht.
Telekom Austria: 750-Millionen-Anleihe wird kurzfristig – gleichzeitig nahezu schuldenfrei ohne Leasing
Telekom Austria beziehungsweise die A1 Group veröffentlichte den Jahresfinanzbericht 2025 im März 2026.
Besonders interessant ist die Fälligkeitsstruktur: Eine Anleihe mit einem Nominalwert von 750 Millionen Euro läuft im Dezember 2026 aus und wurde deshalb zum Jahresende vollständig in die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten umgegliedert.
Eine isolierte Betrachtung könnte daraus eine große Refinanzierungslast ableiten.
Die Gesamtbilanz zeichnet jedoch ein wesentlich entspannteres Bild. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA einschließlich Leasing betrug lediglich 0,9; ohne Leasing war die Nettoverschuldung nach Unternehmensangaben nahezu vollständig abgebaut. Das Eigenkapital stieg auf rund 5,35 Milliarden Euro.
Der Free Cashflow betrug rund 596 Millionen Euro, das Nettoergebnis 613 Millionen Euro.
Die 750-Millionen-Fälligkeit ist daher zweifellos relevant, aber in Relation zur Ertragskraft, Liquidität und vorhandenen Kreditlinien zu betrachten.
Eine Überschrift wie „750 Millionen müssen binnen Monaten zurückgezahlt werden“ wäre zwar formal richtig, ohne diese Gegeninformationen aber journalistisch verzerrend.
VERBUND: Ergebnis fällt um ein Fünftel – finanzielle Tragfähigkeit bleibt hoch
VERBUND veröffentlichte das Jahresergebnis 2025 am 18. März 2026.
Das EBITDA sank um 21,3 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro, das Konzernergebnis um 20,6 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro. Der operative Cashflow reduzierte sich sogar um rund 41 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro.
Das sind erhebliche Rückgänge.
Sie müssen allerdings vor dem Hintergrund außergewöhnlich hoher Vorjahresergebnisse und hydrologischer beziehungsweise energiewirtschaftlicher Effekte betrachtet werden.
VERBUND finanziert sich auch über den Kapitalmarkt. Unter anderem ist ein 500-Millionen-Euro-Green-Bond mit 3,25 Prozent Kupon und Fälligkeit 2031 ausstehend.
Gleichzeitig plant der Konzern für 2026 bis 2028 Investitionen in Milliardenhöhe. Der deutlich gesunkene freie Cashflow verdient deshalb Aufmerksamkeit.
Die Relation von Nettoverschuldung zu EBITDA lag 2025 dennoch lediglich bei 1,0.
Damit wäre es falsch, aus den Ergebnisrückgängen eine Schwäche der Schuldentragfähigkeit abzuleiten. Interessant ist vielmehr die Kapitalallokation: VERBUND muss hohe Netzinvestitionen, Erzeugungsprojekte und Ausschüttungen gleichzeitig finanzieren.
Für Anleihegläubiger bleibt die Ausgangslage angesichts der hohen Ertragskraft vergleichsweise komfortabel.
EVN: Mehr als 900 Millionen Euro Investitionen – Anleiheschulden bleiben langfristig strukturiert
Der Jahres- und Konzernabschluss der EVN zum 30. September 2025 wurde am 26. Februar 2026 auf der staatlichen Veröffentlichungsplattform EVI publiziert.
Das Konzernergebnis lag bei 436,7 Millionen Euro, nach 471,7 Millionen Euro im Vorjahr. Der Gewinn ist damit zurückgegangen, verbleibt aber auf hohem Niveau.
Die EVN weist Anleihen im Buchwert von rund 469,9 Millionen Euro aus. Dazu gehören unter anderem lang laufende Anleihen und Namensschuldverschreibungen mit Fälligkeiten bis 2038.
Der reine Kassen- und Bankbestand von rund 89,7 Millionen Euro wirkt gegenüber diesen Beträgen zunächst überschaubar. Aber auch hier wäre ein direkter Vergleich irreführend: EVN verfügte zusätzlich über Wertpapiere, Kreditlinien und gestaffelte langfristige Fälligkeiten.
Der Konzern befindet sich gleichzeitig in einer außergewöhnlich investitionsintensiven Phase. Mehr als 900 Millionen Euro wurden zuletzt investiert.
Für Anleger bedeutet dies: Der Kapitalbedarf steigt. Gleichzeitig verteilen sich die Anleihefälligkeiten weit in die Zukunft, und die Gesellschaft erzielt weiterhin hohe operative Ergebnisse.
Die zentrale Beobachtungsgröße ist deshalb weniger ein kurzfristiger Liquiditätsengpass als die Frage, wie stark EVN den umfangreichen Netzausbau künftig durch operativen Cashflow und wie stark durch zusätzliches Fremdkapital finanziert.
Das Muster hinter den Bilanzen
Die Untersuchung zeigt vor allem, wie gefährlich pauschale Aussagen über „Anlegerunternehmen“ wären.
Bei kleineren Nachrangemittenten wie FMTG Development, FMTG Services oder Grüne Erde ist besonders wichtig, wo sich die Anlegerfinanzierungen innerhalb der Unternehmens- beziehungsweise Konzernstruktur befinden und welche Vermögenswerte den Rückzahlungen wirtschaftlich gegenüberstehen.
Bei Immobilienkonzernen wie UBM, CPI Europe, S IMMO und CA Immo spielen Immobilienbewertungen, LTV, Fälligkeiten und Verkäufe eine zentrale Rolle.
Bei großen Industrie- und Infrastrukturunternehmen wie Lenzing, Wienerberger, voestalpine, PORR, AT&S, OMV, Telekom Austria, VERBUND und EVN können selbst Anleiheschulden von mehreren hundert Millionen oder Milliarden Euro tragbar sein, wenn Cashflow, Eigenkapital und Refinanzierungszugang entsprechend stark sind.
Deshalb ist die entscheidende journalistische Frage niemals nur:
„Wie viele Schulden hat das Unternehmen?“
Sie lautet vielmehr:
Welche Verpflichtungen werden wann fällig, welche freien Mittel und Cashflows stehen dafür zur Verfügung, wie werthaltig sind die Vermögenswerte – und welchen Rang besitzen die Forderungen der Anleger?
Aus keinem der hier ausgewerteten Jahresabschlüsse lässt sich allein eine zweckwidrige Verwendung von Anlegergeldern, Zahlungsunfähigkeit oder ein bevorstehender Ausfall ableiten. Wo Risiken bestehen, wurden sie deshalb als Bilanzrisiken beziehungsweise offene Fragen beschrieben und nicht als feststehende negative Tatsachen.


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