WIEN. Die österreichische Innenpolitik ist am Sonntag, 20. September 2026, vor allem von der Debatte über die Führung der SPÖ, den bevorstehenden Start des Nationalrats in das reguläre parlamentarische Arbeitsjahr und der Auseinandersetzung um die künftige Hochschulpolitik geprägt worden. Dabei rücken zugleich wirtschaftliche und soziale Fragen stärker in den Mittelpunkt.
Katzian stellt sich gegen neue Personaldebatte in der SPÖ
ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian hat sich in der ORF-„Pressestunde“ gegen eine neuerliche Führungsdebatte um SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler ausgesprochen. Ein Austausch an der Parteispitze allein werde nach seiner Einschätzung keine Verbesserung der Umfragewerte bewirken. Babler sei erst vor rund sechs Monaten wiedergewählt worden, argumentierte Katzian.
Katzian widersprach zugleich der These, die SPÖ verfolge insbesondere in der Migrationspolitik einen grundsätzlich zu linken Kurs. Als politisch vordringliches Problem bezeichnete er vielmehr die Lebenshaltungskosten. Auch die vom Bundesparteitag beschlossene Abgrenzung der SPÖ von der FPÖ auf Bundesebene stellte er nicht infrage.
Damit erhält die innerparteiliche Diskussion eine weitere Stimme aus der Gewerkschaftsbewegung. Die Existenz unterschiedlicher Auffassungen innerhalb der SPÖ ist damit nicht beendet; Katzian positionierte sich jedoch ausdrücklich gegen eine kurzfristige personelle Lösung.
Auch sozial- und wirtschaftspolitisch setzte der ÖGB-Präsident Akzente. Änderungen beim gesetzlichen Pensionsantritt lehnte er ab. Gleichzeitig forderte er eine stärkere finanzielle Ausstattung des Insolvenz-Entgelt-Fonds, der Ansprüche von Arbeitnehmern bei Unternehmensinsolvenzen absichert.
Nationalrat startet in das reguläre Arbeitsjahr
Parallel richtet sich der Blick auf das Parlament. Am Mittwoch, 23. September, tritt der Nationalrat zu einer regulären Plenarsitzung zusammen.
Ein zentrales Vorhaben ist die sogenannte Aktivpension. Sie soll steuerliche Anreize für Menschen schaffen, die auch nach Erreichen des Pensionsalters weiterarbeiten. Daneben stehen ein erleichterter Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge, Sondermittel zur Beschäftigungsförderung von Menschen mit Behinderungen sowie Änderungen bei der Familienbeihilfe für Vertriebene aus der Ukraine und subsidiär Schutzberechtigte auf der Tagesordnung.
Auch die weitere Digitalisierung von Verwaltungsverfahren steht zur Debatte. Rechtliche Grundlagen sollen unter anderem automatisierte Verfahren und den Einsatz von Chatbots in Verwaltungsabläufen ermöglichen.
Die Sitzung beginnt mit einer von der SPÖ beantragten Aktuellen Stunde. In der anschließenden Europastunde setzen die NEOS das Thema europäische Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Bürokratieabbau.
Damit wird die parlamentarische Herbstarbeit zunehmend von der Frage bestimmt, wie die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS angekündigte Reformvorhaben tatsächlich in Gesetzesbeschlüsse überführt.
Hochschuldebatte: ÖH widerspricht den NEOS
Eine weitere politische Auseinandersetzung entwickelte sich rund um die geplante Hochschulstrategie 2040.
Die NEOS hatten eine deutliche Erhöhung bestehender Studiengebühren vorgeschlagen. Für österreichische und andere EU-Studierende, bei denen nach Überschreiten der vorgesehenen Studiendauer Gebühren anfallen, soll der Betrag nach den Vorstellungen der Partei von derzeit 363,36 Euro auf 700 Euro pro Semester steigen. Für Studierende aus Drittstaaten wurden 2.500 statt derzeit 726,72 Euro vorgeschlagen. Gleichzeitig soll deren Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt erleichtert werden. Außerdem wollen die NEOS die geforderte Mindeststudienleistung in den ersten beiden Studienjahren von 16 auf mindestens 32 ECTS-Punkte erhöhen. Die ursprünglichen Vorschläge wurden bereits am 19. September bekannt.
Innerhalb des hier betrachteten 24-Stunden-Zeitraums folgte am Sonntagnachmittag die Reaktion der Österreichischen Hochschüler_innenschaft. Die ÖH lehnt sowohl höhere Gebühren als auch zusätzliche Leistungshürden ab. Nach Auffassung ihrer Vertreter würden höhere finanzielle Belastungen soziale Ungleichheiten beim Hochschulzugang verstärken. Dabei handelt es sich um die politische Position der Studierendenvertretung, nicht um eine unabhängige Feststellung über die Auswirkungen des NEOS-Modells.
Die Hochschulstrategie 2040 soll unter Federführung des Wissenschaftsministeriums bis Ende des ersten Quartals 2027 erarbeitet werden. Die jetzt präsentierten Forderungen sind deshalb noch keine beschlossenen gesetzlichen Änderungen.
Der politische Herbst nimmt Gestalt an
Die Nachrichtenlage der vergangenen 24 Stunden zeigt damit weniger neue fertige Gesetze als vielmehr die Konfliktlinien für die kommenden Wochen: Die SPÖ beschäftigt weiterhin ihre strategische und personelle Lage, die Koalition muss angekündigte Reformvorhaben ins Parlament bringen, und in der Hochschulpolitik beginnen die Verhandlungen über langfristige Strukturfragen.
Mit der Nationalratssitzung am 23. September wird sich zeigen, welche Vorhaben bereits ausreichend abgestimmt sind und wo die Koalitionsparteien weiterhin um Details ringen.
Österreichs Wirtschaft: Konjunktur kommt nur langsam in Fahrt
WIEN. Österreichs Wirtschaft zeigt im Herbst 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Von einem kräftigen Aufschwung kann nach den jüngsten Daten allerdings noch nicht gesprochen werden. Wachstum, Inflation und Arbeitsmarkt bleiben die zentralen Herausforderungen.
Nationalbank erwartet 2026 nur 0,5 Prozent Wachstum
Die Oesterreichische Nationalbank rechnet in ihrer September-Prognose für das Gesamtjahr 2026 mit einem realen Wirtschaftswachstum von lediglich 0,5 Prozent. Für 2027 erwartet sie eine Beschleunigung auf 1,3 Prozent, für 2028 ein Wachstum von 1,2 Prozent.
Die Prognose für 2026 wurde gegenüber Juni um 0,1 Prozentpunkte reduziert. Grund dafür ist eine schwächere Entwicklung in der ersten Jahreshälfte. Gleichzeitig sieht die OeNB Hinweise darauf, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr wieder etwas an Dynamik gewinnt. Verbesserungen werden insbesondere bei Industrievertrauen und Exporten gesehen.
Das bedeutet: Österreich wächst wieder, aber das Expansionstempo bleibt zunächst gering.
Inflation im August bei 3,2 Prozent
Für private Haushalte bleibt die Preisentwicklung eine erhebliche Belastung. Statistik Austria weist für August 2026 beim nationalen Verbraucherpreisindex eine Inflationsrate von 3,2 Prozent gegenüber August 2025 aus. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex, der europäische Vergleiche ermöglicht, lag bei 2,9 Prozent.
Zu dem erneuten Anstieg der nationalen Inflationsrate trugen vor allem Treibstoffe und Heizöl bei. Bei Energie insgesamt lagen die Preise nach der Schnellschätzung im August um zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Dagegen wirkte die seit Juli geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Grundnahrungsmittel preisdämpfend.
Die OeNB erwartet für das Gesamtjahr 2026 einen Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex um durchschnittlich 3,0 Prozent. Für 2027 prognostiziert sie 2,3 und für 2028 2,2 Prozent.
Arbeitsmarkt bleibt unter Druck
Auch am Arbeitsmarkt ist die wirtschaftliche Schwächephase noch nicht vollständig überwunden. Die OeNB erwartet für 2026 eine Arbeitslosenquote nach AMS-Definition von 7,5 Prozent. Für 2027 prognostiziert sie 7,3 Prozent und für 2028 7,1 Prozent.
Damit würde sich die Lage nur langsam verbessern. Entscheidend wird sein, ob der erwartete konjunkturelle Aufschwung tatsächlich stark genug wird, um zusätzliche Beschäftigung zu schaffen.
Dürre trifft Landwirtschaft
Zu den Belastungen des Jahres 2026 gehört außerdem die außergewöhnliche Trockenheit. Besonders betroffen sind Teile der Landwirtschaft.
In Niederösterreich rechnet die Landwirtschaftskammer bei mehreren Herbstkulturen mit erheblichen Ernteeinbußen. Beim Körnermais könnte die Gesamtmenge nach ihrer Schätzung knapp 30 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt liegen, bei Sojabohnen mehr als 50 Prozent. Bei Kartoffeln werden regional Rückgänge von 50 bis 70 Prozent erwartet.
Ähnliche Probleme werden aus Oberösterreich gemeldet. Dort berichten landwirtschaftliche Betriebe bei Kartoffeln teilweise von Erträgen unter 50 Prozent des Vorjahres.
Solche Ernteausfälle treffen zunächst die Landwirtschaft unmittelbar. Ob und in welchem Ausmaß sie sich später auf Verbraucherpreise auswirken, hängt jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren wie Importmöglichkeiten, Lagerbeständen und internationalen Marktpreisen ab.
Österreich zwischen Stabilisierung und Strukturproblemen
Die aktuellen Daten ergeben damit ein gemischtes Bild: Die Wirtschaft dürfte 2026 wachsen und sich im kommenden Jahr etwas stärker erholen. Gleichzeitig bleiben Inflation, schwacher Arbeitsmarkt und Belastungen einzelner Branchen erheblich.
Die OeNB-Prognose ist deshalb vor allem ein Signal für eine langsame Normalisierung, nicht für einen bereits voll entwickelten Aufschwung.
Für die Wirtschaftspolitik werden in den kommenden Monaten vor allem Energiepreise, Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen, Arbeitskosten und die Entwicklung des privaten Konsums entscheidend sein.


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