Auf den ersten Blick hat die FMTG Services GmbH 2025 einen deutlichen wirtschaftlichen Sprung geschafft. Die Wiener Gesellschaft weist einen Jahresüberschuss von rund 2,43 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor hatte noch ein Verlust von etwa 1,77 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Das Eigenkapital erhöhte sich auf knapp 9,87 Millionen Euro. Der Jahresabschluss zum 31. Dezember 2025 wurde am 22. Juni 2026 beim Firmenbuch eingereicht.
Für Anleger ist die Gesellschaft besonders interessant, weil sich der Bezug zu Crowd-Kapital nicht erst aus Werbeaussagen ableiten lässt. Im Anhang zum Jahresabschluss heißt es ausdrücklich, dass die nachrangigen Verbindlichkeiten in Höhe von 9,574 Millionen Euro Darlehen aus Crowd-Investing betreffen. Zum Bilanzstichtag wird der gesamte Betrag mit einer Restlaufzeit von höchstens einem Jahr ausgewiesen. Im Vorjahr waren diese 9,574 Millionen Euro noch als längerfristig ausgewiesen worden.
Gerade deshalb lohnt sich ein zweiter Blick auf die Aktivseite. Von insgesamt rund 44,37 Millionen Euro Bilanzsumme entfallen 17,54 Millionen Euro auf Finanzanlagen, fast vollständig auf Anteile an verbundenen Unternehmen. Weitere 24,05 Millionen Euro sind Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen. Zusammengenommen sind damit rechnerisch knapp 94 Prozent der Bilanzsumme entweder Beteiligungen innerhalb des Konzerns oder Forderungen gegen Konzerngesellschaften.
Das ist keine Feststellung einer wirtschaftlichen Schieflage. Es zeigt aber eine ausgeprägte Abhängigkeit von der Werthaltigkeit und Zahlungsfähigkeit verbundener Unternehmen. Bemerkenswert ist dabei, dass die Forderungen gegenüber Konzerngesellschaften bereits um Einzelwertberichtigungen von rund 2,18 Millionen Euro vermindert wurden. Ein großer Teil dieser Position – knapp 21,99 Millionen Euro vor den genannten Verrechnungen – stammt laut Anhang aus Finanzierungsforderungen innerhalb der Gruppe.
Auch die Gewinnquelle verdient Aufmerksamkeit. Das operative Ergebnis war 2025 mit rund minus 675.000 Euro negativ. Dass unter dem Strich trotzdem 2,43 Millionen Euro Gewinn stehen, liegt am positiven Finanzergebnis von etwa 3,10 Millionen Euro. Dazu trugen unter anderem 3,62 Millionen Euro Beteiligungserträge aus verbundenen Unternehmen und fast eine Million Euro Zinserträge aus verbundenen Unternehmen bei.
Der Jahresgewinn ist damit real bilanziert, aber er stammt nicht aus einem entsprechend hohen operativen Überschuss des laufenden Geschäfts. Für die Beurteilung der Nachhaltigkeit des Ergebnisses ist diese Unterscheidung relevant.
Eine weitere Zahl fällt ins Auge: Zum Bilanzstichtag weist die Gesellschaft lediglich 4.612 Euro an Kassen- und Bankguthaben aus. Dem stehen insgesamt 33,57 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber, davon rund 31,50 Millionen Euro mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr. Darin enthalten sind die 9,574 Millionen Euro nachrangigen Crowd-Verbindlichkeiten.
Aus dieser Gegenüberstellung darf allerdings nicht geschlossen werden, die Gesellschaft sei zahlungsunfähig. Ein Bankbestand an einem einzelnen Bilanzstichtag ist keine Liquiditätsplanung. Kurzfristig realisierbare Forderungen, Kreditlinien, Konzernzahlungen oder andere Finanzierungsquellen können aus einer Bilanz allein nicht vollständig beurteilt werden.
Für Anleger ergibt sich deshalb weniger ein fertiges Urteil als eine Reihe sachlicher Fragen: Wie sollen die im Abschluss kurzfristig ausgewiesenen Crowd-Verbindlichkeiten bedient werden? In welchem Umfang werden dafür Forderungen gegenüber Konzerngesellschaften zurückgeführt? Und wie nachhaltig sind Beteiligungs- und Zinserträge innerhalb der Gruppe?
Die Bilanz liefert darauf nur einen Teil der Antworten. Sie zeigt jedoch deutlich: Wer die Bonität der FMTG Services beurteilen will, muss nicht nur auf deren eigenen Gewinn schauen, sondern auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Konzernverbunds, an den ein sehr großer Teil ihres Vermögens gekoppelt ist.


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