Gute Nachrichten für Österreichs Geldbörsen – zumindest auf dem Papier: Die Inflation ist im Juli auf 2,8 Prozent gesunken. Wer allerdings seinen täglichen Einkauf bei Billa oder Interspar bezahlt, könnte sich kurz fragen, ob bei der Statistik vielleicht irgendwo ein Komma verrutscht ist.
Die Teuerung in Österreich hat im Juli 2026 etwas nachgelassen. Laut Statistik Austria lagen die Preise im Durchschnitt 2,8 Prozent höher als im Juli des Vorjahres. Im Juni hatte die Inflationsrate noch 3,2 Prozent betragen.
Das klingt zunächst durchaus erfreulich. Schließlich bewegt sich die Inflation damit wieder ein Stück nach unten. Beim täglichen Realitätstest zwischen Einkaufswagen, Käsetheke und Kassenbon kommt die Botschaft allerdings nicht bei jedem sofort an.
Denn wer nach einem normalen Einkauf bei Billa oder Interspar auf den Endbetrag schaut, könnte spontan das Gefühl bekommen: 2,8 Prozent? Sicher, dass da nicht eher 28 Prozent gemeint sind?
Natürlich ist das nur das persönliche Gefühl an der Supermarktkassa – die offizielle Inflationsrate bildet schließlich einen breiten Warenkorb aus vielen verschiedenen Produkten und Dienstleistungen ab. Aber der Blick auf den Kassenzettel besitzt bekanntlich seine ganz eigene statistische Überzeugungskraft.
Lebensmittel bremsen die Inflation
Ausgerechnet die Lebensmittelpreise haben laut Statistik Austria dazu beigetragen, dass die Teuerungsrate im Juli gesunken ist. Rund die Hälfte des Rückgangs sei auf leicht niedrigere Nahrungsmittelpreise zurückzuführen.
Seit Anfang Juli gilt außerdem die von der Regierung beschlossene Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Grundnahrungsmittel.
Wer also beim Einkaufen das Gefühl hat, dass Milch, Brot, Butter und der Rest des Einkaufs trotzdem erstaunlich schnell einen stattlichen Gesamtbetrag ergeben, darf sich zumindest damit trösten: Ohne die günstigere Entwicklung bei Lebensmitteln wäre die Inflation sogar noch höher ausgefallen.
Bereinigt um die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln hätte die Inflationsrate laut Statistik Austria nämlich bei 3,0 Prozent gelegen.
Preisniveau gegenüber Juni unverändert
Im Vergleich zum Juni 2026 blieb das durchschnittliche Preisniveau im Juli insgesamt unverändert. Die Preise sind also im Monatsvergleich nicht weiter gestiegen.
Die gute Nachricht lautet damit: Die Inflation geht zurück.
Die etwas weniger gute Nachricht lautet: Das bedeutet nicht, dass die Preise wieder auf das Niveau von früher zurückfallen. Sie steigen lediglich langsamer.
Oder anders gesagt: Der Einkaufswagen fährt statistisch inzwischen etwas langsamer bergauf. An der Kassa angekommen, hat man aber trotzdem gelegentlich das Gefühl, er wäre mit Vollgas unterwegs gewesen.
Offiziell also 2,8 Prozent Inflation – gefühlt gibt es für viele Konsumenten die persönliche Inflationsstatistik weiterhin gratis zum Kassenzettel dazu.


0 Kommentare