Tiny Tourism in Dublin: Urlaub machen wie ein Einheimischer – inklusive Apotheke und Chipsregal

Tiny Tourism in Dublin: Urlaub machen wie ein Einheimischer – inklusive Apotheke und Chipsregal

Veröffentlicht

Dienstag, 18.08.2026
von Red. TB

Es gibt Menschen, die fliegen nach Dublin und wollen Temple Bar, Trinity College und Guinness sehen. Und dann gibt es neuerdings Tiny Tourism.

Die Idee: Bloß nichts machen, was nach Tourist aussieht. Also keine berühmten Sehenswürdigkeiten, keine Bucket List, kein „Das muss man gesehen haben“. Stattdessen Supermarkt, Apotheke, Secondhandladen und möglichst noch die Frage, welche Chips-Sorte die Einheimischen bevorzugen.

Klingt zunächst ein bisschen so, als hätte jemand Urlaub mit Erledigungen verwechselt.

Die Reisejournalistin im Test macht jedenfalls tapfer mit. Erste Station: Supermarkt. Dort werden exotische Chips-Sorten bestaunt. Danach Secondhandläden. Dann Apotheke.

Spätestens bei Pflastern, Cremes und Vitaminen kommt allerdings die Erkenntnis: Auch in Dublin sieht eine Apotheke überraschend stark nach Apotheke aus.

Dann passiert das Unvermeidliche: Mutter und Tochter landen doch in Temple Bar.

Musik, Pubs, Menschen, Stimmung – und plötzlich macht der verpönte Massentourismus verdächtig viel Spaß. Die Erkenntnis: Vielleicht fahren die ganzen Leute ja nicht völlig grundlos dorthin.

Am nächsten Tag soll es dann richtig authentisch werden. Also Einheimische nach Geheimtipps fragen.

Großartige Idee.

Problem: Die empfohlenen Orte sind geschlossen.

Damit ist bewiesen: Einheimische kennen zwar ihre Stadt – aber offenbar nicht zwingend die Öffnungszeiten.

Richtig gut funktioniert dagegen ein Ausflug ans Meer. Mit der Vorortbahn geht es nach Sandycove, wo im eiskalten Wasser geschwommen und mit Einheimischen geplaudert wird. Genau da zeigt Tiny Tourism seine Stärke: nicht nur Sehenswürdigkeiten fotografieren, sondern tatsächlich etwas vom Alltag eines Ortes mitbekommen.

Am Ende kommt trotzdem die Kapitulation.

Ganz ohne Trinity College und die großen Klassiker fühlt sich Dublin dann doch unvollständig an. Die Autorin beschreibt es sinngemäß wie ein Restaurantbesuch, bei dem man nur Beilagen bestellt und irgendwann feststellt: Wo bleibt eigentlich das Hauptgericht?

Die vernünftigste Lösung heißt deshalb vermutlich nicht Tiny Tourism, sondern Medium Tourism:

Ein bisschen Sehenswürdigkeiten.

Ein bisschen Supermarkt.

Ein bisschen Pub.

Und wenn noch Zeit ist, kann man immer noch eine irische Apotheke besuchen.

Schließlich soll Urlaub ja auch Erholung sein – und keine Feldstudie über Zahnpasta.

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taranis (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 18.08.2026

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