Österreich will bis 2030 flächendeckend gigabitfähiges Internet haben. Ein schönes Ziel. Leider hat offenbar jemand vergessen, dass Glasfaserkabel nicht wachsen, wenn man sie freundlich bittet.
Denn nach der Kürzung der Bundesförderung von 275 auf 120 Millionen Euro für die Jahre 2027 bis 2029 ist der Ausbau vielerorts kräftig ins Stocken geraten. Die Branche spricht bereits von einem faktischen Förderstopp.
Mit anderen Worten: Das Internet der Zukunft soll kommen – aber bitte möglichst ohne Rechnung.
Niederösterreich steht dabei noch vergleichsweise gut da. Rund 200 Gemeinden sind bereits versorgt oder mitten im Ausbau, allein heuer sollen 20.000 Haushalte neu angeschlossen werden. Zwei Drittel der Haushalte verfügen inzwischen grundsätzlich über einen gigabitfähigen Anschluss.
Nur: Nicht jeder will ihn auch.
Auf dem Land ist das Interesse an Glasfaser offenbar groß, in Städten deutlich kleiner. Dort lautet die Haltung häufig sinngemäß: „Mein Internet funktioniert doch. Warum soll ich jetzt ein Loch vor dem Haus haben?“
So landet modernste Infrastruktur manchmal direkt am österreichischen Lieblingssatz:
„Passt eh noch.“
Besonders kurios wird es bei den Fördermitteln. Nach Angaben der Branche sollen rund 600 Millionen Euro aus nicht ausgeschöpften Projekten vorhanden sein. Geld wäre also theoretisch da – nur für den Breitbandausbau wird es derzeit offenbar nicht verwendet.
Das ist ungefähr so, als würde man mit leerem Tank am Straßenrand stehen und erklären: „Benzin hätten wir schon, aber das bleibt heute im Kanister.“
Aus der Branche kommt deshalb der Ruf nach einem anderen Fördersystem. Statt Unternehmen beim Ausbau zu unterstützen, könnten künftig direkt die Haushalte gefördert werden – ähnlich wie bei Photovoltaikanlagen.
Die Hoffnung: Wenn der Bürger selbst einen Zuschuss bekommt, wird aus „Brauche ich nicht“ plötzlich sehr schnell „Wann könnt ihr anfangen?“
Denn eines ist sicher: Österreich möchte 2030 digital ganz vorne dabei sein.
Im Moment besteht nur die Gefahr, dass wir dann zwar über Künstliche Intelligenz, autonome Autos und das Internet der Dinge reden – aber der Videocall im Dorf weiterhin genau dann einfriert, wenn es interessant wird.
Gigabit für alle? Gerne. Aber zuerst müsste offenbar die Förderung wieder aus dem Funkloch kommen.


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