Karriere, Kinder und keine Pause: US-Politikerinnen zwischen Hormonspritze und Hauptstadtstress

Karriere, Kinder und keine Pause: US-Politikerinnen zwischen Hormonspritze und Hauptstadtstress

Veröffentlicht

Sonntag, 16.08.2026
von Red. TB

Washington trifft Kinderwunsch

Politik in Washington ist schon ohne Familie kein Halbtagsjob. Für Frauen kommt oft noch die Frage dazu: Wann genau soll eigentlich noch Platz für Kinder sein?

Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hat deshalb öffentlich gemacht, dass sie ihre Eizellen einfrieren lässt. Ihre Kollegin Sara Jacobs hat das bereits hinter sich. Und Karoline Leavitt, bislang Sprecherin des Weißen Hauses, zieht die Reißleine und verlässt die Trump-Regierung, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

Hormonspritze zwischen zwei Abstimmungen

Sara Jacobs schildert ziemlich anschaulich, wie glamourös politische Karriere und Familienplanung zusammenpassen: hoch ins Büro, Hormonspritze setzen, zurück zur Sitzung.

Das Einfrieren von Eizellen koste in den USA häufig mehr als 10.000 Dollar und werde von Versicherungen nur selten bezahlt. Jacobs nennt die Entscheidung trotzdem befreiend – auch wenn sich die Behandlung körperlich offenbar ungefähr so angenehm anfühlt wie „Pubertät und Wechseljahre gleichzeitig“.

Elternzeit? Viel Glück

Das eigentliche Problem liegt allerdings weniger im Terminkalender einzelner Politikerinnen als im amerikanischen System.

Weniger als ein Viertel der Beschäftigten hat über den Arbeitgeber Zugang zu bezahlter Familienzeit. Eine gesetzlich verpflichtende bezahlte Elternzeit gibt es landesweit nicht.

Wer Kinder, Karriere und Schlaf gleichzeitig haben möchte, braucht deshalb häufig einen flexiblen Job, einen engagierten Partner, Kinderbetreuung – und vermutlich ein gewisses Talent für organisatorische Zauberei.

Arbeitswelt nach dem Modell „Ehefrau zu Hause“

Jacobs bringt das Grundproblem ziemlich direkt auf den Punkt: Der US-Kongress und große Teile der Arbeitswelt seien einst für Männer gebaut worden, deren Frauen zu Hause Haushalt und Kinder übernahmen.

Dumm nur, dass dieses Gesellschaftsmodell inzwischen etwas aus der Mode gekommen ist.

Solange Betreuung und Hausarbeit trotzdem überwiegend bei Frauen hängen bleiben, bleibt die berühmte „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ häufig weniger ein Konzept als eine tägliche Improvisationsübung.

Karriereleiter mit Kinderwagen

Die Debatte zeigt deshalb vor allem eines: Selbst Frauen mit Macht, Geld und Einfluss müssen ihre Familienplanung teilweise um Sitzungswochen, Wahlkämpfe und Dienstreisen herum organisieren.

Oder anders gesagt: In der amerikanischen Spitzenpolitik kann eine Frau offenbar vieles werden – Abgeordnete, Professorin, Sprecherin des Weißen Hauses.

Nur „Mutter mit geregelten Arbeitszeiten“ bleibt weiterhin eine der schwierigeren Karrieren.

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von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 16.08.2026

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