Im Fall des erschossenen US-Versicherungschefs Brian Thompson hat Luigi Mangione nun eingeräumt, dass er geschossen hat. Vor einer Bundesrichterin erklärte der 28-Jährige, er habe Thompson am 4. Dezember 2024 in Manhattan erschossen.
Damit ist zumindest dieser Teil der Geschichte bemerkenswert unkompliziert geworden. Kein „möglicherweise“, kein „ich kann mich nicht erinnern“, kein „mein Mandant äußert sich nicht“. Sondern ziemlich direkt: geschossen, getroffen, tot.
Mangione bekannte sich des Stalkings schuldig. Das Strafmaß soll im Dezember verkündet werden, die Staatsanwaltschaft will lebenslange Haft.
Die Tat selbst hatte damals alle Zutaten, die amerikanische Medien lieben: ein prominentes Opfer, Schüsse auf offener Straße, Überwachungskameras, eine Flucht auf dem Fahrrad und eine mehrtägige Fahndung.
Fünf Tage später wurde Mangione schließlich in einem Fast-Food-Restaurant in Pennsylvania erkannt.
Auch das passt irgendwie ins Drehbuch. Wer in Amerika gesucht wird, wird am Ende offenbar entweder von einer Kamera, einem Handy oder bei Burger und Pommes entdeckt.
Besonders bizarr wurde die Geschichte allerdings nach der Tat. Im Internet bekam Mangione ungewöhnlich viel Zuspruch. Hintergrund ist der enorme Frust vieler Amerikaner über das teure Gesundheitssystem und die Krankenversicherungen.
Die Wut darüber ist real.
Nur ist „Versicherungsbedingungen gefallen mir nicht“ normalerweise noch kein überzeugendes Argument für Mord.
Online wurde die Grenze zwischen Systemkritik und Fanclub jedenfalls erstaunlich schnell unscharf. Aus einem Mordverdächtigen wurde für manche eine Projektionsfläche, ein Symbol, ein Meme und beinahe schon eine Popfigur.
Das Internet schafft eben Dinge, die früher mehrere Jahrzehnte gesellschaftlichen Niedergang gebraucht hätten, heute an einem Wochenende.
Juristisch bleibt der Fall ebenfalls kompliziert. Mangione wird sowohl auf Bundesebene als auch im Bundesstaat New York verfolgt. Seine Verteidigung möchte die Mordanklage in New York zu Fall bringen und argumentiert, er dürfe nicht zweimal wegen derselben Tat verurteilt werden.
Damit hat Mangione nun gleich mehrere Probleme: ein Geständnis, die Aussicht auf lebenslange Haft und genügend Juristen, die sich darüber streiten können, welche lebenslange Haft zuerst dran ist.
Am Ende bleibt ein Fall, der vor allem zeigt, wie vollkommen verrückt öffentliche Debatten werden können.
Ein Mann ist tot. Ein anderer hat die Schüsse eingeräumt. Und trotzdem diskutiert Amerika gleichzeitig über Krankenversicherungen, Klassenkampf, Doppelbestrafung, Memes und darüber, ob ein mutmaßlicher Mörder irgendwie „cool“ sein darf.
Die Antwort darauf könnte eigentlich erstaunlich kurz sein:
Nein.
Aber kurz ist im Internet bekanntlich keine anerkannte Meinungsform.


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