USS Abraham Lincoln: Trump findet, da geht noch was
WASHINGTON — Während Familien von Seeleuten der USS Abraham Lincoln offenbar zunehmend besorgt auf die Lage an Bord blicken, sieht Präsident Donald Trump die Sache deutlich entspannter. Auf die Frage, ob der Einsatz des Flugzeugträgers angesichts von Erschöpfung, psychischer Belastung und Berichten über Suizidversuche vielleicht inzwischen etwas zu lange dauere, lautete seine Einschätzung sinngemäß: keineswegs.
„Nein, noch lange nicht lang genug“, erklärte Trump am 14. August und setzte damit einen bemerkenswerten Kontrapunkt zu all jenen, die bislang glaubten, acht Monate Kriegseinsatz könnten irgendwann anstrengend werden.
Zuvor hatten Navy Times und Stars and Stripes über Suizidversuche, Erschöpfung und eine stark gesunkene Moral unter den rund 5.000 Menschen an Bord berichtet. Offenbar hatten einige Besatzungsmitglieder die gewagte Erwartung entwickelt, ein Einsatz müsse irgendwann einmal enden.
Doch Hilfe naht — jedenfalls in Form eines anderen Flugzeugträgers. Die USS George Washington soll die USS Abraham Lincoln ablösen. Laut US-Regierungsvertretern handelt es sich dabei um eine ohnehin geplante Rotation. Trump bestätigte, dass das Schiff „gerade oder sehr bald“ verlegt werde. Präziser muss man es bei einer Flotte dieser Größenordnung offenbar nicht wissen.
Die Besatzung der Lincoln befindet sich seit November 2025 auf See. Ursprünglich sollte der Einsatz im Mai enden. Ein neuer Rückkehrtermin wurde bislang nicht festgelegt. Damit bleibt die Heimreise ähnlich konkret wie viele gute Vorsätze: grundsätzlich vorgesehen, aber ohne störendes Datum.
Der demokratische Senator Richard Blumenthal beschrieb die Zustände an Bord in einem Schreiben an Verteidigungsminister Pete Hegseth weniger optimistisch. Er verwies auf Berichte über fehlende Grundversorgung, verunreinigtes Wasser, Sanitärprobleme, psychische Belastungen, Sicherheitsprobleme an Deck und ein Postsystem, bei dem Versorgungspakete offenbar monatelang ihre eigene kleine Weltreise unternehmen.
Blumenthal warnte, die Situation müsse sofort untersucht werden. Außerdem stelle sich die Frage, ob die US-Marine dieses Einsatztempo dauerhaft aufrechterhalten könne.
Verteidigungsminister Pete Hegseth wiederum erklärte, die Berichte stellten die Realität „vollständig falsch“ dar. Man tue alles, damit jedes Schiff und jede Besatzung möglichst gut versorgt sei.
„Manche Einsätze sind länger als andere“, sagte Hegseth. Eine Feststellung, die mathematisch schwer zu widerlegen ist und deshalb vermutlich auch in schwierigen Zeiten beruhigend wirken soll.
Er habe größten Respekt vor den Seeleuten und dem, was sie unter schwierigen Bedingungen auf hoher See leisteten, betonte Hegseth.
So ergibt sich am Ende ein bemerkenswert harmonisches Bild: Die Besatzung ist erschöpft, Familien sind besorgt, Senatoren fordern Antworten, das Pentagon spricht von Fehlinterpretationen — und der Präsident findet vor allem, dass der Einsatz eigentlich ruhig noch etwas länger dauern könnte.
Motivationsmanagement auf höchster Ebene.


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