65 Kilo weg – und keiner hat mir dafür eine Tablette gegeben
Jetzt gibt es also Semaglutid bald auch als Tablette.
Sehr praktisch.
Früher musste man sich zum Abnehmen noch bewegen, weniger essen und mit seinem inneren Schweinehund verhandeln.
Heute fragt man:
„Haben Sie das auch in bequem?“
Ich kann da leider nicht mitreden.
Ich habe in neun Monaten 65 Kilo abgenommen.
Ohne Spritze.
Ohne Tablette.
Ohne Zaubertrank.
Mein Wirkstoff hieß:
Selbstdisziplin 1000 mg.
Einmal täglich.
Manchmal auch stündlich.
Die Nebenwirkungen waren heftig
Ich will nichts beschönigen.
Auch meine Methode hatte Nebenwirkungen.
Zum Beispiel:
- schlechte Laune beim Anblick von Kuchen,
- spontanes Misstrauen gegenüber Buffets,
- emotionale Distanz zu Familienpackungen Chips,
- und gelegentliche Halluzinationen beim Vorbeigehen an einer Dönerbude.
Besonders gefährlich war abends der Kühlschrank.
Der stand da.
Ganz ruhig.
Hat nichts gesagt.
Aber ich wusste genau, was er dachte:
„Komm schon. Nur einmal gucken.“
Und wir alle wissen:
Nur gucken ist beim Kühlschrank ungefähr so glaubwürdig wie „Ich bleibe heute nur bei einem Bier“.
Tablette morgens, ich hatte meinen Spiegel
Die neue Abnehmtablette muss morgens nüchtern genommen werden.
Vorher acht Stunden nichts essen.
Danach 30 Minuten nichts essen, nichts trinken, keine anderen Medikamente.
Ganz schön kompliziert.
Ich hatte ein ähnliches System.
Ich bin morgens ins Bad gegangen, habe mich im Spiegel gesehen und gedacht:
„Nein. Heute eskalieren wir beim Frühstück nicht.“
Auch wirksam.
Und völlig ohne Beipackzettel.
Das Problem ist nicht immer der Hunger
Natürlich können Medikamente Menschen mit Adipositas helfen.
Das ist wichtig und medizinisch sinnvoll.
Aber manchmal klingt die öffentliche Debatte so, als wäre Übergewicht plötzlich ausschließlich eine Frage der richtigen Packungsgröße aus der Apotheke.
Dabei sitzt der wahre Gegner oft ganz woanders.
Er heißt:
„Ach komm, heute ist auch egal.“
Der Typ ist brandgefährlich.
Der kommt freitags.
Dann samstags.
Und sonntags sagt er:
„Montag fangen wir richtig an.“
Montag wiederum hat er frei.
Ich hatte auch einen Jojo-Effekt
Mein persönlicher Jojo-Effekt sah anders aus.
Ich stellte mich auf die Waage.
Ein Kilo weniger.
Freude.
Zwei Tage später:
800 Gramm mehr.
Ich:
„WAS SOLL DER MIST?“
Waage:
„Wasser.“
Ich:
„Du bist kurz davor, aus dem Fenster zu fliegen.“
Auch das gehört dazu.
Abnehmen ist kein sauberer Börsenchart.
Es geht hoch.
Es geht runter.
Manchmal passiert drei Tage gar nichts.
Und dann sind plötzlich zwei Kilo weg.
Der Körper ist offenbar ein ziemlich schlechter Buchhalter.
Die stärkste Medizin heißt Gewohnheit ändern
Was mir geholfen hat?
Nicht Perfektion.
Sondern Wiederholung.
Weniger essen.
Mehr bewegen.
Nicht jedes kleine Tief zum Weltuntergang erklären.
Wenn ich einen schlechten Tag hatte, war eben am nächsten Morgen wieder Anpfiff.
Das ist eigentlich wie Fußball.
Du kannst 0:3 verlieren.
Aber du musst deswegen nicht die Saison abmelden.
65 Kilo später weiß ich vor allem eins
Es gibt keine magische Lösung.
Auch eine Tablette nimmt einem nicht jede Entscheidung ab.
Sie kann helfen.
Aber sie geht nicht für dich spazieren.
Sie kocht dir kein vernünftiges Essen.
Und sie steht nachts auch nicht vor dem Kühlschrank und sagt:
„Kollege, lass die Salami liegen.“
Das musst du am Ende schon selbst machen.
Mein Erfolgsrezept
Also, was war mein Geheimnis?
Kein Geheimnis.
Kein Detox.
Kein Influencer-Code.
Kein „nur heute 79,99 Euro“-Programm.
Sondern:
65 Kilo in neun Monaten.
Ohne Spritze.
Ohne Tablette.
Mit Disziplin.
Mit Rückschlägen.
Mit Fluchen.
Mit Hunger.
Und mit der Erkenntnis:
Manchmal ist die billigste Methode gleichzeitig die anstrengendste.
Aber hey:
Selbstdisziplin ist immerhin rezeptfrei.


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