VIVAT Investment GmbH: Eine Bilanz voller Warnsignale für Anleger

VIVAT Investment GmbH: Eine Bilanz voller Warnsignale für Anleger

Veröffentlicht

Freitag, 14.08.2026
von Red. TB

Der Jahresabschluss 2025 der VIVAT Investment GmbH dürfte bei Anlegern mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Zwar konnte das Unternehmen seinen Jahresverlust gegenüber dem Vorjahr deutlich reduzieren. Doch hinter dieser Verbesserung verbirgt sich eine Bilanz, die aus Anlegersicht erhebliche Risiken erkennen lässt. Besonders schwer wiegt, dass der Abschlussprüfer für wesentliche Vermögenswerte keinen ausreichenden Nachweis über deren Werthaltigkeit erhalten hat und deshalb den Bestätigungsvermerk versagte.

Genau dieser Punkt sollte jeden Anleger aufmerksam machen.

Negatives Eigenkapital von mehr als 460.000 Euro

Die Gesellschaft weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 462.000 Euro aus. Stammkapital und Kapitalrücklage sind durch die aufgelaufenen Verluste damit rechnerisch vollständig aufgezehrt.

Insgesamt stehen Vermögenswerten von rund 1,53 Millionen Euro Verpflichtungen und Rückstellungen von knapp zwei Millionen Euro gegenüber.

Die Gesellschaft selbst bezeichnet ihre Situation als bilanziell überschuldet. Zwar bedeutet eine bilanzielle Überschuldung nicht automatisch eine insolvenzrechtliche Überschuldung. Für Anleger ist sie dennoch ein deutliches Warnsignal.

Denn ein komfortables finanzielles Polster sieht anders aus.

Nur knapp 45.000 Euro auf dem Bankkonto

Besonders auffällig ist die geringe Liquidität. Zum Bilanzstichtag verfügte VIVAT lediglich über rund 44.900 Euro an Bankguthaben.

Dem stehen erhebliche Verpflichtungen gegenüber.

Das bedeutet: Die Fähigkeit des Unternehmens, seine Verpflichtungen zu erfüllen, hängt in hohem Maße davon ab, dass andere Gesellschaften ihre Darlehen zurückzahlen, Zinsen leisten und geplante Mittelzuflüsse tatsächlich eintreffen.

Ein großer Bargeldpuffer, der mögliche Ausfälle oder Verzögerungen auffangen könnte, ist jedenfalls nicht vorhanden.

Fast das gesamte Vermögen besteht aus Forderungen

Noch problematischer wird die Situation beim Blick auf die Aktivseite.

Von rund 1,53 Millionen Euro Umlaufvermögen entfallen etwa 1,49 Millionen Euro auf Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände.

Damit besteht rund 97 Prozent des Umlaufvermögens nicht aus Bargeld, Immobilien oder unmittelbar verfügbaren Vermögenswerten, sondern im Wesentlichen aus Ansprüchen gegenüber anderen Gesellschaften.

Ob diese Forderungen tatsächlich vollständig zurückgezahlt werden können, ist deshalb die entscheidende Frage für Anleger.

Und genau an dieser Stelle beginnt das größte Problem des Jahresabschlusses.

Wirtschaftsprüfer verweigert das Testat

Der Abschlussprüfer konnte die Werthaltigkeit wesentlicher Darlehensforderungen gegenüber verbundenen Unternehmen nach eigenen Angaben nicht ausreichend überprüfen.

Es fehlten offenbar ausreichende Nachweise zur Bonität der betreffenden Schuldner.

Die Konsequenz ist außergewöhnlich deutlich: Der Bestätigungsvermerk wurde versagt.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Forderungen wertlos sind oder dass falsche Zahlen vorgelegt wurden. Es bedeutet jedoch, dass der unabhängige Prüfer bei einem zentralen Teil des Unternehmensvermögens keine ausreichende Grundlage hatte, um ein positives Prüfungsurteil abzugeben.

Für Anleger ist das gravierend.

Denn ausgerechnet die Vermögenswerte, aus denen später Zinsen und Rückzahlungen finanziert werden sollen, lassen sich nach Ansicht des Prüfers nicht ausreichend verifizieren.

Anleger finanzieren – VIVAT reicht Kapital weiter

Das Geschäftsmodell verdient ebenfalls besondere Aufmerksamkeit.

VIVAT hat über Namensschuldverschreibungen rund 1,23 Millionen Euro von Anlegern aufgenommen. Ein erheblicher Teil dieses Kapitals wird wiederum als Darlehen an Projekt- und Beteiligungsgesellschaften weitergereicht.

Teilweise handelt es sich dabei um Nachrangdarlehen.

Das erhöht das Risiko erheblich. Gerät eine Projektgesellschaft in Schwierigkeiten, können nachrangige Forderungen erst nach vorrangigen Gläubigern bedient werden.

Damit entsteht eine problematische Konstruktion: Anleger stellen VIVAT Kapital zur Verfügung, während VIVAT dieses Geld teilweise in Finanzierungen investiert, die selbst mit erhöhtem Ausfallrisiko verbunden sein können.

Solange die Projekte erfolgreich verlaufen, kann dieses Modell funktionieren. Kommt es jedoch zu Ausfällen, können diese unmittelbar die Fähigkeit von VIVAT beeinträchtigen, seine eigenen Anleger zu bedienen.

Schon heute gibt es ausgefallene Forderungen

Dass dieses Risiko nicht nur theoretischer Natur ist, zeigt der Jahresabschluss ebenfalls.

Forderungen gegenüber zwei Gesellschaften wurden bereits vollständig wertberichtigt. Insgesamt geht es dabei um rund 259.000 Euro.

Positiv ist, dass diese Risiken bilanziell berücksichtigt wurden.

Gleichzeitig zeigen die Abschreibungen aber auch, dass Darlehensausfälle im bestehenden Geschäftsmodell tatsächlich vorkommen können.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie stabil sind die übrigen rund 1,49 Millionen Euro Forderungen?

Eine überzeugende unabhängige Antwort darauf liefert der vorliegende Abschluss gerade nicht.

Zinsgeschäft trägt die Kosten nicht

Auch die laufende Ertragskraft überzeugt bislang nur begrenzt.

VIVAT erzielte 2025 Zinserträge von rund 73.000 Euro. Gleichzeitig entstanden Zinsaufwendungen von knapp 59.000 Euro.

Damit verbleiben aus dem Zinsgeschäft lediglich rund 14.000 Euro, bevor weitere Verwaltungskosten und sonstige betriebliche Aufwendungen berücksichtigt werden.

Das Unternehmen konnte seine laufenden Kosten damit auch 2025 nicht aus dem operativen Ergebnis decken.

Unter dem Strich steht erneut ein Verlust von knapp 70.000 Euro.

Immerhin ist dieser deutlich niedriger als der Verlust von rund 333.000 Euro im Vorjahr. Das ist eine klare Verbesserung. Doch eine Gesellschaft mit negativem Eigenkapital benötigt langfristig nicht nur geringere Verluste – sie benötigt nachhaltige Gewinne.

Davon ist VIVAT bislang entfernt.

Altverluste lasten schwer

Der Verlustvortrag beläuft sich inzwischen auf mehr als 717.000 Euro.

Diese Zahl zeigt, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht erst 2025 entstanden sind. Über mehrere Jahre haben sich erhebliche Verluste angesammelt.

Das vorhandene Kapitalpolster wurde dadurch vollständig aufgezehrt.

Um diese Situation nachhaltig zu drehen, müsste VIVAT über Jahre deutliche Gewinne erwirtschaften oder neues Eigenkapital erhalten.

Ein einzelnes Jahr mit einem geringeren Verlust reicht dafür nicht aus.

Abhängigkeit von weiteren Anlegerzahlungen

Bemerkenswert ist zudem, dass auch nach Beendigung des öffentlichen Angebots weiterhin Zahlungen aus bereits abgeschlossenen ratierlichen Namensschuldverschreibungen eingehen können.

Diese Verträge laufen teilweise über sehr lange Zeiträume.

Solche Mittelzuflüsse können die Liquidität stützen. Sie dürfen jedoch nicht mit operativen Gewinnen verwechselt werden.

Wenn ein Unternehmen laufend auf neue beziehungsweise noch ausstehende Anlegergelder angewiesen ist, um ausreichend Liquidität zu erhalten, sollte genau untersucht werden, aus welchen Quellen spätere Rückzahlungen erfolgen sollen.

Für Anleger wäre deshalb eine transparente langfristige Liquiditätsrechnung besonders wichtig.

Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet

Aus Anlegersicht lässt sich der gesamte Jahresabschluss auf eine zentrale Frage reduzieren:

Sind die Forderungen gegenüber den Projektgesellschaften tatsächlich so viel wert, wie sie in der Bilanz angesetzt werden?

Davon hängt praktisch alles ab.

Sind die Forderungen vollständig werthaltig und werden sie planmäßig zurückgeführt, kann sich die wirtschaftliche Lage stabilisieren.

Kommt es jedoch zu weiteren erheblichen Ausfällen, verschärft sich das bereits negative Eigenkapital unmittelbar.

Schon eine zusätzliche Wertberichtigung von beispielsweise 20 Prozent auf die ausgewiesenen Forderungen würde rechnerisch einen zusätzlichen Verlust von fast 300.000 Euro verursachen.

Das wäre angesichts des bereits bestehenden Fehlbetrags erheblich.

Für Anleger ist höchste Vorsicht angebracht

Die starke Verbesserung des Jahresergebnisses sollte nicht unterschlagen werden. Auch wurden bekannte Problemforderungen abgeschrieben und ein größerer Gläubiger hat einen qualifizierten Rangrücktritt erklärt.

Diese Punkte wirken stabilisierend.

Sie ändern jedoch nichts am Gesamtbild.

Negatives Eigenkapital, geringe liquide Mittel, erhebliche Altverluste, eine starke Abhängigkeit von Forderungen gegenüber Projektgesellschaften und ein versagter Bestätigungsvermerk ergeben zusammengenommen eine ausgesprochen riskante Bilanz.

Besonders beunruhigend ist, dass der Abschlussprüfer nicht irgendeine Nebenposition beanstandet. Seine Unsicherheit betrifft den Kern des ausgewiesenen Vermögens.

Für bestehende Anleger sollte deshalb nicht die Frage im Vordergrund stehen, ob der Verlust gegenüber 2024 gesunken ist.

Viel wichtiger ist:

Kann VIVAT nachvollziehbar belegen, dass die finanzierten Projekte und Schuldner tatsächlich in der Lage sind, die ausstehenden Darlehen einschließlich Zinsen zurückzuzahlen?

Solange dieser Nachweis nicht überzeugend und unabhängig erbracht wird, bleibt die Anlage aus meiner Sicht mit erheblichen Risiken verbunden.

Der Jahresabschluss 2025 liefert jedenfalls keinen Anlass zur Entwarnung. Im Gegenteil: Er enthält genügend Warnsignale, die Anleger sehr ernst nehmen sollten.

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geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 14.08.2026

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