Eine Direktorenfunktion bei einer K1-Vertriebsgesellschaft, Milliardenankündigungen im Kryptomining, eine Festnahme im Zusammenhang mit OmegaPro und 2026 eine Verbindung zum Umfeld der TGI AG: Die Geschäftsbiografie des österreichischen Unternehmers Robert Velghe wirft Fragen auf. Dabei gilt jedoch eine entscheidende Grenze: Geschäftliche Verbindungen zu später problematischen Unternehmen sind kein Beweis persönlicher strafrechtlicher Schuld.
Die frühe Verbindung zu K1
Das britische Companies House führt Robert Velghe als früheren Director der K1FUND DISTRIBUTION LTD., Company Number 05616418. Er wurde am 8. November 2005 bestellt und schied am 4. Juli 2007 aus. Als Nationalität ist „Austrian“ angegeben.
Die K1-Fonds des deutschen Fondsmanagers Helmut Kiener wurden später Gegenstand eines großen Anlagebetrugsverfahrens. Kiener gestand 2011 den Aufbau eines Ponzi-Systems und wurde vom Landgericht Würzburg zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der damalige Schaden wurde von der Staatsanwaltschaft mit rund 345 Millionen Euro angegeben.
Für Velghe ist entscheidend: Die ausgewerteten Quellen belegen lediglich seine rund 20-monatige Direktorenfunktion bei der K1-Vertriebsgesellschaft. Sie belegen nicht, dass er an Kieners Betrugstaten beteiligt war oder davon wusste.
Offen bleibt deshalb, welche konkrete Aufgabe Velghe damals im K1-Vertrieb hatte.
Geschäftliche Verbindung nach Graz
Später findet sich Velghes Name bei der inzwischen gelöschten RV Online Trading GmbH in Liqu., FN 485153k, mit Sitz in Graz. Ein internationales Unternehmensverzeichnis nennt ihn ebenfalls im Zusammenhang mit dieser Gesellschaft.
Damit ist ein geschäftlicher Bezug zu Graz dokumentiert. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Velghe heute in Graz lebt.
Omnia Tech: Milliardenpläne im Kryptomining
2018 tauchte Velghe im Kryptomining-Geschäft auf. Die armenische Nachrichtenagentur ARKA bezeichnete ihn als Gründer von Omnia Tech.
Gemeinsam mit der armenischen Multi Group sollte nach damaliger Ankündigung eine der weltweit größten Kryptomining-Anlagen entstehen. Geplant waren mehr als 150.000 Mining-Maschinen und Investitionen von über zwei Milliarden US-Dollar innerhalb von zwei Jahren.
Ob diese Investitionssumme tatsächlich realisiert wurde, lässt sich anhand der ausgewerteten Quellen nicht bestätigen.
Omnia Tech arbeitete zugleich mit Empfehlungs- beziehungsweise Network-Marketing-Strukturen – ein Vertriebsprinzip, das später auch im Umfeld von OmegaPro eine wichtige Rolle spielte.
OmegaPro und Warnungen von Finanzaufsichtsbehörden
Nach Omnia Tech findet sich Velghes Name im Umfeld von OmegaPro.
OmegaPro trat als Plattform für Forex- und Kryptoinvestments auf. Nach Angaben des US-Justizministeriums wurden Anlegern später Renditen von bis zu 300 Prozent innerhalb von 16 Monaten in Aussicht gestellt. Das System arbeitete mit Multi-Level-Marketing.
Bereits am 13. Januar 2020 warnte die spanische Finanzmarktaufsicht CNMV vor OMEGA PRO LTD und erklärte, dass das Unternehmen nicht zur Erbringung entsprechender Investmentdienstleistungen zugelassen sei. Weitere Warnungen folgten. Auch die belgische FSMA führte OmegaPro 2021 im Zusammenhang mit verdächtigen beziehungsweise unerlaubt tätigen Online-Trading-Angeboten.
Diese Behördenwarnungen richteten sich gegen OmegaPro beziehungsweise dessen Angebote. Sie beweisen keine persönliche Straftat Robert Velghes.
US-Justizministerium: mehr als 650 Millionen Dollar
Am 8. Juli 2025 veröffentlichte das US-Justizministerium Einzelheiten einer Anklage gegen Michael Shannon Sims und Juan Carlos Reynoso.
Nach Darstellung der US-Ermittler sollen über OmegaPro mehr als 650 Millionen US-Dollar von Anlegern eingesammelt worden sein. Die Behörden sprechen von einem mutmaßlichen Betrugs- und Geldwäschesystem. Die Vorwürfe sind Gegenstand eines Strafverfahrens; für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Für die Bewertung Velghes ist wesentlich:
Robert Velghe gehört nicht zu den beiden in dieser US-Anklage namentlich genannten Angeklagten.
Eine persönliche strafrechtliche Verantwortlichkeit kann deshalb aus der US-Anklage nicht abgeleitet werden.
Festnahme in Istanbul
Robert Velghe wurde im September 2024 in Istanbul im Zusammenhang mit dem OmegaPro-Komplex festgenommen.
Türkische Medien berichteten über umfangreiche Ermittlungen. Für diese Recherche konnte jedoch keine unmittelbar zugängliche türkische Gerichtsentscheidung verifiziert werden, aus der hervorgeht, ob Velghe inzwischen angeklagt, verurteilt, freigelassen oder weiterhin Beschuldigter eines türkischen Verfahrens ist.
Nicht belastbar wäre deshalb die Behauptung, Velghe sei rechtskräftig als „OmegaPro-Betrüger“ verurteilt worden.
2026: Verbindung zu TGI
Am 24. Juni 2026 berichtete diebewertung.de, Velghe habe der Redaktion zuvor selbst mitgeteilt, inzwischen für TGI tätig zu sein. Die Redaktion berichtete außerdem, ihn in TGI-bezogenem Videomaterial identifiziert zu haben.
Die Verbindung ist auch deshalb interessant, weil die TGI AG 2026 Gegenstand aufsichtsrechtlicher Auseinandersetzungen in Europa wurde.
Auch hier gilt: Eine Tätigkeit Velghes für TGI beweist weder ein rechtswidriges Verhalten von TGI noch eine persönliche Verantwortung Velghes für aufsichtsrechtliche Probleme.
Sie wirft jedoch die Frage auf, welche konkrete Funktion er bei TGI hatte und welchen Einfluss er auf Vertrieb und Vergütungsstrukturen nahm.
Das wiederkehrende Thema: Vertrieb
Über mehr als zwei Jahrzehnte zieht sich ein Thema durch die öffentlich dokumentierten Stationen Velghes:
Vertrieb.
K1FUND DISTRIBUTION, Omnia Tech mit Network Marketing, OmegaPro mit Multi-Level-Marketing und schließlich die dokumentierte Verbindung ins Umfeld von TGI.
Daraus lässt sich keine Straftat ableiten. Es begründet jedoch ein legitimes öffentliches Interesse daran, welche Funktionen Velghe jeweils ausübte und welche Kenntnisse er von den jeweiligen Geschäftsmodellen hatte.
Die offenen Fragen
Robert Velghe sollte insbesondere erklären, welche konkrete Aufgabe er von 2005 bis 2007 bei K1FUND DISTRIBUTION hatte, welche Rolle er bei Omnia Tech und OmegaPro tatsächlich ausübte, wie der aktuelle Stand des türkischen Verfahrens ist und welche Funktion, Vergütung oder Beteiligung er 2026 im Umfeld von TGI hatte.
Ebenso relevant ist die Frage, ob und in welchem Umfang er selbst an Vertriebs- oder Vergütungsmodellen beteiligt war.
Fazit
Die Fakten ergeben eine bemerkenswerte Geschäftsbiografie:
Robert Velghe war Director einer K1-Vertriebsgesellschaft. Später trat er als Gründer von Omnia Tech mit milliardenschweren Kryptomining-Plänen auf. Sein Name findet sich im Umfeld von OmegaPro, er wurde 2024 im Zusammenhang mit diesem Komplex in Istanbul festgenommen, und 2026 dokumentierte diebewertung.de eine Verbindung zu TGI.
Gleichzeitig gibt es nach dem ausgewerteten Material keinen belastbaren Beleg dafür, Robert Velghe pauschal als „Betrüger“, „Ponzi-Betreiber“ oder rechtskräftig verurteilten OmegaPro-Täter zu bezeichnen. Im US-OmegaPro-Verfahren gehört er nicht zu den beiden namentlich angeklagten Personen.
Die geschäftlichen Stationen rechtfertigen Fragen und journalistische Aufklärung – sie ersetzen aber keinen Nachweis persönlicher Schuld.


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