Scheiss Europa denken jetzt wieder viele Mittelständler

Scheiss Europa denken jetzt wieder viele Mittelständler

Veröffentlicht

Donnerstag, 13.08.2026
von Red. TB

Frau von der Leyen, der Honig möchte nach Frankreich – braucht er jetzt einen Bevollmächtigten?

Europa war einmal eine ziemlich geniale Idee: Grenzen abbauen, Handel erleichtern, gemeinsam stärker sein.

Dann kam die Bürokratie.

Und irgendwann muss irgendwo in Brüssel jemand gesagt haben: „Der Binnenmarkt funktioniert inzwischen viel zu einfach. Können wir da nicht noch ein Formular dazwischenlegen?“

Offenbar können wir.

Mit der neuen europäischen Verpackungsregulierung erleben kleine Händler gerade eine besondere Form europäischer Wirtschaftsförderung: Man fördert sie dazu, einfach nichts mehr ins Ausland zu verkaufen.

Problem gelöst.

Kein Versand – keine Verpackung.

Keine Verpackung – kein Müll.

Kein Umsatz – vermutlich irgendwann auch kein Unternehmen mehr.

Man muss die Konsequenz bewundern.

Ein kleiner Imker aus Niedersachsen möchte vielleicht zehn Gläser Honig nach Frankreich schicken. Früher brauchte er dafür Honig, Gläser, einen Karton und einen Paketdienst.

Heute bekommt man teilweise den Eindruck, er brauche zusätzlich einen Rechtsanwalt, einen Steuerberater, einen Umweltbeauftragten, drei Registrierungsnummern und möglicherweise einen Cousin in Paris, der offiziell bestätigt, dass der Karton tatsächlich ein Karton ist.

Willkommen im europäischen Binnenmarkt 2026.

Das Wort „Binnenmarkt“ bekommt dabei ohnehin eine völlig neue Bedeutung.

Binnen bedeutet offenbar: Bleib mit deinen Produkten besser binnen Deutschlands.

Besonders schön ist die Situation für kleine Unternehmen.

Ein internationaler Konzern beschäftigt eine Compliance-Abteilung mit 48 Mitarbeitern. Wenn eine neue EU-Verordnung kommt, setzt man einen Arbeitskreis ein, bestellt Catering und schreibt ein 83-seitiges Handbuch.

Der kleine Händler sitzt dagegen abends um halb elf vor seinem Laptop und googelt:

„Brauche ich einen Verpackungsbevollmächtigten in Italien, wenn ich drei Paar Socken nach Bologna schicke?“

Das ist europäische Chancengleichheit.

Natürlich ist das Ziel der Verpackungsverordnung vernünftig. Weniger Müll ist gut. Niemand wacht morgens auf und denkt:

„Heute hätte ich gern 30 Prozent mehr Plastik im Meer.“

Aber zwischen Umweltschutz und bürokratischer Selbstbeschäftigung gibt es einen Unterschied.

Und genau dort scheint Brüssel gelegentlich die Orientierung zu verlieren.

Besonders unterhaltsam wird es, wenn selbst aus EU-Kreisen zu hören ist, die Regeln seien möglicherweise etwas unverhältnismäßig.

Ach was.

Das hätte man natürlich auch vorher feststellen können.

Aber warum vorher prüfen, wenn man hinterher nachbessern kann?

Das ist ungefähr so, als würde ein Elektriker zunächst das Haus unter Strom setzen und anschließend sagen:

„Bitte vorerst nichts anfassen. Wir arbeiten an einer Lösung.“

Noch schöner ist die angebliche Empfehlung, Mitgliedstaaten könnten manche Regeln zunächst großzügig handhaben und besser keine Strafen verhängen.

Das muss man sich einmal vorstellen.

Die EU erlässt eine Vorschrift.

Unternehmen fragen: „Müssen wir das jetzt machen?“

Antwort:

„Ja. Aber vielleicht besser noch nicht so richtig.“

Der deutsche Mittelstand liebt solche eindeutigen Ansagen.

Planungssicherheit pur.

Frau von der Leyen, Unternehmen kann man übrigens auf verschiedene Arten kaputtmachen.

Man kann ihnen die Kunden wegnehmen.

Man kann ihre Kosten erhöhen.

Oder man schickt ihnen jeden Montag ein neues Formular und wartet einfach.

Das dauert möglicherweise etwas länger, ist aber administrativ sehr elegant.

Und anschließend wundert sich die Politik über die zunehmende Anti-EU-Stimmung.

Dabei ist das gar nicht so kompliziert.

Wenn ein Unternehmer irgendwann das Gefühl bekommt, dass Brüssel ihm zwar einen grenzenlosen europäischen Markt verspricht, für jedes Land aber anschließend einen eigenen bürokratischen Hindernisparcours aufstellt, dann wächst seine Begeisterung für Europa ungefähr so stark wie seine Begeisterung für eine Betriebsprüfung am Freitagnachmittag.

Und ja: Dann versteht man zumindest, warum Parteien wie die AfD mit Forderungen gegen die EU bei manchen Menschen Gehör finden.

Das bedeutet nicht, dass ein Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union deshalb eine vernünftige Antwort wäre.

Man sollte aber vielleicht verstehen, warum solche Forderungen überhaupt attraktiv werden.

Die beste Werbung für europakritische Parteien kommt manchmal nämlich gar nicht von diesen Parteien selbst.

Sie kommt kostenlos aus Brüssel.

Mit Briefkopf.

Und Durchführungsverordnung.

Europa braucht deshalb dringend eine neue politische Maßeinheit.

Nicht Kilogramm.

Nicht Liter.

Sondern:

Wie viele Formulare verträgt ein Honigglas?

Wenn für den Verkauf eines 8-Euro-Produkts irgendwann 25 Euro Verwaltungskosten entstehen, sollte möglicherweise nicht der Imker sein Geschäftsmodell überdenken.

Vielleicht sollte es der Gesetzgeber tun.

Die Grundidee Europas ist schließlich großartig:

Ein deutscher Imker verkauft Honig nach Frankreich.

Ein französischer Winzer verkauft Wein nach Deutschland.

Ein italienischer Händler verkauft Schuhe nach Österreich.

Alle verdienen Geld.

Die Kunden freuen sich.

Europa wächst zusammen.

Die moderne Version scheint dagegen zu lauten:

Der deutsche Imker öffnet die Verpackungsverordnung.

Der französische Kunde wartet.

Der Imker liest Seite 37.

Der Kunde wartet weiter.

Der Imker sucht die Registrierungsstelle.

Der Kunde bestellt irgendwann französischen Honig.

Und Brüssel veröffentlicht anschließend eine Studie darüber, warum der grenzüberschreitende Handel kleiner Unternehmen zurückgeht.

Vielleicht sollten wir Europa wieder etwas einfacher machen.

Nicht weniger Europa.

Weniger Europa-Verwaltung.

Denn ein gemeinsamer Markt, in dem kleine Händler irgendwann freiwillig keine Grenzen mehr überschreiten, weil ihnen die Bürokratie zu teuer wird, ist zwar irgendwie europäisch.

Nur leider nicht besonders gemeinsam.

Und Frau von der Leyen sollte sich eines merken:

Wenn der Imker irgendwann für den Versand eines Honigglases mehr Formulare als Bienen braucht, ist bei der Regulierung etwas schiefgelaufen.

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wynpnt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 13.08.2026

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