Liebe kennt bekanntlich keine Grenzen. Dieses Geschäftsmodell offenbar auch nicht: In New York wurden elf Personen angeklagt, die mehr als 1.000 Scheinehen vermittelt haben sollen. Das romantische Ziel bestand dabei weniger aus einem gemeinsamen Leben als aus einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung für die USA.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war das internationale Netzwerk mehr als zehn Jahre aktiv. Die überwiegend chinesischen Kunden zahlten angeblich bis zu 100.000 US-Dollar für das Komplettpaket aus Ehepartner, Papierkram und überzeugender Liebesgeschichte. Flitterwochen waren vermutlich nicht inbegriffen.
Hinter den arrangierten Beziehungen steckte offenbar eine gut organisierte Firma der etwas anderen Art. Vermittler fanden zahlungswillige Kunden, Anwerber suchten heiratsbereite US-Bürger und Assistenten kümmerten sich um die Anträge. Auch Anwälte, Steuerberater, Versicherungsanbieter und Trauungsberechtigte sollen mitgewirkt haben. Schließlich braucht selbst die unromantischste Hochzeit ein wenig Organisation.
Die amerikanischen Teilnehmer erhielten für ihr vorübergehendes Eheglück angeblich bis zu 30.000 Dollar. Vermittler kassierten Provisionen von bis zu 5.000 Dollar pro angeworbener Person. Ausgezahlt wurde häufig in Raten, passend zu den einzelnen Fortschritten im Einwanderungsverfahren. Romantik nach Zahlungsplan.
Damit die Beziehungen möglichst echt aussahen, sollen die Beteiligten gemeinsame Fotos inszeniert, Bankkonten eröffnet, Rechnungen geteilt und zusammen Steuererklärungen eingereicht haben. Manche echte Ehe dürfte angesichts dieses organisatorischen Einsatzes neidisch geworden sein.
Auch gemeinsame Versicherungen gehörten zum Programm. Wer behauptet, Liebe lasse sich nicht planen, hat offenbar noch nie ein internationales Scheinehe-Netzwerk geführt.
Vor Gesprächen mit den Einwanderungsbehörden sollen die vermeintlichen Paare genau einstudiert haben, wie sie ihre erfundene Beziehung überzeugend darstellen. Vermutlich standen dabei Klassiker auf dem Lehrplan: Wo haben wir uns kennengelernt? Wer schläft auf welcher Bettseite? Und warum kennt niemand den Geburtstag der Schwiegermutter?
Das Netzwerk soll zwischen 2016 und Juli 2025 Scheinehen in mehreren US-Bundesstaaten organisiert haben, darunter New York, Connecticut, Massachusetts, Pennsylvania, Kentucky, Tennessee, Georgia und Florida. Auch in China und im Inselstaat Vanuatu soll es Aktivitäten gegeben haben. Für diese Beziehungen galt offenbar: Fernbeziehung ja, echte Gefühle optional.
Die Staatsanwaltschaft wirft allen elf Beschuldigten Verschwörung zum Ehe- und Einwanderungsbetrug sowie die Förderung des unrechtmäßigen Aufenthalts in den USA vor. Dafür drohen Haftstrafen von bis zu fünf beziehungsweise zehn Jahren. Aus dem vermeintlichen Gang zum Traualtar könnte somit ein deutlich weniger festlicher Gang vor Gericht werden.
Nach Einschätzung des US-Justizministeriums nahm das Netzwerk mehrere zehn Millionen Dollar ein. Die Behörden sprechen von einem der größten jemals in den Vereinigten Staaten angeklagten Fälle von Heiratsbetrug.
Am Ende bewahrheitete sich für die Beteiligten möglicherweise eine leicht veränderte Hochzeitsformel: Sie dürfen nun schweigen oder vor Gericht aussagen.


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