Australiens nationales Unterstützungssystem für Menschen mit Behinderungen, das National Disability Insurance Scheme (NDIS), steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Die Regierung will die Kosten des Programms begrenzen, doch Betroffene und Interessenvertreter warnen vor erheblichen Folgen für Teilhabe und Selbstständigkeit.
Das NDIS wurde 2012 eingeführt und sollte Menschen mit dauerhaften und schweren Behinderungen mehr Unabhängigkeit ermöglichen. Statt pauschaler Leistungen erhalten Teilnehmer individuelle Budgets, die sie für Therapien, Assistenz oder soziale Unterstützung einsetzen können. Inzwischen nutzen mehr als 700.000 Menschen das Programm.
Die Kosten sind allerdings deutlich stärker gestiegen als ursprünglich erwartet. Zu Beginn war von rund 22 Milliarden australischen Dollar jährlich und etwa 475.000 Teilnehmern ausgegangen worden. Mittlerweile liegt das jährliche Budget bei rund 54 Milliarden Dollar.
Die Regierung plant deshalb strengere Kontrollen, effizientere Begutachtungsverfahren und eine Verlagerung bestimmter Leistungen in andere Programme. Besonders umstritten ist die mögliche Kürzung von Mitteln für soziale Teilhabe um bis zu 50 Prozent. Für Familien wie jene von Annabelle Shaw, einem Mädchen mit Down-Syndrom, könnte das bedeuten, dass Unterstützung für Sport und Freizeitaktivitäten wegfällt.
Zusätzlichen Druck erzeugen Fälle von Missbrauch und Betrug. Nach Angaben der zuständigen Integritätsbehörde wurden 2025 rund 3,7 Milliarden australische Dollar unangemessen ausgezahlt. Experten betonen jedoch, dass Einsparungen durch Betrugsbekämpfung allein nicht ausreichen würden, um das System langfristig zu stabilisieren.
Kritiker der Reformen warnen davor, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile des NDIS zu unterschätzen. Das Programm habe zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen und ermögliche vielen Menschen mit Behinderungen überhaupt erst die Teilnahme an Bildung, Arbeit und gesellschaftlichem Leben.
Die politische Herausforderung ist damit klar: Australien muss ein immer teureres System finanzierbar halten, ohne genau jene Unterstützung abzubauen, für die es geschaffen wurde.


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