Österreich verfügt über eine bemerkenswert technologieorientierte Startup-Szene. Doch der Standort kämpft mit einem strukturellen Problem: Gute Unternehmen entstehen, aber beim Wachstum fehlt häufig das private Kapital. Gleichzeitig belasten Bürokratie, hohe Abgaben und ein schwieriges Finanzierungsumfeld viele Gründer.
Der jüngste Austrian Startup Monitor zeichnet ein ambivalentes Bild. Österreichs Startups sind technologisch stark, international orientiert und wirtschaftlich widerstandsfähiger, als es die schwierige Konjunkturlage vermuten ließe. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen für junge Wachstumsunternehmen nicht im selben Tempo entwickeln wie deren Ambitionen.
Seit 2014 wurden in Österreich mehr als 3.600 Startups gegründet. Die Dynamik hat sich nach dem Gründungsboom 2021 allerdings abgeschwächt. Der Sektor beschäftigt inzwischen rund 35.000 Menschen, durchschnittlich arbeiten etwa elf Personen in einem Startup. 73 Prozent der Unternehmen planen weitere Einstellungen.
Österreich kann Technologie
Eine der großen Stärken des Standorts liegt in der technologischen Qualität. 71 Prozent der österreichischen Startups beschäftigen sich mit Schlüsseltechnologien – darunter künstliche Intelligenz, Robotik, Life Sciences, Biotechnologie sowie Energie- und Umwelttechnologien. Akademische Spin-offs spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Gerade hier profitiert Österreich von starken Universitäten, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Förderinstrumenten.
Die FFG unterstützt Startups jährlich mit erheblichen Mitteln. 2025 investierte sie nach eigenen Angaben 92,6 Millionen Euro in Startups und Scale-ups und mobilisierte damit insgesamt 145,2 Millionen Euro für entsprechende Innovationsprojekte. Zusätzlich stehen Programme wie das Basisprogramm, Kleinprojektförderungen und aws Preseed beziehungsweise Seedfinancing zur Verfügung.
Für DeepTech-Unternehmen ist diese öffentliche Finanzierung besonders bedeutend: 78 Prozent nutzen öffentliche Förderungen.
Das ist Stärke und Warnsignal zugleich.
Denn ein Startup-Ökosystem kann langfristig nicht hauptsächlich vom Staat finanziert werden.
Die eigentliche Schwachstelle heißt Wachstumskapital
65 Prozent der österreichischen Startups finanzieren sich zumindest teilweise durch Bootstrapping. 55 Prozent nutzen öffentliche Förderungen. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen mit Risikokapital zwar auf 54 Prozent gestiegen, dennoch bleibt die Finanzierung eine der zentralen Herausforderungen. Fast die Hälfte der Startups plant innerhalb eines Jahres eine neue Eigenkapitalrunde.
Genau hier zeigt sich Österreichs strukturelles Problem.
Für eine Seed-Runde über zwei oder drei Millionen Euro lassen sich noch Investoren finden. Sobald jedoch 20, 50 oder 100 Millionen Euro für internationales Wachstum benötigt werden, wird der heimische Kapitalmarkt schnell zu klein.
Österreich braucht deshalb nicht nur mehr Business Angels oder kleinere Venture-Fonds. Der entscheidende Engpass liegt bei großen Wachstumsfinanzierungen.
Die aws versucht mit ihrer Venture Capital Initiative privates Kapital zu mobilisieren und investiert dafür selbst in VC-Fonds. Pro Fonds sind Engagements zwischen drei und zehn Millionen Euro vorgesehen; die Fonds müssen wiederum erheblich in österreichische Technologieunternehmen investieren.
Das hilft. Es löst die europäische Scale-up-Lücke aber noch nicht.
Internationalisierung ist keine Option, sondern Überlebensstrategie
Der österreichische Heimatmarkt ist für viele technologieorientierte Startups schlicht zu klein.
Deshalb überrascht es nicht, dass 82 Prozent international expandieren wollen. 74 Prozent sehen die EU als wichtigste Zielregion, 18 Prozent vor allem Nordamerika. Bereits 42 Prozent der Umsätze österreichischer Startups werden im Ausland erzielt – ein Rekordwert.
Diese Internationalisierung ist eine Stärke des Ökosystems.
Sie birgt aber auch ein Risiko: Wenn Investoren, Kunden und Wachstumskapital zunehmend aus dem Ausland kommen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass erfolgreiche österreichische Unternehmen später ihren Schwerpunkt ebenfalls ins Ausland verlagern.
Das eigentliche politische Ziel sollte daher nicht nur lauten, Startups in Österreich zu gründen.
Es muss darum gehen, sie auch hier wachsen lassen zu können.
Die Unternehmen werden wirtschaftlich erwachsener
Positiv ist, dass die Startup-Szene nicht mehr ausschließlich von Wachstum um jeden Preis geprägt ist.
Mehr als drei Viertel der Unternehmen erzielen bereits Umsätze. 46 Prozent arbeiteten 2025 zumindest kostendeckend. Weitere 40 Prozent wollen innerhalb von zwei Jahren den Breakeven erreichen.
Damit verändert sich auch die Mentalität.
Investoren verlangen heute stärker nach belastbaren Geschäftsmodellen, Umsätzen und klaren Wegen zur Profitabilität. Für Unternehmen mit guter Technologie kann das langfristig sogar hilfreich sein.
Die Zeiten extrem hoher Bewertungen auf Basis einer PowerPoint-Präsentation sind vorbei.
Bürokratie und Kosten bleiben Standortnachteile
Die Gründer selbst nennen neben Finanzierung vor allem Vertrieb, Cash-flow und Umsatzwachstum als operative Herausforderungen.
Von der Politik wünschen sie sich insbesondere niedrigere Steuern und Abgaben, geringere Lohnnebenkosten, bessere Anreize für privates Risikokapital sowie weniger Bürokratie und einfachere Förderinstrumente.
Gerade für schnell wachsende Unternehmen können hohe Personalkosten zum Problem werden. Ein Startup, das innerhalb kurzer Zeit 50 Softwareentwickler einstellen möchte, vergleicht seine Kosten nicht nur mit Graz oder Linz, sondern mit Berlin, London, Tallinn oder zunehmend auch Dubai.
Standortpolitik ist deshalb heute internationaler Wettbewerb.
Auch bei Gründerinnen gibt es Nachholbedarf
Ein weniger erfreulicher Trend betrifft die Geschlechterverteilung.
Der Anteil österreichischer Startups mit mindestens einer Frau im Gründungsteam fiel von 37 auf 32 Prozent.
Damit verliert das Ökosystem sogar etwas an Diversität.
Gerade bei Finanzierung, Netzwerken und Zugang zu Investoren besteht hier weiterhin Handlungsbedarf.
Österreich hat gute Voraussetzungen – aber keine Zeit zu verlieren
Die Ausgangslage ist besser, als manche Standortdebatten vermuten lassen.
Österreich besitzt exzellente Forschung, funktionierende Förderinstitutionen, hochqualifizierte Gründer und eine starke Position bei DeepTech, Life Sciences, Energie und zunehmend künstlicher Intelligenz.
Das Problem liegt weniger am Anfang der Startup-Reise.
Es entsteht später.
Wenn aus einem Forschungsprojekt ein Unternehmen wird, funktioniert das österreichische System vergleichsweise gut. Wenn aus einem Startup ein internationales Scale-up werden soll, beginnt dagegen häufig die Suche nach Kapital außerhalb des Landes.
Genau daran entscheidet sich die Zukunft des Standorts.
Österreich muss vom Förderstandort zum echten Wachstumsstandort werden.
Dazu braucht es größere private Venture-Capital-Fonds, bessere steuerliche Rahmenbedingungen für Investoren und Mitarbeiterbeteiligungen, weniger Bürokratie und einen europäischen Kapitalmarkt, der auch Finanzierungsrunden jenseits von 100 Millionen Euro stemmen kann.
Die österreichischen Gründer zeigen bereits, dass sie international denken.
Jetzt müssen die Rahmenbedingungen international mithalten.


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