Früher hatte Wien ein Luxusproblem: Zu viele Fiaker, zu viele Touristen und zu wenig Parkplätze. Heute lautet die existenzielle Frage: Reicht das Wasser bis zum nächsten Montag?
Die gute Nachricht: Noch ja. Die schlechte: Sicherheitshalber baut Wien gleich das halbe Wassersystem neu.
Denn die Bundeshauptstadt hat Durst. Normalerweise fließen täglich rund 400 Millionen Liter Trinkwasser durch das Netz. Während der aktuellen Hitzewelle waren es bereits bis zu 600 Millionen Liter. Offenbar duschen inzwischen nicht nur Menschen mehrmals täglich – auch Balkonpflanzen verlangen inzwischen einen eigenen Trinkwasseranschluss.
Die Stadt reagiert entschlossen. Es entstehen eine fünfte Hauptwasserleitung, ein neues Wasserwerk auf der Donauinsel und in Niederösterreich wächst der künftig größte geschlossene Trinkwasserspeicher der Welt heran. Man könnte fast meinen, Wien bereite sich auf die Ankunft eines besonders durstigen Godzilla vor. Tatsächlich bereitet man sich lediglich auf den Sommer 2035 vor.
Dabei ist das Wiener Wassersystem eigentlich ein technisches Wunderwerk. Seit über 150 Jahren fließt bestes Quellwasser aus den Alpen ganz ohne Pumpen in die Hauptstadt – allein durch die Schwerkraft. Während moderne Technik ständig Apps, Updates und Passwortänderungen benötigt, arbeitet ein Leitungssystem aus dem 19. Jahrhundert einfach weiter. Es ist vermutlich zuverlässiger als so manches WLAN.
Doch selbst Genieure des Kaiserreichs hatten offenbar nicht einkalkuliert, dass irgendwann jeder zweite Haushalt gleichzeitig den Pool auffüllt, die Terrasse abspritzt und den Hund unter der Gartendusche klimatisiert.
Deshalb investiert Wien jetzt kräftig. Das neue Wasserwerk auf der Donauinsel soll ab 2030 zusätzlich 1.000 Liter Trinkwasser pro Sekunde liefern. Der neue Mega-Speicher in Neusiedl am Steinfeld fasst künftig eine Milliarde Liter Wasser – genug, um eine beeindruckende Zahl an Espressomaschinen, Sprühneblern und Kinderplanschbecken gleichzeitig zu versorgen.
Natürlich ist der Klimawandel der eigentliche Grund für den steigenden Wasserbedarf. Das klingt allerdings weniger spektakulär als die Vorstellung, dass ganz Wien gleichzeitig beschlossen hat, täglich drei Mal kalt zu duschen.
Fest steht: Die Stadt rüstet auf. Nicht mit Panzern, sondern mit Rohren. Nicht mit Raketen, sondern mit Reservoirs.
Und wenn das so weitergeht, wird der wahre Held des Sommers nicht der Bademeister sein.
Sondern der Installateur.


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