Das wäre etwas für RB Leipzig gewesen

Das wäre etwas für RB Leipzig gewesen

Veröffentlicht

Donnerstag, 06.08.2026
von Red. TB

Nick Woltemade bekommt in Newcastle einen neuen Trainer. Der Premier-League-Klub hat Matthias Jaissle verpflichtet und dafür angeblich elf Millionen Euro Ablöse an Al-Ahli überwiesen.

Elf Millionen für einen Trainer – das klingt erst einmal nach sehr viel Geld. Andererseits gibt man im Fußball inzwischen auch zweistellige Millionenbeträge für Spieler aus, die nach drei Monaten verliehen werden, weil man plötzlich feststellt, dass sie gar nicht ins System passen. Da wirkt ein erfolgreicher Trainer fast schon wie eine vernünftige Investition.

Jaissle unterschreibt in Newcastle einen Vertrag bis 2030 und folgt auf Eddie Howe. Der 38-Jährige gilt als einer der interessantesten deutschen Trainer seiner Generation. Mit RB Salzburg wurde er zweimal österreichischer Meister, anschließend gewann er mit Al-Ahli zweimal die asiatische Champions League.

Man könnte also sagen: Der Mann weiß, wie Titel funktionieren.

Und genau an dieser Stelle darf man als RB-Leipzig-Fan schon einmal vorsichtig die Frage stellen: Warum eigentlich Newcastle?

Jaissle kennt den Red-Bull-Fußball, steht für Intensität, Entwicklung, Zusammenhalt und tägliche Verbesserung. Im Grunde klingt seine Trainerbeschreibung so, als hätte jemand das alte RB-Handbuch aufgeschlagen und daraus vorgelesen.

Er wäre damit eigentlich die naheliegendste Lösung für Leipzig gewesen. Jung, deutschsprachig, erfolgreich, international erfahren und mit einer Vergangenheit im Red-Bull-Kosmos. Viel passender kann ein Trainerprofil kaum sein.

Aber offenbar dachte man in Leipzig: Zu einfach. Lieber noch ein bisschen beobachten, analysieren und warten, bis ein Premier-League-Klub elf Millionen überweist.

Newcastle-Chef David Hopkinson lobte Jaissles Erfolgsbilanz, Führungsqualitäten und seinen unermüdlichen Verbesserungswillen. Genau solche Sätze hört man normalerweise auch gern in Leipzig. Nur diesmal eben bei der Vorstellung eines Trainers, den ein anderer Verein verpflichtet hat.

Jaissle selbst erklärte, bei einem Angebot von Newcastle müsse man aufhorchen. Die Ambitionen, die Zukunftsvision und die Möglichkeiten des Klubs hätten ihn überzeugt.

Als RB-Fan horcht man bei solchen Worten ebenfalls auf. Vor allem, weil „Ambitionen“, „Vision“ und „Potenzial“ eigentlich seit Jahren zum Leipziger Grundwortschatz gehören. Offenbar war Newcastle diesmal schneller mit dem Bewerbungsgespräch.

Für Nick Woltemade könnte der Trainerwechsel zur großen Chance werden. Der deutsche Nationalstürmer war vor einem Jahr für rund 75 Millionen Euro vom VfB Stuttgart nach England gewechselt. Mit elf Toren in 51 Pflichtspielen verlief seine erste Saison allerdings eher unter dem Motto: teuer eingekauft, noch nicht vollständig ausgepackt.

Nun soll Jaissle helfen, aus Woltemade endlich den Angreifer zu machen, den Newcastle für diese Rekordsumme erwartet hatte. Seine Mannschaften sollen hart arbeiten, intensiv spielen und jeden Tag besser werden. Woltemade dürfte also schnell merken, dass die gemütliche Eingewöhnungsphase beendet ist.

Für Leipzig bleibt dagegen nur die Erkenntnis, dass ein hochinteressanter Trainer mit passender sportlicher Vergangenheit nun in England arbeitet.

Natürlich sind elf Millionen Euro für einen Coach kein Schnäppchen. Aber wenn man überzeugt ist, dass ein Trainer eine Mannschaft langfristig entwickelt, kann eine solche Summe gut angelegt sein. Zumal RB Leipzig nach einem großen Spielerverkauf vermutlich nicht gerade im Pfandflaschenregal nach Transfergeld suchen müsste.

Newcastle hat jedenfalls gehandelt. Jaissle bekommt einen Vierjahresvertrag, Woltemade einen neuen Anlauf und die Premier League einen weiteren deutschen Trainer.

Und RB Leipzig? Kann sich künftig anschauen, wie ein ehemaliger Salzburg-Coach in England genau den Fußball spielen lässt, den man eigentlich selbst gern sehen würde.

Man hätte ihn holen sollen. Aber vielleicht war er einfach zu naheliegend.

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von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 06.08.2026

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