Nach der Ankunft Zehntausender Migranten aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein gemeinsames europäisches Vorgehen beim Grenzschutz gefordert. Spanien geht davon aus, dass inzwischen etwa 69.500 Menschen nach Marokko zurückgekehrt sind. Auf spanischer Seite wurden 72 Todesfälle gemeldet, auf marokkanischer Seite elf.
Die EU-Innenminister wollen am Dienstag in einer Videokonferenz über die Lage beraten. Die Ereignisse haben zu Spannungen zwischen mehreren Mitgliedstaaten geführt. Italien setzte vorübergehend die Schengen-Regelungen gegenüber Spanien aus. Finnland und Dänemark unterstützten diesen Schritt. Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš forderte sogar eine zeitweise Aussetzung der spanischen Schengen-Mitgliedschaft.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez kritisierte diese Reaktionen. Ceuta gehöre nicht zum Schengen-Raum, betonte er. Einige Regierungen handelten seiner Ansicht nach aus Vorurteilen, Unwissenheit oder politischen Interessen.
Von der Leyen lobte zwar das schnelle Krisenmanagement Spaniens, erklärte jedoch, die EU müsse ihre Außengrenzen an besonders gefährdeten Stellen stärker schützen. Dazu könnten auch physische Barrieren gehören. Der Schutz der europäischen Außengrenzen sei eine gemeinsame Verantwortung aller Mitgliedstaaten.
Die Kommissionspräsidentin nannte fünf Schwerpunkte: bessere Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitstaaten, stärkere Außengrenzen, frühzeitige Warnsysteme, ein entschiedeneres Vorgehen gegen Schleusernetzwerke und wirksamere Rückführungen.
Sánchez warf Menschenschmugglern vor, eine jüngste Gerichtsentscheidung auszunutzen, die sofortige Abschiebungen von auf dem Seeweg eingereisten Personen erschwert. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums hat sich die Lage inzwischen weitgehend beruhigt. Spanien arbeitet außerdem an einer schwimmenden Barriere, um unerlaubte Grenzübertritte über das Meer künftig zu erschweren.


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