Scheidung mit Preisschild: 644 Millionen Dollar für den Abschied
Manche Ehen enden mit einem letzten Gespräch, einem Karton voller Erinnerungen und der Frage, wer den Toaster bekommt. Andere enden mit 944 Milliarden Won. In Südkorea hat ein Gericht den Chef eines mächtigen Industriekonzerns dazu verpflichtet, seiner Ex-Frau umgerechnet rund 644 Millionen US-Dollar zu zahlen.
Die heimischen Medien nennen das wenig bescheiden die „Scheidung des Jahrhunderts“. Bei dieser Summe wäre „etwas unangenehme Trennung“ vermutlich auch zu klein formuliert.
Ganz so teuer wie zunächst befürchtet wird es für den Unternehmer allerdings nicht. In einem früheren Urteil war noch von 1,38 Billionen Won die Rede. Nun fällt der Betrag deutlich niedriger aus. Für die meisten Menschen bleibt der Unterschied trotzdem ungefähr so greifbar wie der zwischen einem Mond und zwei Monden.
Das Paar war 35 Jahre verheiratet. Die Beziehung zerbrach, nachdem bekannt wurde, dass der Konzernchef mit einer anderen Frau ein Kind hatte. Seitdem wurde nicht nur emotional, sondern auch juristisch gründlich aufgeräumt.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie groß der Anteil der Ex-Frau am gewachsenen Vermögen des Unternehmers ist. Ihre Anwälte argumentierten, dass ihr Vater, ein früherer Staatspräsident, den Aufstieg des Konzerns erheblich unterstützt habe.
Ein Gericht hatte zunächst angenommen, dass dabei auch 30 Milliarden Won aus einer schwarzen Kasse geflossen seien. Diese Summe floss in die Berechnung ein und machte die Scheidung noch kostspieliger.
Der Oberste Gerichtshof legte später jedoch die Stirn in Falten und entschied: Geld aus illegalen Quellen darf bei der Vermögensaufteilung nicht einfach wie ein hübsches gemeinsames Sparbuch behandelt werden. Also musste neu gerechnet werden.
Der Fall sorgt auch deshalb für so viel Aufmerksamkeit, weil der Konzern zu den größten Wirtschaftsimperien Südkoreas gehört. Er verdient Geld mit Mobilfunk, Tankstellen und Halbleitern. Besonders die Chip-Sparte profitiert vom weltweiten Boom der künstlichen Intelligenz und hat den Unternehmenswert kräftig steigen lassen.
Je größer der Konzern wurde, desto größer wurde offenbar auch die Rechnung für das Ende der Ehe.
Der Unternehmer ließ über seine Anwälte mitteilen, er bedaure die öffentliche Unruhe und werde das Urteil genau prüfen. Die Entscheidung ist noch nicht endgültig.
Bis dahin bleibt die Bilanz dieser Trennung bemerkenswert: 35 Jahre Ehe, ein zerbrochenes Vertrauen, ein jahrelanger Rechtsstreit und eine Abfindung, bei der selbst sehr wohlhabende Menschen kurz auf den Taschenrechner schauen dürften.


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