„Endlich frei“: Warum sich immer mehr Frauen in Asien spät scheiden lassen

„Endlich frei“: Warum sich immer mehr Frauen in Asien spät scheiden lassen

Veröffentlicht

Montag, 27.07.2026
von Red. TB

Immer mehr Frauen in asiatischen Ländern beenden ihre Ehe erst mit 50, 60 oder noch später. Diese sogenannten „grauen Scheidungen“ nehmen unter anderem in Japan, Südkorea, Taiwan, Hongkong und China zu. Häufig sind es Frauen, die nach jahrzehntelanger Ehe einen Neuanfang wagen.

Eine von ihnen ist die Japanerin Eiko Toyama. 32 Jahre lang erledigte sie nach eigener Aussage den Großteil der Hausarbeit und Kindererziehung, trug finanziell zum Familienleben bei und fühlte sich von ihrem kontrollierenden Ehemann eingeengt. Sie blieb vor allem wegen ihrer beiden Söhne. Erst mit 60, als die Kinder erwachsen waren und ihr Mann noch nicht auf Pflege angewiesen war, sah sie ihre Chance.

Nach der Scheidung habe sie vor allem eines empfunden: Glück. Heute betreibt sie Livestreams, berät andere Menschen und arbeitet an neuen Geschäftsideen. „Vor allem gibt es Freiheit“, beschreibt sie ihr neues Leben.

Der Trend hat mehrere Ursachen. Frauen der heute älteren Generationen wuchsen oft in Gesellschaften auf, in denen eine Scheidung als Schande oder persönliches Scheitern galt. Viele waren finanziell von ihren Ehemännern abhängig und hatten aufgrund traditioneller Rollenverteilungen kaum Möglichkeiten, ein eigenständiges Leben aufzubauen.

Das änderte sich schrittweise, als mehr Frauen höhere Bildungsabschlüsse erwarben und berufstätig wurden. Auch gesetzliche Reformen verbesserten ihre Lage. In Südkorea können seit 2014 beispielsweise künftige Rentenansprüche und Abfindungen bei einer Scheidung in die Vermögensaufteilung einbezogen werden. Japan führte bereits 2007 eine vergleichbare Regelung ein. Dadurch erhalten Frauen, die über Jahrzehnte unbezahlte Familienarbeit leisteten, zumindest einen gewissen finanziellen Schutz.

In Südkorea überstieg die Zahl der Scheidungen nach mindestens 30 Ehejahren zuletzt erstmals die Zahl der Trennungen bei Paaren, die weniger als fünf Jahre verheiratet waren. Auch in Taiwan und Hongkong steigt die Zahl später Scheidungen. In China hat sie sich innerhalb von drei Jahrzehnten verdoppelt.

Eine entscheidende Rolle spielt zudem die höhere Lebenserwartung. Wer mit 60 erkennt, möglicherweise noch 20 oder 30 Jahre vor sich zu haben, ist weniger bereit, diese Zeit in einer unglücklichen Beziehung zu verbringen. Scheidung wird deshalb zunehmend nicht als Ende, sondern als Beginn eines neuen Lebensabschnitts verstanden.

Das erlebte auch die 50-jährige Iman Lau aus Hongkong. Nach jahrelanger Untreue ihres Mannes zerbrach ihre 14-jährige Ehe. Anfangs empfand sie die Trennung wie den Verlust eines Körperteils. Dann erkannte sie, wie sehr sie während der Ehe ihre eigenen Interessen und Freundschaften aufgegeben hatte.

Heute reist sie, wandert, schwimmt, fährt Kajak und lernt Klavier. Fotos ihrer Reisen hängen als „glückliche Wand“ in ihrer Wohnung. Sie habe nicht gewusst, wie außergewöhnlich ein selbstbestimmtes Leben sein könne.

Die gesellschaftlichen Reaktionen verändern sich ebenfalls. Ältere Bekannte reagieren häufig noch mit Mitleid oder betretenem Schweigen. Jüngere Menschen gratulieren dagegen zum Neuanfang. Für viele Frauen ist die späte Scheidung deshalb nicht länger ein Makel, sondern die Entscheidung, sich selbst noch einmal eine Chance zu geben.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

Conmongt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 27.07.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv