Eine Woche vor dem Start der österreichischen Bundesliga herrscht eine Mischung aus Aufbruch, Erwartungsdruck und der üblichen sommerlichen Ungewissheit. Der LASK geht als überraschender Doublegewinner in die Saison 2026/27, Sturm Graz zeigt bereits international seine Stärke und Red Bull Salzburg will nach drei titellosen Jahren wieder die alte Ordnung herstellen.
Die neue Spielzeit beginnt am 31. Juli mit der Begegnung zwischen dem LASK und dem Grazer AK. Eine wichtige Regeländerung erhöht von Beginn an den Druck: Die Punkte werden nach dem Grunddurchgang nicht mehr halbiert. Meister- und Qualifikationsgruppe bleiben bestehen, doch jeder im Herbst verlorene Zähler bleibt bis zum Saisonende verloren.
LASK muss den Überraschungserfolg bestätigen
Der LASK feierte in der vergangenen Saison erstmals seit 1965 wieder die österreichische Meisterschaft und gewann zusätzlich den ÖFB-Cup. Trainer Dietmar Kühbauer übernahm die Mannschaft im Oktober auf dem vorletzten Tabellenplatz und führte sie noch zum Double. Nun beginnt die schwierigere Aufgabe: Aus dem Überraschungsmeister soll ein dauerhafter Titelkandidat werden.
Im Angriff fehlt allerdings Sasa Kalajdzic, dessen Leihe beendet ist. Kühbauer räumte ein, dass der Nationalstürmer im Frühjahr der entscheidende Spieler gewesen sei und sich die Spielweise ohne ihn verändern müsse. Mit Robert Ljubičić wurde das Mittelfeld verstärkt. Der Meister hält sich mit konkreten Saisonzielen dennoch zurück – zumindest so lange, bis das Transferfenster geschlossen und der endgültige Kader bekannt ist.
Sturm ist bereits auf Betriebstemperatur
Vizemeister Sturm Graz hat als erster Titelrivale ein deutliches Zeichen gesetzt. Die Mannschaft von Fabio Ingolitsch gewann das Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Heart of Midlothian mit 4:0. Das Rückspiel in Edinburgh erscheint damit beinahe als Formsache, auch wenn Ingolitsch vor zu großer Sicherheit warnte.
Sturm will seine aggressive und zugleich stabile Spielweise beibehalten. Nach einer turbulenten vergangenen Saison, in der Ingolitsch während der laufenden Spielzeit übernahm, wirkt der Klub nun gefestigter. Der 3:0-Erfolg beim SV Seekirchen in der ersten Cuprunde fiel zwar erst spät deutlich aus, doch der Pflichtspielstart ist geglückt.
Salzburg investiert in Erfahrung
Red Bull Salzburg steht unter besonderem Druck. Drei Jahre ohne Meistertitel sind für den früheren Serienchampion eine kleine sportliche Zeitenwende. Der neue Trainer Danny Röhl erhielt einen Vertrag bis 2029 und soll den Klub zurück an die Spitze führen. Der 37-Jährige bringt Erfahrungen aus Deutschland, England und Schottland mit.
Der Kader wurde gezielt verstärkt. Abubakr Barry kam aus dem Mittelfeld der Wiener Austria, Haris Tabaković soll mit seiner Erfahrung und körperlichen Präsenz für Tore sorgen. Hinzu kamen unter anderem Nikolas Veratschnig und Dominik Schmid. Gleichzeitig ist der Kader noch groß und dürfte bis zum Ende der Transferperiode weiter verkleinert werden. Trotz schwacher Testspielergebnisse bleibt Salzburg wegen seiner individuellen Qualität der naheliegende Titelfavorit.
Austria und Rapid starten erfolgreich in Europa
Austria Wien musste den Abgang von Barry verkraften, begann die Pflichtspielsaison aber mit einem 2:0 beim lettischen FK Liepāja. Florian Wustinger und Moritz Wels erzielten die Tore und verschafften den Wienern eine gute Ausgangslage für das Rückspiel in der Conference-League-Qualifikation. Trainer Stephan Helm will vor allem den schwachen Ligastart der vergangenen Saison vermeiden, als die Austria aus den ersten vier Runden nur einen Punkt holte.
Auch Rapid Wien steht vor dem europäischen Weiterkommen. Die Hütteldorfer gewannen beim FC Santa Coloma in Andorra mit 3:1. Unter Trainer Johannes Hoff Thorup setzt Rapid auf Kontinuität statt auf einen vollständigen Neuaufbau. Der Kader blieb weitgehend zusammen, tägliche Besprechungen und intensive taktische Vorbereitung sollen die Leistungen stabilisieren.
Hartberg träumt wieder von den besten Sechs
Beim TSV Hartberg ist Markus Schopp zum dritten Mal als Trainer tätig. Sein Ziel ist klar: Der Klub soll erneut die Meistergruppe erreichen. Schopp übernimmt eine Mannschaft, die in der vergangenen Saison bereits den sechsten Platz belegte, und will bewährte Abläufe nicht unnötig verändern.
Für Aufmerksamkeit sorgt die familiäre Konstellation: Mit Konstantin Schopp gehört auch der Sohn des Trainers zum Profikader. Der Vater betont allerdings, ihn wie jeden anderen Spieler entwickeln und fordern zu wollen.
Ried und WAC setzen auf neue Ansätze
Die SV Ried startet mit Mario Despotović als neuem Trainer. Die Innviertler wollen ihre bisherigen Stärken erhalten, zugleich aber spielerischer auftreten, mehr Ballbesitzphasen schaffen und früher pressen. Mit dem erfahrenen Stefan Schwab kam ein ehemaliger Rapid-Kapitän, der der jungen Mannschaft Stabilität geben soll. Der 5:1-Cuperfolg in Dornbirn war ein überzeugender erster Pflichtspielauftritt.
Beim Wolfsberger AC wurde der Kader umfassend umgebaut. Trainer Thomas Silberberger will nach einer Saison voller Abstiegssorgen wieder mehr Fußball spielen lassen. Der Klub verzichtet derzeit vollständig auf Leihspieler und setzt stattdessen auf eine fest zusammengestellte Mannschaft. Im Cup gewann der WAC mit 5:1 in Lauterach.
Altach, GAK und WSG wollen das Zittern vermeiden
Der SCR Altach geht mit Rückenwind in die Saison. Die Vorarlberger erreichten zuletzt das Cupfinale und verloren gegen den LASK erst nach Verlängerung. In der Liga blieb jedoch nur der neunte Platz. Trainer Ognjen Zarić und Kapitän Lukas Jäger nennen deshalb zunächst den Klassenerhalt als Ziel. Der knappe 1:0-Cupsieg in Leobendorf zeigte, dass auch in diesem Jahr Geduld gefragt sein dürfte.
Der Grazer AK möchte vor allem den Saisonstart nicht erneut verschlafen. In den vergangenen beiden Spielzeiten wartete der Verein jeweils bis mindestens zur zwölften Runde auf den ersten Sieg. Trainer Ferdinand Feldhofer muss gleichzeitig einen weiteren personellen Umbruch bewältigen. Mit Ramiz Harakate verlor der GAK seinen wichtigsten Offensivspieler an den LASK. Hoffnung macht die Heimstärke: Im gesamten Kalenderjahr 2026 blieb die Mannschaft vor eigenem Publikum ungeschlagen. Die WSG Tirol will sich sportlich weiterentwickeln und gleichzeitig ihre Rückkehr nach Wattens vorbereiten. Am Stadion wird bereits gebaut. Trainer Philipp Semlic bleibt trotz des Abstiegskampfs der vergangenen Saison bei seinem langfristigen Kurs. Der 6:0-Sieg beim SC Wieselburg im Cup verlief zumindest deutlich entspannter als viele Ligaspiele des Vorjahres.
Austria Lustenau ist zurück
Nach zwei Jahren in der zweiten Liga kehrt Austria Lustenau ins Oberhaus zurück. Gute Testspielergebnisse gegen Schweizer Gegner haben das Selbstvertrauen gestärkt. Trainer Markus Mader warnt jedoch vor übertriebener Euphorie. Ohne Punkteteilung müsse der Aufsteiger vom ersten Spieltag an Ergebnisse liefern.
Das vorrangige Ziel lautet Klassenerhalt. Lustenau erinnert sich allerdings gern an die Saison 2022/23, als der Klub als Aufsteiger überraschend das Europacup-Play-off erreichte.


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