Donald Trump hat den Zoll-Hammer wieder aus dem Schrank geholt. Und weil man mit einem Hammer bekanntlich nicht nur einen Nagel trifft, könnte es diesmal gleich die halbe Welt erwischen.
Geplant sind offenbar neue Einfuhrabgaben zwischen zehn und 12,5 Prozent. Auf der möglichen Gästeliste stehen unter anderem China, Japan, Indien, Mexiko, Südkorea, Vietnam und die Europäische Union.
Kurz gesagt: Wer etwas in die USA verkauft, sollte vorsichtshalber schon einmal die Preise erhöhen.
Der alte Zoll läuft ab
Derzeit gilt noch eine vorübergehende Abgabe von zehn Prozent auf fast alle Importe. Diese läuft jedoch am Freitag aus.
Trump hatte sie eingeführt, nachdem der Oberste Gerichtshof Teile seines ursprünglichen Zollsystems für rechtswidrig erklärt hatte.
Das Weiße Haus steht deshalb vor einem ernsten Problem: Wie führt man neue Zölle ein, wenn die alten nicht erlaubt waren?
Die Lösung ist erstaunlich einfach: Man sucht neue Gründe.
Als mögliche Begründungen werden nun Zwangsarbeit und zu große Produktionsmengen im Ausland genannt. Das wirkt ein wenig so, als würde man zuerst den Strafzettel ausstellen und danach überlegen, wo das Auto eigentlich falsch geparkt hat.
Kanada bekommt die Luxusbehandlung
Besonders hart könnte es Kanada treffen. Trump drohte dem Nachbarland mit Zöllen von bis zu 50 Prozent auf Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar.
Betroffen sein könnten Käse, Wein und sogar Eishockeyschläger.
Spätestens beim Eishockey hört für Kanada der Spaß auf. Zölle auf Autos sind Handelspolitik. Zölle auf Eishockeyschläger sind eine Kriegserklärung.
Handelsgesetze aus dem Museum
Für die neuen Abgaben beruft sich die US-Regierung teilweise auf ein Gesetz aus dem Jahr 1930.
Das stammt aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise und eignet sich daher vermutlich hervorragend, um eine neue zu verhindern.
Oder auszulösen.
Neue Klagen gelten bereits als wahrscheinlich. Unternehmen dürfen also erneut gespannt beobachten, ob die Zölle länger halten als die nächsten Gerichtstermine.
Planung wird zum Glücksspiel
Für Firmen und Investoren wird die Lage zunehmend schwierig. Niemand weiß, welche Zölle morgen gelten, wie hoch sie ausfallen oder welches Land als Nächstes an der Reihe ist.
Ein langfristiger Geschäftsplan ist deshalb kaum noch nötig. Ein Würfel und ein Zugang zu Trumps neuesten Mitteilungen dürften vollkommen ausreichen.
Teurere Waren gegen hohe Preise
Besonders praktisch: Die neuen Zölle könnten Produkte in den USA verteuern.
Gleichzeitig klagen bereits 66 Prozent der Amerikaner darüber, dass die Lebenshaltungskosten zu hoch sind.
Trumps Antwort lautet offenbar: Dann machen wir die Importe ebenfalls teurer.
Das ist ungefähr so, als würde man sich über eine hohe Stromrechnung beschweren und anschließend in jedem Zimmer noch einen Heizlüfter einschalten.
Perfektes Timing vor der Wahl
Für die Republikaner kommt die Zoll-Offensive wenige Monate vor den Kongresswahlen zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt – zumindest für die Opposition.
Die Partei muss den Wählern nun erklären, warum höhere Preise am Ende gut für ihre Geldbeutel sein sollen.
Doch Trump bleibt optimistisch. Schließlich hat er noch nie einen Zoll gesehen, den er nicht erhöhen wollte.
Die Welt darf sich deshalb auf die nächste Runde freuen: America First – Aufpreis für den Rest.


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