Eigentlich wollten die Fans zur Fußball-Weltmeisterschaft in die USA reisen, um Tore, Stadionatmosphäre und Hotdogs zu erleben. Stattdessen sorgt ausgerechnet eine cremige Salatsoße für den größten Hype: Ranch-Dressing. Ja, genau – die weiße Kräutersoße, die Amerikaner offenbar auf alles kippen, was nicht schnell genug weglaufen kann.
In den sozialen Netzwerken überschlagen sich seit Wochen die Liebeserklärungen. Einige Besucher packen gleich mehrere Flaschen ins Reisegepäck, andere überlegen angeblich, dafür einen zusätzlichen Koffer zu kaufen. Die US-Flughafensicherheit musste sogar scherzhaft darauf hinweisen, dass literweise Ranch besser ins Aufgabegepäck gehört als in den Rucksack.
Die amerikanische Lebensmittelindustrie dürfte sich dabei die Hände reiben. Heinz, Hidden Valley und andere Hersteller sprangen sofort auf den Zug auf, kündigten Sonderaktionen an und ließen keinen Zweifel daran, dass die Welt offenbar nur auf eines gewartet hat: Ranch.
Dabei gibt es die Soße schon seit den 1950er-Jahren. Erfunden wurde sie von Steve Henson, doch erst in den USA entwickelte sich daraus eine regelrechte Lebenseinstellung. Dort landet Ranch nicht nur auf Salaten, sondern auf Pizza, Chicken Wings, Pommes, Burgern, Gemüse, Sandwiches und vermutlich auch auf Dingen, die eigentlich gar nicht essbar sind.
Wer amerikanische Supermärkte besucht, entdeckt schnell: Es gibt Ranch-Chips, Ranch-Popcorn, Ranch-Cracker, Ranch-Brezeln und sogar Gewürzmischungen mit Ranch-Geschmack. Fehlt eigentlich nur noch Ranch-Zahnpasta – wobei man sich da vermutlich nicht zu sicher sein sollte.
Lebensmittelexperten erklären den aktuellen Boom damit, dass viele Besucher Ranch erstmals so erleben, wie Amerikaner es seit Jahrzehnten tun: überall und jederzeit. In Europa fristet die Soße dagegen meist ein eher unscheinbares Dasein zwischen Cocktail- und Knoblauchdressing.
Doch ist die große Ranch-Liebe wirklich echt? Nicht unbedingt. Manche Fußballfans probieren die Soße einmal, zucken mit den Schultern und greifen anschließend lieber wieder zu Ketchup. Andere wiederum fragen sich, warum um eine Mischung aus Mayonnaise, Buttermilch und Kräutern ein derartiges Theater gemacht wird.
Auch im Internet lohnt sich ein zweiter Blick. Viele der derzeit viral gehenden Videos stammen gar nicht von der Weltmeisterschaft, sondern wurden bereits vor Jahren aufgenommen und nun erneut verbreitet. Das nährt Spekulationen, ob hinter dem Hype vielleicht ebenso viel Marketing steckt wie Mayonnaise in der Flasche.
Ganz egal, ob cleverer Werbecoup oder echter Food-Trend – eines hat Ranch bereits geschafft: Für viele Besucher schmeckt die Fußball-WM 2026 nicht nach Hotdog oder Burger, sondern nach einer cremigen Kräutersoße, die plötzlich zum heimlichen Star des Turniers geworden ist. Und wer weiß – vielleicht steht beim nächsten Grillabend in Deutschland neben Senf und Ketchup ganz selbstverständlich auch eine Flasche Ranch auf dem Tisch.


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