Mit Guesch Patti ist eine Künstlerin gegangen, die sich nie in eine Schublade pressen ließ. Die französische Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin starb in der Nacht zum 22. Juni 2026 in Paris nach langer Krankheit. Sie wurde 80 Jahre alt.
Für viele wird ihr Name für immer mit einem einzigen Lied verbunden bleiben: „Étienne“. Als der Song 1987 erschien, war er weit mehr als nur ein weiterer Pop-Hit. Mit seiner sinnlichen Atmosphäre, seiner ungewöhnlichen Ästhetik und einem Musikvideo, das damals für Diskussionen sorgte, traf er den Nerv einer Zeit, die nach neuen Ausdrucksformen suchte. Innerhalb weniger Monate wurde Guesch Patti weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. „Étienne“ eroberte die Charts, wurde mit Gold ausgezeichnet und machte seine Interpretin zu einer der markantesten Künstlerpersönlichkeiten der späten 1980er-Jahre.
Doch Guesch Patti war nie nur Sängerin.
Geboren wurde sie am 16. März 1946 als Patricia Porrasse in Neuilly-sur-Seine bei Paris. Ihre erste große Leidenschaft galt dem Tanz. Bereits als Kind stand sie an der Pariser Oper auf der Bühne und erhielt eine klassische Ausbildung, die ihr gesamtes künstlerisches Schaffen prägen sollte. Auch später, als sie längst als Musikerin erfolgreich war, blieb ihre Art, sich zu bewegen, ein wesentlicher Teil ihrer Bühnenpräsenz. Bei ihr verschmolzen Musik, Tanz und Schauspiel zu einer unverwechselbaren Einheit.
Nach dem überwältigenden Erfolg von „Étienne“ veröffentlichte sie mehrere Alben, darunter Labyrinthe, Nomades, Gobe, Blonde und Dernières nouvelles. Zwar gelang es ihr nicht mehr, an den kommerziellen Triumph ihres größten Hits anzuknüpfen, doch sie blieb eine kreative und unabhängige Künstlerin. Sie arbeitete mit namhaften Persönlichkeiten der französischen Kulturszene zusammen und suchte immer wieder neue Wege zwischen Popmusik, Theater und Performance.
Vielleicht liegt gerade darin ihr Vermächtnis. Guesch Patti war nie eine Künstlerin, die sich über Verkaufszahlen definierte. Sie war eine Grenzgängerin zwischen den Disziplinen, eine Frau, die ihre Kunst lebte und stets ihrer eigenen Vision folgte.
Mit ihrem Tod verliert Frankreich eine außergewöhnliche Vertreterin seiner Kulturszene. Die Erinnerung an ihre Stimme, ihre Bühnenpräsenz und ihre unverwechselbare Ausstrahlung wird bleiben. Und mit den ersten Takten von „Étienne“ wird für viele auch künftig jene Zeit lebendig werden, in der eine Tänzerin aus Paris für einen Moment ganz Europa in ihren Bann zog.
Adieu, Guesch Patti. Deine Kunst bleibt.


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