Jahrelang hieß es: Wenn die Welt verrücktspielt, kauft man Gold. Krieg? Gold. Börsencrash? Gold. Politisches Chaos? Noch mehr Gold. Manche Anleger hatten das Edelmetall inzwischen fast so behandelt wie andere ihren Lieblingsverein: Egal, was passiert, man hält daran fest.
Doch nun sorgt ausgerechnet der „sichere Hafen“ für leichte Seekrankheit.
Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen den Rückwärtsgang eingelegt. Statt täglich neue Rekorde zu feiern, schauen manche Anleger inzwischen häufiger aufs Depot als auf den Wetterbericht. Die Erkenntnis: Auch Gold kann fallen – und zwar schneller als mancher Influencer seine Meinung ändert.
Die Fed funkt dazwischen
Schuld daran sind unter anderem die Amerikaner. Genauer gesagt: die US-Notenbank. Während Gold selbst keine Zinsen zahlt, locken Tagesgeld und Anleihen plötzlich wieder mit attraktiven Renditen.
Viele Investoren stellen sich deshalb die Frage: Warum einen Goldbarren im Tresor anschauen, wenn das Geld auf dem Konto wenigstens ein paar Zinsen verdient?
Schmuckkäufer sagen: Danke, reicht erstmal
Auch die Schmuckbranche tritt auf die Bremse. Wer zuletzt die Preise für Goldringe oder Ketten gesehen hat, versteht warum. Mancher Verlobungsring kostet inzwischen gefühlt so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen.
Die Folge: Die Nachfrage sinkt deutlich. Selbst eingefleischte Goldfans überlegen zweimal, bevor sie zur Kreditkarte greifen.
Banken holen den Rotstift raus
Während Gold-Fans noch von der nächsten Rekordjagd träumen, haben einige Großbanken ihre Preisprognosen bereits gekürzt.
Übersetzt heißt das: Aus dem enthusiastischen „Gold kennt nur eine Richtung“ wurde ein deutlich vorsichtigeres „Mal schauen“.
Der sichere Hafen bleibt offen
Die gute Nachricht für Goldbesitzer: Niemand muss seinen Krügerrand jetzt panisch bei Kleinanzeigen einstellen.
Die schlechte Nachricht: Gold ist eben kein Sparbuch mit eingebauter Gewinn-Garantie. Wer dachte, der Preis könne nur steigen, lernt gerade eine alte Börsenweisheit kennen:
Auch der sicherste Hafen hat gelegentlich Ebbe. Und manchmal stellt sich heraus, dass selbst Gold keine magischen Superkräfte besitzt – sondern nur einen ziemlich glänzenden Ruf.


0 Kommentare