EU empfängt Taliban in Brüssel: Wenn Diplomatie plötzlich sehr kreative Wege geht

EU empfängt Taliban in Brüssel: Wenn Diplomatie plötzlich sehr kreative Wege geht

Veröffentlicht

Dienstag, 23.06.2026
von Red. TB

Brüssel hat schon viele Gäste empfangen. Staatschefs, Minister, Lobbyisten, Aktivisten und gelegentlich sogar Menschen, die wissen, wie die EU wirklich funktioniert.

Nun durfte offenbar auch eine Taliban-Delegation einreisen.

Möglich wurde das durch die Vergabe belgischer Visa für Gespräche über Abschiebungen nach Afghanistan. Und plötzlich stellt sich eine Frage, die selbst erfahrene EU-Beobachter kurz innehalten lässt:

Ab welchem Punkt wird ein Gespräch zur Zusammenarbeit – und ab welchem Punkt zur unfreiwilligen Aufwertung?

Die Taliban auf Europatour

Jahrelang erklärten europäische Politiker, die Taliban stünden für ein System, das mit den Werten von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten wenig bis gar nichts zu tun habe.

Nun sitzen Vertreter eben dieses Systems in Brüssel und diskutieren mit europäischen Funktionären.

Man könnte sagen: Die Außenpolitik hat wieder einmal jene Wendung genommen, die man in keiner Wahlkampfbroschüre findet.

Menschenrechte treffen Abschiebepolitik

Kritiker sehen in dem Treffen eine gefährliche Symbolwirkung.

Denn Afghanistan gilt nach Einschätzung zahlreicher Menschenrechtsorganisationen weiterhin nicht als sicheres Land. Frauenrechte? Kaum vorhanden. Pressefreiheit? Praktisch abgeschafft. Politische Opposition? Eher theoretischer Natur.

Trotzdem wird über Rückführungen gesprochen.

Das erinnert ein wenig an die Idee, nach einem Hausbrand mit dem Brandstifter über neue Sicherheitsstandards zu verhandeln.

Brüssel und die Kunst des Spagats

Die EU versucht derzeit den klassischen politischen Spagat:

Einerseits sollen Menschenrechte verteidigt werden.

Andererseits möchte man Personen abschieben können.

Das Problem dabei ist, dass beide Ziele nicht immer harmonisch zusammenpassen.

Manchmal wirkt es, als wolle man gleichzeitig erklären:

„Dieses Regime ist völlig inakzeptabel.“

Und fünf Minuten später:

„Könnten wir bitte kurz über praktische Zusammenarbeit sprechen?“

Österreich kennt die Telefonnummer schon länger

Ganz überraschend kommt die Entwicklung ohnehin nicht.

Auch andere europäische Staaten unterhalten bereits Kontakte zu den Taliban auf technischer Ebene. Offiziell geht es dabei um Verwaltungsfragen und Kommunikationskanäle.

Inoffiziell dürfte es oft darum gehen, mit wem man sprechen muss, wenn niemand sonst mehr erreichbar ist.

Fazit

Die Taliban in Brüssel – das ist einer jener politischen Momente, bei denen niemand wirklich zufrieden wirkt.

Die Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Gespräche.

Politiker sprechen von einem außenpolitischen Fehler.

Die EU verweist auf praktische Notwendigkeiten.

Und die Taliban dürften sich fragen, wie sie es geschafft haben, vom internationalen Paria zum Gesprächspartner in Europas Hauptstadt aufzusteigen.

Manchmal produziert die Diplomatie Situationen, die sich wie Satire lesen.

Das Problem ist nur: Diesmal ist es keine Satire. Oder zumindest nicht vollständig.

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OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 23.06.2026

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