Es gibt Marathons.
Es gibt Ironman-Wettbewerbe.
Und dann gibt es offenbar die österreichische Raumordnung.
In Hochfilzen wurde nun ein Hotelprojekt nach rund acht Jahren Planung, unzähligen Gutachten, Konzepten, Anpassungen und Besprechungen endgültig gestoppt. Die Investoren reagieren wenig begeistert und verlangen nun 500.000 Euro Schadenersatz.
Man kann sie verstehen.
Wer acht Jahre lang plant, rechnet normalerweise mit einer Baugenehmigung – und nicht mit einer Überraschungsfolge von „Wer wird Gemeinderatsopfer?“.
Die große Schnitzeljagd der Genehmigungen
Die Geschichte liest sich wie ein Behörden-Abenteuerroman.
Die Investoren präsentieren einen Plan.
Die Gemeinde sagt: „Da brauchen wir noch Anpassungen.“
Die Investoren passen an.
Die Gemeinde sagt: „Jetzt fehlt noch etwas anderes.“
Die Investoren liefern nach.
Die Gemeinde sagt: „Fast geschafft.“
Das Land sagt: „Moment mal.“
Weitere Gutachten.
Weitere Anpassungen.
Weitere Gespräche.
Weitere Jahre.
Irgendwann dürfte man mehr Papier produziert haben als Holz im gesamten Pillerseetal wächst.
Das Finale: Geheime Abstimmung
Der Höhepunkt kam nach acht Jahren.
Nicht mit einem Spatenstich.
Nicht mit einer Grundsteinlegung.
Sondern mit einer geheimen Abstimmung.
Man stelle sich die Investoren vor:
Acht Jahre Arbeit.
Millionen an Planungskosten.
Und am Ende öffnet jemand einen Umschlag und sagt:
„Tut uns leid, wir haben uns anders entschieden.“
Das ist ungefähr so, als würde man acht Jahre lang ein Haus bauen und am Tag des Einzugs erfahren, dass es jetzt doch ein Gartenschuppen wird.
Unternehmerisches Risiko trifft Alpenbürokratie
Juristen sehen die Sache nüchtern.
Kein Anspruch auf Umwidmung.
Kein Anspruch auf Zustimmung.
Kein Anspruch auf Glück.
So lautet vereinfacht die Rechtslage.
Mit anderen Worten:
Wer Millionen in die Planung steckt, darf sich nicht automatisch darauf verlassen, dass irgendwann tatsächlich gebaut wird.
In Tirol nennt man das offenbar Planungssicherheit.
Die Revanche auf Langlaufskiern
Besonders österreichisch wird die Geschichte allerdings erst am Ende.
Der betroffene Grundeigentümer reagierte auf die Entwicklung und sperrte die beliebte Langlaufloipe über seine Felder.
Natürlich.
Denn wenn schon kein Hotel gebaut wird, soll wenigstens niemand gemütlich darüber gleiten.
Man könnte sagen: Aus einem Baukonflikt wurde ein Wintersportkonflikt.
Fazit
Hochfilzen hat damit möglicherweise eine neue Tourismusattraktion geschaffen.
Nicht das geplante 60-Millionen-Euro-Hotel.
Sondern die vermutlich längste Genehmigungsreise Tirols.
Acht Jahre Planung.
Zwei Millionen Euro Kosten.
Eine geheime Abstimmung.
Eine Schadenersatzklage.
Und eine gesperrte Langlaufloipe.
Wer behauptet, Verwaltung könne nicht unterhaltsam sein, war offensichtlich noch nie bei einer Tiroler Umwidmung dabei.


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