Kolumbien wählt zwischen „Der Tiger“ und „Der Verhandler“ – und keiner beneidet die Wähler

Kolumbien wählt zwischen „Der Tiger“ und „Der Verhandler“ – und keiner beneidet die Wähler

Veröffentlicht

Sonntag, 21.06.2026
von Red. TB

In Kolumbien steht eine Präsidentenwahl an, bei der die Kandidaten unterschiedlicher kaum sein könnten.

Auf der einen Seite steht Iván Cepeda, der weiter auf Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen setzen will. Auf der anderen Seite Abelardo de la Espriella, genannt „El Tigre“, der am liebsten zehn Mega-Gefängnisse bauen und sämtliche Gangster persönlich zum Frühstück verhaften würde.

Dazwischen stehen Millionen Kolumbianer und fragen sich vor allem: Wer sorgt endlich dafür, dass man wieder ruhig schlafen kann?

Denn das eigentliche Wahlkampfthema ist weder Klima noch Wirtschaft. Es ist die Sicherheit.

Während Politiker debattieren, übernehmen bewaffnete Gruppen immer mehr Gebiete. Entführungen, Erpressungen und Vertreibungen sind für viele Menschen trauriger Alltag geworden. Manche Familien fliehen mit nichts als einer Reisetasche, andere zahlen Schutzgeld, wieder andere hoffen einfach, nicht die Nächsten zu sein.

Die Linke sagt: Mehr Verhandlungen.

Die Rechte sagt: Mehr Gefängnisse.

Die Wähler sagen: Hauptsache, irgendetwas funktioniert.

Besonders spektakulär ist der Auftritt von Abelardo de la Espriella. Der konservative Kandidat tritt bevorzugt im kolumbianischen Nationaltrikot auf, nennt sich selbst „Der Tiger“ und wurde sogar von Donald Trump unterstützt.

Trump erklärte kurzerhand, Kolumbiens Verhältnis zu den USA hänge praktisch vom Wahlausgang ab. Die politische Linke nennt das Einmischung. Trump nennt es vermutlich Dienstag.

Cepeda wiederum setzt auf junge Wähler und verspricht einen anderen Weg. Er argumentiert, dass Armut, Perspektivlosigkeit und fehlende staatliche Präsenz die eigentlichen Ursachen der Gewalt seien. Seine Unterstützer sprechen von nachhaltigen Lösungen.

Seine Gegner sprechen von Wunschdenken.

Währenddessen kämpfen bewaffnete Gruppen weiter um Drogenrouten, illegale Minen und Territorien. Die Kriminellen verfolgen den Wahlkampf vermutlich mit Interesse, denn egal wer gewinnt – für sie könnte es ungemütlicher werden.

Oder auch nicht.

So steht Kolumbien vor einer Richtungsentscheidung.

Soll künftig mehr verhandelt werden?

Oder mehr verhaftet?

Die Antwort gibt die Wahl.

Sicher ist nur eines: Wer auch immer Präsident wird, wird einen Job übernehmen, gegen den selbst ein Schleudersitz bequem wirkt.

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David_Peterson (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 21.06.2026

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