Früher war Sommer einfach.
Man aß ein Eis, trank eine kalte Apfelschorle und beschwerte sich über die Hitze.
Heute bestreuen Menschen ihre Wassermelone mit Chili, garnieren Ananas mit Jalapeños und kippen scharfe Gewürze über Mangos. Das Ganze nennt sich jetzt „Fricy“ – eine Mischung aus „fruity“ und „spicy“. Früher hätte man dazu vermutlich einfach „Versehen in der Küche“ gesagt.
Auf TikTok und Instagram feiern Millionen Nutzer derzeit den neuen Trend. Besonders beliebt: Mango mit Chili-Gewürz, scharfe Fruchtcocktails oder Getränke, bei denen man gleichzeitig schwitzt und friert.
Die Theorie dahinter klingt beeindruckend: Wer scharf isst, schwitzt mehr. Wer schwitzt, kühlt ab. Folglich soll Chili gegen Hitze helfen.
Nach dieser Logik müsste man allerdings auch in die Sauna gehen, um der Sommerhitze zu entkommen.
Kulinarik-Experten bleiben deshalb vorsichtig. Der Körper sei bei 35 Grad ohnehin schon ausreichend beschäftigt und brauche nicht zusätzlich die Herausforderung „Mango Inferno“.
Viel wichtiger seien Wasser, frisches Gemüse, Obst und leichte Speisen. Also genau die Dinge, die unsere Großmütter schon empfohlen haben, lange bevor Influencer begannen, Wassermelonen zu würzen wie Grillfleisch.
Besonders kurios: Während junge Menschen auf Social Media begeistert Chiliflocken über Früchte streuen, verfolgen südeuropäische Länder seit Jahrhunderten eine andere Strategie.
Dort wartet man einfach, bis das Essen abgekühlt ist.
Eine revolutionäre Idee.
Statt sich mittags bei 37 Grad an dampfenden Gerichten abzuarbeiten, serviert man Gemüse kalt, macht Siesta und isst erst am Abend. In Italien nennt man das Lebenskunst. In Deutschland würde vermutlich jemand fragen, warum das Essen schon kalt ist.
Auch eiskalte Getränke gelten übrigens nicht als ideale Lösung. Denn der Körper muss die Temperaturunterschiede wieder ausgleichen. Kurz gesagt: Selbst das Eiswasser macht Arbeit.
Der wahre Gewinner des Sommers bleibt deshalb wahrscheinlich der Kühlschrank.
Er schwitzt nicht.
Er diskutiert nicht über Fermentation.
Und er verlangt auch keine Jalapeños auf der Wassermelone.
Trotzdem wird der Fricy-Trend vermutlich bleiben.
Denn im Internet gilt bekanntlich eine einfache Regel:
Wenn etwas verrückt aussieht, bunt ist und Menschen beim Essen weinen lässt, wird es garantiert viral.


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