Die Fallschirmspringer-Gemeinschaft in den USA steht unter Schock. Beim Absturz eines Kleinflugzeugs im Bundesstaat Missouri sind zwölf Menschen ums Leben gekommen. An Bord befanden sich elf Fallschirmspringer sowie der Pilot. Für keinen der Insassen gab es eine Überlebenschance.
Der Unfall ereignete sich am Samstag kurz nach dem Start vom Butler Memorial Airport, etwa 100 Kilometer südlich von Kansas City. Das Flugzeug stürzte wenige Augenblicke nach dem Abheben ab und ging sofort in Flammen auf.
Nun haben Ermittler der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB die Untersuchung aufgenommen. Die genaue Ursache des Unglücks ist bislang unklar.
Flugzeug stürzte unmittelbar nach dem Start ab
Nach bisherigen Erkenntnissen war die Maschine gegen 11.30 Uhr Ortszeit zu einem Fallschirmsprungflug gestartet. Augenzeugen berichteten, das Flugzeug habe kurz nach dem Abheben offenbar versucht umzudrehen, bevor es nahe einer Straße abstürzte.
Flughafenleiter Dennis Jacobs erklärte, die Maschine habe vermutlich nicht einmal eine Höhe von 30 Metern erreicht.
„Das Wetter war hervorragend“, sagte Jacobs. „Es könnte ein Triebwerksproblem gewesen sein, aber das werden erst die Ermittlungen zeigen.“
Die Maschine vom Typ Pacific Aerospace 750XL war in den Tagen vor dem Unglück mehrfach im Einsatz gewesen. Allein zwischen Donnerstag und Samstag absolvierte sie nach Flugdaten insgesamt neun Flüge.
Ermittler stehen erst am Anfang
Die Nationale Verkehrssicherheitsbehörde betont, dass es noch zu früh sei, um Rückschlüsse auf die Ursache zu ziehen.
„Das ist der Beginn eines langen Prozesses“, sagte NTSB-Vizechef Michael Graham bei einer Pressekonferenz. Ein erster Zwischenbericht wird innerhalb von etwa 30 Tagen erwartet. Die vollständige Untersuchung könnte jedoch mehr als ein Jahr dauern.
Die Ermittler analysieren nun unter anderem Wartungsunterlagen, Treibstoffversorgung, Gewichtsverteilung sowie Radar- und Videodaten.
Da das Flugzeug weder über einen Flugdatenschreiber noch über einen Cockpit-Stimmenrekorder verfügen musste, hoffen die Experten auf andere elektronische Geräte, die Hinweise auf die letzten Minuten des Fluges liefern könnten.
Tiefe Trauer in der Fallschirmspringer-Szene
Besonders schwer trifft die Katastrophe die amerikanische Fallschirmspringer-Gemeinschaft. Der Verband USPA sprach von einem Verlust, der weit über die lokale Szene hinausreiche.
„Die Gemeinschaft ist eng verbunden. Ein Verlust dieser Größenordnung wird im gesamten Sport tief empfunden“, erklärte die Organisation.
Unter den Todesopfern befand sich auch Jennifer „Jen“ Sharp, Technologie-Direktorin des US-Fallschirmspringerverbandes. Kollegen beschrieben sie als leidenschaftliche Fallschirmspringerin, engagierte Führungspersönlichkeit und geschätzte Freundin.
„Ihre Leidenschaft für den Himmel wurde nur von ihrer Hingabe für die Menschen in unserem Sport übertroffen“, erklärte USPA-Direktor Albert Berchtold.
Lehrer, Familienvater, Freunde – persönliche Schicksale werden bekannt
Nach und nach werden die Geschichten der Opfer bekannt.
Unter den Toten ist auch David Hershberger, ein beliebter Musiklehrer aus Kansas City. Schulen und Schüler reagierten mit großer Bestürzung auf die Nachricht.
„Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Musiker und Pädagoge, sondern vor allem einer der freundlichsten Menschen, die man kennenlernen konnte“, hieß es in einer Mitteilung seines Schulbezirks.
Auch Michael Shanahan verlor bei dem Unglück sein Leben. Freunde berichten, dass der langjährige Gewerkschafter kurz vor dem Ruhestand stand und sich auf seinen 23. Tandemsprung vorbereitet hatte.
Besonders tragisch: Eine Frau, die regelmäßig mitsprang, sollte ursprünglich ebenfalls an Bord sein. Weil zwei Tandemgäste Vorrang erhielten, blieb sie am Boden. Von dort musste sie mit ansehen, wie das Flugzeug ihres Mannes und ihres Bruders abstürzte.
Die tödlichste Katastrophe in der Geschichte des Flughafens
Nach Angaben der örtlichen Behörden handelt es sich um das schwerste Flugunglück in der rund 50-jährigen Geschichte des Butler Memorial Airport.
Während die Ermittlungen weiterlaufen, stehen für viele Angehörige zunächst Trauer und Fassungslosigkeit im Vordergrund. Die Namen aller Opfer wurden bislang noch nicht offiziell veröffentlicht.
Für die Fallschirmspringer-Gemeinschaft bleibt die Hoffnung, dass die Untersuchungen klären können, warum ein routinemäßiger Sprungflug innerhalb weniger Sekunden in eine der schwersten Tragödien der jüngeren US-Luftfahrtgeschichte mündete.

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