Kalifornien hat viele Dinge aus Großbritannien übernommen: Rockmusik, Tee mit Milch und gelegentlich fragwürdige Reality-TV-Konzepte. Nun könnte auch ein ehemaliger Berater von David Cameron zum Gouverneur des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates werden.
Steve Hilton, einst Politikberater des britischen Premierministers David Cameron, später Fox-News-Moderator und heute von Donald Trump unterstützter Republikaner, hat sich für die entscheidende Runde der Gouverneurswahl qualifiziert. Im November trifft er auf den Demokraten Xavier Becerra, den früheren Gesundheitsminister der Biden-Regierung.
Damit erhält Kalifornien die seltene Gelegenheit, zwischen einem langjährigen Berufspolitiker und einem Mann zu wählen, der einst Barack Obama in Socken begrüßte und Downing Street bevorzugt in Shorts durchquerte.
Vom Brexit zur Bay Area
Hiltons politische Karriere wirkt wie ein Experiment, das mehrere Kontinente gleichzeitig testen wollte. In Großbritannien wurde er als unkonventioneller Berater bekannt, der seinen Chef David Cameron schlicht „Dave“ nannte und mit Vorschlägen wie der Abschaffung des Mutterschaftsurlaubs regelmäßig für Schlagzeilen sorgte.
Nach seinem Umzug in die USA entdeckte Hilton die amerikanische Politik als neues Betätigungsfeld. Dort verwandelte er sich vom Brexit-nahen Strategen zum konservativen Fernsehstar auf Fox News – ein Karriereweg, der heute fast als klassische Einwanderungsgeschichte gelten könnte.
Trump sieht einen „Gewinner“
Präsident Donald Trump unterstützt Hilton nachdrücklich und erklärte, Kalifornien werde unter seiner Führung „schnell wieder auf Kurs gebracht“. Der Präsident sieht in dem Briten einen „harten Gewinner“ und kritisiert zugleich die demokratische Führung des Bundesstaates.
Für Hilton ist das eine wertvolle Unterstützung. In einem Staat, in dem Republikaner seit Jahren Mühe haben, landesweite Wahlen zu gewinnen, ist Trumps Segen entweder ein politischer Turbo oder ein sehr teurer Bremsklotz – je nachdem, wen man fragt.
Becerra setzt auf Erfahrung
Sein Gegenkandidat Xavier Becerra setzt dagegen auf klassische politische Qualifikationen: Kongressabgeordneter, Generalstaatsanwalt Kaliforniens und Gesundheitsminister der Vereinigten Staaten.
Becerra präsentiert sich als Gegenpol zu Trump und verspricht, dessen Politik weiterhin entschieden entgegenzutreten. Zudem wirbt er mit Maßnahmen gegen steigende Versicherungs- und Energiekosten.
Sollte er gewinnen, wäre er der erste Latino-Gouverneur Kaliforniens seit 1875 – eine bemerkenswerte Tatsache in einem Bundesstaat, dessen Bevölkerung heute zu rund 41 Prozent aus Latinos besteht.
Ein Rekordrennen
Die Gouverneurswahl gilt bereits als die teuerste in der Geschichte Kaliforniens. Milliardäre, Technologieinvestoren und politische Großspender haben Millionenbeträge in den Wahlkampf investiert.
Nun läuft alles auf ein Duell hinaus, das unterschiedlicher kaum sein könnte: Auf der einen Seite ein politischer Veteran mit jahrzehntelanger Regierungserfahrung. Auf der anderen ein britischer Ex-Berater, der einst den Brexit überlebte, Fox News moderierte und nun versucht, den liberalsten Großstaat Amerikas für die Republikaner zurückzuerobern.
Allein diese Ausgangslage dürfte dafür sorgen, dass die kommenden Monate unterhaltsamer werden als manche Streaming-Serie – und vermutlich ähnlich teuer produziert sind.


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