FMA-Erhebung zu Fremdwährungskrediten im 3. Quartal 2020: Abbau des aushaftenden Volumens fortgesetzt. Tilgungsträger-Lücke Ende 2019: € 3,9 Mrd.

FMA-Erhebung zu Fremdwährungskrediten im 3. Quartal 2020: Abbau des aushaftenden Volumens fortgesetzt. Tilgungsträger-Lücke Ende 2019: € 3,9 Mrd.

Veröffentlicht

Montag, 07.12.2020
von Red. TB

Das aushaftende Volumen an Fremdwährungskrediten wurde im 3. Quartal 2020, verglichen mit dem Vorjahresquartal, wechselkursbereinigt um – € 1,99 Mrd. oder -14,3% gesenkt. Seit Verhängung des Neuvergabe-Stopps im Herbst 2008 ist damit das aushaftende Volumen wechselkursbereinigt um – € 36,37 Mrd. oder – 77,4 % abgebaut worden. Im Vergleich zum Vorquartal (Q2/2020) sank das Volumen um € 460 Mio. oder -3,7%. In absoluten Zahlen ist das Volumen der Fremdwährungskredite an private Haushalte im 3. Quartal 2020 auf € 11,83 Mrd. gesunken (Q3 2019: € 13,78 Mrd.). Dies geht aus der Erhebung der FMA zur Entwicklung der FX-Kredite im 3. Quartal 2020 hervor.

Deckungslücke bei den Tilgungsträgern

83% der FX-Kredite ist endfällig ausgestaltet. Es werden also während der Laufzeit nur die Zinsen auf den Kredit bedient, die Tilgung der Kreditsumme erfolgt am Ende der Laufzeit auf einen Schlag. 77% der FX-Kredite sind endfällig und sparen gleichzeitig in einem Anlageprodukt, dem Tilgungsträger, an, um am Ende der Laufzeit das Kapital zu haben, mit dem sie den aufgenommenen Kreditbetrag tilgen können. Zu 80 Prozent wird als Tilgungsträger in einer Lebensversicherung angespart. Da der Schweizer Franken über die Jahre massiv aufgewertet hat, hat sich der Tilgungsbetrag in Euro, der am Schluss zu zahlen ist, massiv erhöht. Weiters drückt das anhaltende Niedrigzinsumfeld massiv auf die Renditen: Die Tilgungsträger schaffen den Veranlagungsertrag nicht, mit denen bei der Kreditaufnahme gerechnet wurde. Daraus resultiert eine Deckungslücke zwischen dem zur Tilgung des Kredites erforderlichen Endbetrag, und dem, was der Tilgungsträger tatsächlich erwirtschaftet. Die aktuelle Tilgungsträger-Studie der FMA, die deren Performance zum Stichtag 31.12.2019 analysiert hat, ergibt eine Deckungslücke von im Schnitt rund 32%. Das heißt, Ende 2019 liegt die Deckungslücke bei FX-Krediten mit Tilgungsträgern bei in etwa € 3,9 Mrd. Umgerechnet auf jeden Einzelkredit macht das knapp über € 50.000 aus.

Für die kreditgewährenden Banken erwächst daraus kein Stabilitätsrisiko, da unter Berücksichtigung der Kreditsicherheiten aus ihrer Sicht eine Deckungslücke von in etwa € 700 Mio. offen bleibt, für die aber bereits großteils Vorsorgen in den Bilanzen gebildet wurden. Für die Kreditnehmer wird das Schließen der Deckungslücke aber nach wie vor eine große Herausforderung sein. Die durchschnittliche Restlaufzeit der Tilgungsträger-Kredit beträgt neun Jahre, wobei aber drei Viertel in 5 bis 15 Jahre abreifen.

Bisher konnten die Kreditnehmer zum Schließen der Deckungslücke vor Allem auf andere Vermögenswerte zurückgreifen. 2019 wiesen 70% aller fälligen Tilgungsträgerkredite eine Deckungslücke aus. Diese konnte von jedem zweiten Kreditnehmer durch andere Vermögenswerte geschlossen werden; 20% brauchten eine Anschlussfinanzierung in Euro; bei 10% musste der FX-Kredit mit Tilgungsträger prolongiert werden. Der Rest fand einen anderen Weg oder eine Kombination dieser Maßnahmen.

Zur Abdeckung einer wahrscheinlichen Deckungslücke haben die Banken mit den betroffenen Kreditnehmern gemäß FMA-Mindeststandards laufend die Entwicklung der Risikolage zu analysieren und präventive Gegenmaßnahmen zu evaluieren und umzusetzen: in einem Drittel der Fälle wurden die Kreditsicherheiten erhöht, bei knapp über einem Sechstel die Risikovorsorge, bei knapp unter einem Sechstel die Ansparleistung angehoben und bei mehr als einem Drittel erfolgte eine Kombination aus diesen Maßnahmen.

Wechselkursrisiko Schweizer Franken

Der Fremdwährungsanteil an allen aushaftenden Krediten an private Haushalte entsprach im 3. Quartal 2020 7,2% (Q3-19: 8,7%). Zum Höchststand 2006 betrug der Anteil noch rund ein Drittel. Ende September 2020 entfiel mit 96,3% weiterhin der Großteil des FX-Forderungsvolumens auf Schweizer Franken (CHF) und der Rest beinahe zur Gänze auf Japanischen Yen.

Seit Anfang 2008 hat der Schweizer Franken bis 30. September 2020 um 53% aufgewertet und pendelte sich im dritten Quartal des Jahres 2020 zwischen 1,062 und 1,0865 ein. Das heißt, wer Anfang 2008 einen Fremdwährungskredit in Höhe von € 100.000,- aufgenommen hat, müsste derzeit allein aufgrund der Wechselkursentwicklung – also ohne Zinszahlungen – fast € 153.000,- zurückzahlen.

Rückfragehinweis für Journalisten:

Klaus Grubelnik (FMA-Mediensprecher)

+43/(0)1/24959-6006

+43/(0)676/882 49 516

Bildnachweis:

kpuljek (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 07.12.2020

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