Trainerentlassungen gehören im College Football ungefähr so selbstverständlich zur Saison wie Touchdowns, Cheerleader und Fans, die trotz 30 Punkten Rückstand noch an die große Wende glauben.
Colorado State hat das Ganze jetzt allerdings beschleunigt.
Cheftrainer Jim Mora wartete nach der 26:56-Niederlage gegen Oregon State nämlich nicht bis zum Spielende, nicht bis zur Pressekonferenz und offenbar auch nicht bis zum nächsten Kaffee.
Er entließ Defensive Coordinator Tyson Summers einfach mitten im laufenden Spiel.
Das ist konsequentes Zeitmanagement.
Wenn die Defensive zur offenen Tür wird
Colorado State ließ gegen Oregon State 56 Punkte zu.
Das allein wäre schon unangenehm genug.
Das Problem: Eine Woche zuvor hatte die Mannschaft ebenfalls 56 Punkte kassiert.
Zweimal hintereinander 56 Gegenpunkte – das hatte Colorado State seit 1984 nicht mehr geschafft.
Man könnte also sagen: historische Leistung. Nur leider in der falschen Statistik.
Oregon State produzierte insgesamt 639 Yards Raumgewinn und durchschnittlich neun Yards pro Spielzug.
Die Defense der Rams wirkte zeitweise weniger wie eine Abwehr und mehr wie ein sehr höflicher Gastgeber.
„Natürlich, kommen Sie rein. Möchten Sie noch einen Touchdown?“
Quarterback Atkinson bedankt sich herzlich
Oregon-State-Quarterback Braden Atkinson dürfte einen ausgesprochen angenehmen Nachmittag gehabt haben.
Er brachte 30 von 34 Pässen an den Mann, warf für 436 Yards und produzierte fünf Touchdowns.
Eine Passquote, bei der man sich irgendwann fragen musste, ob Colorado State überhaupt noch Verteidiger aufgestellt hatte oder nur sehr sportliche Zuschauer.
Durchschnittlich erzielte Oregon State 14,1 Yards pro erfolgreichem Pass.
Das ist nicht mehr „Raumgewinn“.
Das ist fast schon öffentlicher Nahverkehr.
Jim Mora zieht mitten im Spiel die Notbremse
Irgendwann hatte Cheftrainer Jim Mora genug.
Noch während der Partie teilte er Tyson Summers mit, dass dessen Tätigkeit als Defensive Coordinator beendet sei.
Summers entschied sich daraufhin, das Spielfeld zu verlassen.
Damit war der Trainerwechsel vollzogen.
Kein Meeting am Montagmorgen.
Keine lange Analyse.
Kein „Wir müssen uns zusammensetzen“.
Einfach: Danke, das war’s.
Im College Football ist offenbar sogar die Personalabteilung schneller als manche No-Huddle-Offense.
Der neue Mann braucht genau einen Spielzug
Nach Summers‘ Abgang musste natürlich jemand die Defensive übernehmen.
Cornerbacks-Coach Trent Matthews gab zunächst die Spielzüge weiter, während Kenny McClendon mit dem Playbook an der Seitenlinie stand.
Nach dem Spiel bestätigte Mora, dass McClendon künftig die Hauptverantwortung für die Defensive übernehmen werde.
Und sein Einstand hätte kaum besser laufen können.
Der erste defensive Spielzug, den McClendon jemals als Hauptverantwortlicher ansagte, endete direkt mit einem Sack und einem erzwungenen Fumble.
Ein Spielzug.
Ein Erfolg.
Für den Vorgänger dürfte das ein eher ungünstiger Zeitpunkt gewesen sein, noch einmal aufs Handy zu schauen.
Mora ist begeistert
Jim Mora lobte McClendon anschließend ausdrücklich.
Der neue Verantwortliche sei in eine schwierige Situation geworfen worden und habe gut reagiert.
Auch die Spieler hätten positiv auf den Wechsel angesprochen.
Mora kündigte an, dass die Mannschaft nun besser werde.
Das ist nach zweimal 56 Gegenpunkten allerdings auch eine vergleichsweise dankbare Prognose.
Viel Luft nach unten bleibt schließlich nicht mehr.
Ganz überraschend kam der Knall nicht
Die Entlassung kam allerdings nicht völlig aus dem Nichts.
Bereits eine Woche zuvor waren Mora und Summers während der 26:56-Niederlage gegen UTSA an der Seitenlinie bei einer heftigen Diskussion zu sehen.
Damals blieb Summers noch im Amt.
Eine Woche später war die Geduld endgültig aufgebraucht.
Man könnte sagen: Beim ersten 56:26 gab es noch eine Diskussion.
Beim zweiten 56:26 gab es die Kündigung.
Immerhin eine klare Eskalationsstufe.
Summers hatte schon schwere Zeiten hinter sich
Tyson Summers war in seiner zweiten Saison als Defensive Coordinator bei Colorado State.
Als Jim Mora vor dieser Spielzeit den Cheftrainerposten übernahm, durfte Summers zunächst bleiben.
Zuvor hatte er nach der Entlassung von Jay Norvell im Jahr 2025 bereits fünf Spiele lang als Interimstrainer fungiert.
Bilanz: 0:5.
Auch als Cheftrainer von Georgia Southern lief es früher nicht unbedingt märchenhaft.
Zwischen 2016 und 2017 kam Summers dort auf fünf Siege bei 13 Niederlagen.
Seine Trainerkarriere kennt also durchaus den einen oder anderen rauen Nachmittag.
Der 3. Oktober 2026 dürfte trotzdem einen besonderen Platz bekommen.
Entlassung im Expressverfahren
Dass Trainer mitten in der Saison ihren Job verlieren, ist normal.
Dass sie mitten im Spiel entlassen werden, ist eher die Premium-Version.
Colorado State hat damit gezeigt, dass man auch in Sachen Personalentscheidungen Tempo machen kann.
Andere Universitäten analysieren nach dem Spiel Videos, führen Gespräche und setzen Krisensitzungen an.
Jim Mora sah 56 Gegenpunkte, schaute vermutlich kurz aufs Scoreboard und entschied: Das reicht jetzt.
Ob Kenny McClendon die Defense tatsächlich stabilisieren kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Sein erster Spielzug war jedenfalls schon erfolgreicher als der gesamte Nachmittag seines Vorgängers.
Und eines steht fest:
Sollte Colorado State im nächsten Spiel nur 49 Punkte kassieren, kann man vermutlich schon von Fortschritt sprechen.


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