Mit elf Jahren schon Großmeisterin: Britisches Schach-Wunderkind schreibt Geschichte

Mit elf Jahren schon Großmeisterin: Britisches Schach-Wunderkind schreibt Geschichte

Veröffentlicht

Dienstag, 29.09.2026
von Red. TB

Während andere Elfjährige noch darüber diskutieren, ob Hausaufgaben wirklich notwendig sind, sammelt Bodhana Sivanandan bereits internationale Schachtitel.

Die junge Britin aus dem Nordwesten Londons hat Geschichte geschrieben:

Mit nur elf Jahren ist sie die jüngste Spielerin überhaupt, die den Titel Woman Grandmaster (WGM) erreicht hat.

Den entscheidenden dritten sogenannten WGM-Normwert sicherte sie sich bei der 46. Schacholympiade in Samarkand in Usbekistan.

Mit elf Jahren an Englands Spitzenbrett

Sivanandan trat für England an und spielte alle elf Runden am ersten Brett.

Dort sitzt normalerweise die stärkste Spielerin der Mannschaft.

Am Ende kam sie auf starke acht Punkte aus elf Partien.

Die für den Titel notwendige Elo-Wertung von mindestens 2300 hatte sie bereits zuvor erreicht.

Mit dem dritten WGM-Normwert war der Titel damit perfekt.

Der Welt-Schachverband FIDE bestätigte den Rekord.

„Ich will weiter Geschichte schreiben“

Sivanandan selbst reagierte erstaunlich nüchtern.

Sie freue sich über den Erfolg, wolle aber keineswegs aufhören.

Ihr Ziel sei es, weiterzumachen und weitere Rekorde aufzustellen.

Für eine Elfjährige klingt das bemerkenswert zielstrebig.

Doch wer ihre bisherige Karriere betrachtet, merkt schnell:

Der aktuelle Rekord passt ziemlich gut ins Bild.

Schach erst während der Corona-Pandemie entdeckt

Besonders erstaunlich ist, wie spät die Geschichte eigentlich begann.

Sivanandan entdeckte Schach erst während der Corona-Pandemie.

Im Juli 2021 spielte sie ihr erstes Turnier beim Harrow Chess Club.

Nur ein Jahr später, im Alter von sieben Jahren, gewann sie bei der Europäischen Schulmeisterschaft alle 24 Partien.

Von da an ging es rasant weiter.

Mit neun Jahren schon für England

2024 wurde sie im Alter von nur neun Jahren für die Schacholympiade in Budapest nominiert.

Nach Angaben des englischen Schachverbandes war sie damit die jüngste Person überhaupt, die England international in irgendeiner Sportart vertreten hat.

Schon zuvor hatte sie international für Aufmerksamkeit gesorgt.

2023 gelang es ihr als jüngster Person, in einem offiziellen Turnier gegen einen Großmeister nicht zu verlieren.

Mit zehn Jahren einen Großmeister besiegt

Im vergangenen Jahr folgte der nächste Rekord.

Mit zehn Jahren wurde Sivanandan zur jüngsten Spielerin, die einen Großmeister in einer regulären Partie besiegte.

Beim British Chess Championship gewann sie gegen Peter Wells.

Damit war endgültig klar:

Hier wächst nicht einfach ein gutes Nachwuchstalent heran.

Hier könnte eine der außergewöhnlichsten Schachkarrieren der kommenden Jahre entstehen.

Jetzt schon auf dem Weg zum International Master

Mit dem WGM-Titel ist für Sivanandan längst nicht Schluss.

Bei der Schacholympiade in Samarkand erspielte sie gleichzeitig ihre zweite Norm für den Titel International Master (IM).

Für diesen Titel werden normalerweise drei entsprechende Normen sowie eine Elo-Zahl von mindestens 2400 benötigt.

Der IM-Titel ist geschlechtsunabhängig und sportlich höher einzustufen als der Woman Grandmaster.

Sivanandan fehlt damit nur noch ein weiterer entscheidender Schritt.

Der nächste Rekord könnte schon warten

Bereits im Juli dieses Jahres hatte sie beim Dole Open in Frankreich ihre erste IM-Norm geschafft.

Damals war sie elf Jahre und vier Monate alt.

Damit wurde sie zur jüngsten Spielerin, der dies jemals gelungen war.

Zusätzlich besiegte sie den Großmeister Marc’Andria Maurizzi.

Nach Angaben des Berichts war sie damit die jüngste bekannte Spielerin, die einen Gegner mit einer Elo-Wertung von über 2600 in einer klassischen Partie schlagen konnte.

Der bisherige WGM-Rekord fällt

Den bisherigen Altersrekord für den Titel Woman Grandmaster hielt Kateryna Lagno.

Sie hatte den Titel im Alter von zwölf Jahren erreicht.

Auch die chinesische Weltklassespielerin Hou Yifan wurde mit zwölf Jahren Woman Grandmaster.

Hou Yifan hält allerdings weiterhin einen noch bedeutenderen Rekord:

Sie wurde mit 14 Jahren die jüngste Frau überhaupt, die den offenen Großmeistertitel GM erreichte.

Genau dieser Titel dürfte langfristig auch für Sivanandan interessant werden.

Und nebenbei geht sie ganz normal zur Schule

Vielleicht ist das bemerkenswerteste Detail:

Bodhana Sivanandan besucht weiterhin ganz normal die Schule.

Sie spielt internationale Turniere, reist um die Welt und tritt gegen erfahrene Spitzenspieler an.

Gleichzeitig muss sie sich weiterhin mit ganz gewöhnlichen Schulfächern beschäftigen.

Nach eigener Aussage gefällt ihr sogar genau diese Kombination.

Schach helfe ihr dabei, Verbindungen zu unterschiedlichen Schulfächern herzustellen.

Die Eltern können sich das Talent selbst nicht erklären

Ihr Vater Siva hatte bereits früher erklärt, dass weder er noch seine Frau besonders gut Schach spielen könnten.

Beide haben einen technischen beziehungsweise ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund.

Woher ihre Tochter dieses außergewöhnliche Talent habe, könne er selbst nicht erklären.

Vielleicht ist genau das die schönste Seite dieser Geschichte.

Eine Familie ohne große Schachtradition.

Ein Kind, das während der Pandemie das Spiel entdeckt.

Und nur wenige Jahre später:

internationaler Rekord.

Was bedeutet der Titel Woman Grandmaster?

Der Titel Woman Grandmaster ist der höchste ausschließlich Frauen vorbehaltene Titel im internationalen Schach.

Er wird vom Weltverband FIDE vergeben und gilt lebenslang.

Um ihn zu erreichen, müssen Spielerinnen mehrere besonders starke Turnierleistungen, sogenannte Normen, erzielen und eine bestimmte Elo-Wertung erreichen.

Sivanandan hat diese Bedingungen nun bereits im Alter von elf Jahren erfüllt.

Fazit

Bodhana Sivanandan ist erst elf Jahre alt.

Trotzdem hat sie bereits mehr erreicht als viele Schachspieler in ihrer gesamten Laufbahn.

Sie war Englands jüngste internationale Sportvertreterin.

Sie besiegte Großmeister.

Sie stellte Altersrekorde auf.

Und jetzt ist sie die jüngste Woman Grandmaster der Schachgeschichte.

Besonders bemerkenswert ist dabei ihre eigene Reaktion.

Sie sieht den Titel offenbar nicht als Ziel.

Sondern eher als Zwischenstation.

Wenn ihre Entwicklung so weitergeht, dürfte die Schachwelt noch sehr oft über den Namen Bodhana Sivanandan sprechen.

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17831348 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 29.09.2026

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