Manchester City und die 115 Vorwürfe: Willkommen in der Premier-League-Seifenoper

Manchester City und die 115 Vorwürfe: Willkommen in der Premier-League-Seifenoper

Veröffentlicht

Montag, 28.09.2026
von Red. TB

Wer dachte, die Geschichte um Manchester City und seine 115 Finanzvorwürfe sei langsam vorbei, darf sich wieder hinsetzen.

Am besten mit Proviant.

Denn nach mehr als zwei Jahren Verfahren und 1.329 Tagen seit Erhebung der Vorwürfe soll nun zwar ein Urteil gefallen sein – Manchester City wurde demnach in der Mehrheit der Fälle schuldig gesprochen –, aber offiziell gesagt hat es bisher fast niemand.

Die Premier League schweigt.

Manchester City schweigt weitgehend.

Und der Rest des englischen Fußballs steht daneben und fragt:

„Gut. Und was passiert jetzt?“

Die Antwort lautet ungefähr:

Ja.

Das Urteil ist da – nur die Strafe fehlt noch

Normalerweise läuft so etwas ungefähr so:

Verstoß festgestellt.

Strafe ausgesprochen.

Fertig.

In der Premier League scheint man hingegen das Modell „Staffel 8, Folge 19“ zu bevorzugen.

Denn obwohl die Schuldfrage laut Bericht weitgehend geklärt sein soll, muss nun erst noch über die Sanktion entschieden werden. Dabei ist offenbar fast alles möglich:

Geldstrafe.

Punkteabzug.

Noch mehr Punkteabzug.

Oder theoretisch sogar ein sportlicher Absturz in eine tiefere Liga.

Kurz gesagt:

Manchester City weiß derzeit ungefähr so genau, wie viele Punkte es am Saisonende haben wird, wie ein Ryanair-Passagier weiß, was sein Koffer am Ende kostet.

Punkteabzug? Ja. Aber wann?

Das Problem ist nicht nur, wie hoch die Strafe wird.

Sondern auch:

Wann?

Noch diese Saison?

Nach der Saison?

Nach der Berufung?

Nach der Berufung gegen die Berufung?

Oder irgendwann im Jahr 2032, wenn Pep Guardiola längst eine Olivenfarm in Katalonien betreibt?

Sollte City mitten in der Saison Punkte verlieren, könnte sich die gesamte Tabelle verschieben.

Sollte der Abzug erst später kommen, könnte die Liga am Saisonende einen Meister küren, bei dem alle gleichzeitig sagen:

„Herzlichen Glückwunsch! Vielleicht.“

Und wenn City Meister wird?

Genau hier wird es lustig.

Also jedenfalls für alle, die nicht bei der Premier League arbeiten.

Stellen wir uns vor:

Manchester City wird Meister.

Konfetti.

Pokal.

Champagner.

Fernsehbilder.

Und drei Monate später kommt ein Brief:

„Sehr geehrte Damen und Herren, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Sie 27 Punkte zu viel hatten.“

Rückwirkend soll eine Strafe laut Bericht eher unwahrscheinlich sein. Genau deshalb wächst der Druck, das Verfahren schnell zu klären.

Denn irgendwann möchte man beim Fußball schließlich auch wissen, ob Platz 1 tatsächlich Platz 1 ist.

Kleine Ansprüche, diese Fans.

Die Konkurrenz rechnet schon mal nach

Besonders spannend wird es bei möglichen Schadenersatzforderungen.

Mehrere Vereine sollen prüfen, ob sie Manchester City auf Entschädigung verklagen können.

Und plötzlich sitzen vermutlich in halb England Anwälte mit Taschenrechnern da.

„Wir haben 2014 die Champions League um drei Punkte verpasst.“

Klick.

„Uns fehlen 40 Millionen Pfund.“

Klick.

„Und hier noch Sponsorengeld.“

Klick.

„Und Catering.“

Klick.

„Und emotionale Schäden.“

Na gut, das Letzte steht nicht im Regelbuch.

Noch nicht.

Champions-League-Geld? Da wird es richtig teuer

Die möglichen Forderungen könnten gigantisch werden.

Allein eine verpasste Champions-League-Teilnahme konnte schon damals zig Millionen Pfund kosten. Dazu kommen Ticketeinnahmen, Sponsorenboni und andere Einnahmen.

Mit anderen Worten:

Für manche Klubs könnte aus dem Satz

„Wir wären damals vielleicht Vierter geworden“

plötzlich eine Rechnung mit sehr vielen Nullen werden.

Everton zeigt, wie es gehen könnte

Ganz aus der Luft gegriffen sind solche Forderungen nicht.

Everton wurde bereits dazu verpflichtet, Burnley 35 Millionen Pfund zu zahlen, nachdem Verstöße gegen Finanzregeln festgestellt worden waren. Burnley argumentierte, dadurch sportlich und finanziell benachteiligt worden zu sein.

Everton geht dagegen vor.

Natürlich.

Denn in England gehört zur Premier League inzwischen offenbar nicht nur:

Fußball.

VAR.

Transfers.

Sondern auch:

Schiedsgerichte.

Und die alten Titel?

Dann wäre da noch die kleine, vollkommen unkomplizierte Frage:

Was passiert eigentlich mit den Titeln aus der Vergangenheit?

Manchester City gewann im relevanten Zeitraum jede Menge Trophäen.

Bislang gibt es keine bestätigte Entscheidung, diese Titel abzuerkennen.

Aber natürlich wird darüber diskutiert.

Denn nichts macht Fußballfans glücklicher als die Vorstellung, zehn Jahre später noch einmal eine Tabelle aufzumachen und zu sagen:

„Moment mal, vielleicht waren wir 2014 doch Meister!“

Manchester City sagt: Noch lange nicht vorbei

Der Klub selbst hält weiterhin dagegen.

Manchester City hat die Vorwürfe jahrelang bestritten und lässt erkennen, dass das Verfahren aus seiner Sicht noch nicht beendet ist. Eine Berufung gilt als wahrscheinlich.

Und City hat Erfahrung.

Schon 2020 kippte der Klub vor dem Internationalen Sportgerichtshof eine zweijährige Champions-League-Sperre der UEFA.

In Manchester dürfte also niemand sagen:

„Na gut, dann akzeptieren wir es eben.“

Eher:

„Wo ist unser nächster Anwalt?“

Vier Szenarien – keines davon angenehm

Die Premier League hat jetzt mehrere Möglichkeiten.

Variante eins: Man wartet bis zum Saisonende.

Problem: Keiner weiß, ob die Tabelle eigentlich stimmt.

Variante zwei: Man zieht sofort Punkte ab.

Problem: City legt Berufung ein.

Variante drei: Alles wird schnell entschieden.

Problem: Das wäre verdächtig vernünftig.

Variante vier: Danach folgen noch jahrelang Schadenersatzklagen.

Problem: Für Anwälte ist das gar kein Problem.

Fazit: Der Ball ist rund, das Verfahren endlos

Nach mehr als 1.300 Tagen könnte man meinen, eine Sache mit 115 Vorwürfen nähere sich langsam ihrem Ende.

Offenbar nicht.

Das Urteil scheint da zu sein.

Die Strafe nicht.

Die Berufung vermutlich schon gedanklich vorbereitet.

Die Konkurrenz prüft Klagen.

Die Liga schweigt.

Und die Fans schauen auf die Tabelle und fragen sich:

„Ist das jetzt eigentlich der echte Punktestand oder nur eine unverbindliche Empfehlung?“

Die Premier League wollte einmal die spannendste Fußballliga der Welt sein.

Mission erfüllt.

Nur eben etwas anders als geplant.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

jorono (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 28.09.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv