Neue Investments und deren Gefahren für Anleger

Neue Investments und deren Gefahren für Anleger

Veröffentlicht

Sonntag, 27.09.2026
von Red. TB

Österreichische Anleger finden derzeit mehrere öffentlich beworbene Investmentangebote mit auffällig hohen Renditeversprechen. Von Immobilienprojekten über Energieunternehmen bis hin zu Tiergesundheit und Elektromobilität reicht die Palette.

Doch hohe Zinsen haben ihren Preis. Bei mehreren der untersuchten Angebote besteht ausdrücklich das Risiko eines vollständigen Verlusts des eingesetzten Kapitals.

Wir haben die aktuellen Angebote aus Österreich genauer betrachtet.

ML Bau Wien: Rund zwölf Prozent für ein Immobilienprojekt

Beim Projekt ML BAU: Anton-Baumgartner-Straße in Wien wird eine Verzinsung von rund 12 Prozent pro Jahr ausgewiesen.

Hinter dem Projekt steht die ML Bau GmbH, ein österreichisches Unternehmen, das im Firmenbuch eingetragen ist und bereits mehrere Jahresabschlüsse veröffentlicht hat.

Die hohe Verzinsung zeigt allerdings deutlich, dass es sich nicht um ein konservatives Immobilieninvestment handelt.

Bei vergleichbaren früheren Finanzierungen des Unternehmens wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Anleger einen Verlust bis zu 100 Prozent ihres eingesetzten Kapitals erleiden können. Solche Investments sind häufig als Nachrangdarlehen ausgestaltet und können ohne dingliche Sicherheiten auskommen.

Für Anleger bedeutet das: Im Insolvenzfall stehen sie unter Umständen weit hinten in der Gläubigerreihe.

Totalverlustrisiko: Ja, bei entsprechender Nachrangstruktur ausdrücklich möglich.

Investmentprüfung.de: Bei der öffentlichen Recherche war kein frei zugängliches Emittentendossier auffindbar.

AustriaEnergy: Acht Prozent für grüne Energie

Die AustriaEnergy International GmbH entwickelt Projekte in den Bereichen Windkraft, Solarenergie, Wasserstoff, Ammoniak und Energiespeicherung.

Aktuell werden Investments mit rund 8 Prozent Verzinsung angeboten.

Das Geschäftsmodell klingt zukunftsorientiert. Gerade Wasserstoff- und Energieprojekte gelten als Wachstumsfelder.

Doch Projektentwicklung ist kapitalintensiv und riskant.

Bis ein Energieprojekt tatsächlich Geld verdient, müssen Genehmigungen erteilt, Grundstücke gesichert, Finanzierungspartner gefunden und Abnehmerverträge abgeschlossen werden.

Die veröffentlichten Angebotsunterlagen weisen ausdrücklich darauf hin, dass Anleger ihr eingesetztes Kapital vollständig verlieren können.

Totalverlustrisiko: Ja, ausdrücklich vorhanden.

Investmentprüfung.de: Kein öffentlich zugängliches Emittentendossier gefunden.

FZW Bau Salzburg: Neun Prozent für Luxuswohnungen

Die FZW Bau GmbH entwickelt in Salzburg-Parsch das Immobilienprojekt „Grandezza“.

Geplant ist ein hochwertiges Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen und einem Penthouse.

Aktuell werden für entsprechende Finanzierungen rund 9 Prozent pro Jahr genannt.

Das Unternehmen wurde 2022 gegründet. Jahresabschlüsse wurden hinterlegt, und in öffentlich zugänglichen Registerinformationen waren zuletzt keine entsprechenden Insolvenz- oder Zahlungsunfähigkeitsverfahren ersichtlich.

Das ändert jedoch nichts an der Struktur des Investments.

Die Finanzierung wurde als unbesichertes Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt angeboten.

Das bedeutet vereinfacht: Gerät das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, dürfen Anleger ihre Forderungen unter Umständen nicht sofort durchsetzen. Im Insolvenzfall stehen andere Gläubiger regelmäßig vor ihnen.

Die Risikohinweise sprechen deshalb eine klare Sprache.

Ein vollständiger Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.

Totalverlustrisiko: Ja, ausdrücklich vorhanden.

Investmentprüfung.de: Kein öffentlich zugängliches Emittentendossier gefunden.

HMW Mobility: Investieren in die Wiederbelebung einer österreichischen Motorradmarke

Mit HMW Mobility soll eine traditionsreiche österreichische Motorradmarke wiederbelebt werden.

Das Unternehmen entwickelt elektrische und klassische Zweiräder und wirbt über eine Crowdinvesting-Plattform um Kapital.

Anleger können sich über einen Genussschein beteiligen.

Die Mindestzeichnung liegt bei 250 Euro. Das angestrebte Platzierungsvolumen beträgt rund 750.000 Euro.

Das Unternehmen befindet sich allerdings noch in einer frühen Wachstumsphase.

Für 2025 wurden Umsätze von rund 230.000 Euro genannt. Für 2027 wird bereits ein Umsatz von mehr als sechs Millionen Euro angestrebt.

Das ist ambitioniert.

Und genau darin liegt das Risiko.

Zwischen einer jungen Marke und einem profitablen Serienhersteller liegen Produktion, Vertrieb, Marketing, Finanzierung und eine ganze Menge Konkurrenz.

Auch die Angebotsunterlagen weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich um eine unternehmerische Beteiligung ohne Einlagensicherung handelt.

Totalverlustrisiko: Ja, ausdrücklich vorhanden.

Investmentprüfung.de: Kein öffentlich zugängliches Emittentendossier gefunden.

HEROSAN Petcare: Neun Prozent für Tiergesundheit

Die HEROSAN Petcare GmbH sammelt Kapital für weiteres Wachstum im Bereich Tiergesundheit ein.

Anleger können sich ab 250 Euro beteiligen.

Angeboten werden 9 Prozent Festzins pro Jahr bei einer Laufzeit von fünf Jahren.

Das Kapital soll insbesondere in Produktentwicklung, Marketing und E-Commerce fließen.

HEROSAN ist seit mehreren Jahren im österreichischen Firmenbuch eingetragen und verfügt über bestehende Gesellschafterstrukturen.

Öffentlich zugängliche Registerdaten zeigen zudem, dass das Unternehmen bereits Jahresabschlüsse veröffentlicht hat.

Trotzdem bleibt auch hier das Emittentenrisiko bestehen.

Anleger erhalten keine klassische Bankeinlage, sondern tragen das wirtschaftliche Risiko des Unternehmens.

Gerät HEROSAN in finanzielle Schwierigkeiten oder wird insolvent, können Zinszahlungen und Rückzahlung ausfallen.

Totalverlustrisiko: Ja, grundsätzlich möglich.

Investmentprüfung.de: Kein öffentlich zugängliches Emittentendossier gefunden.

Was fällt bei den österreichischen Angeboten auf?

Auffällig ist vor allem die Höhe der angebotenen Renditen.

Zwischen acht und zwölf Prozent pro Jahr liegen die untersuchten Investments.

Das klingt attraktiv.

Aber gerade solche Zinssätze sollten Anleger nicht nur als Chance verstehen, sondern auch als Warnsignal.

Denn kein Unternehmen zahlt freiwillig zwölf Prozent Zinsen, wenn es sich problemlos für drei oder vier Prozent finanzieren könnte.

Hohe Renditen sind deshalb in aller Regel auch Ausdruck eines höheren Risikos.

Besonders kritisch sind Investments mit folgenden Merkmalen:

Nachrangdarlehen.

Qualifizierter Rangrücktritt.

Keine dinglichen Sicherheiten.

Junge Projektgesellschaften.

Noch nicht profitable Geschäftsmodelle.

Abhängigkeit von Projektverkäufen oder künftigen Finanzierungsrunden.

Das wichtigste Fazit

Bei allen hier betrachteten österreichischen Investments besteht zumindest grundsätzlich ein erhebliches Verlustrisiko.

Bei mehreren Angeboten wird der mögliche Totalverlust ausdrücklich in den Anlegerinformationen genannt.

Wer investiert, sollte deshalb nicht allein auf den Zinssatz schauen.

Entscheidender sind die Fragen:

Wie solide ist der Emittent?

Welche Sicherheiten gibt es?

Welchen Rang hat meine Forderung?

Wie hoch ist die Verschuldung?

Ist das Projekt bereits fertig oder erst in Planung?

Und vor allem:

Was passiert mit meinem Geld, wenn der Geschäftsplan nicht aufgeht?

Gerade bei Zinssätzen von acht, neun oder zwölf Prozent sollte die wichtigste Frage deshalb nicht lauten:

„Wie viel kann ich verdienen?“

Sondern:

„Wie viel kann ich verlieren?“

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Investments in Unternehmensanleihen, Genussscheine, Crowdinvestments und Nachrangdarlehen können zu erheblichen Verlusten bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Maßgeblich sind immer die aktuellen Vertrags-, Prospekt- und Risikounterlagen des jeweiligen Angebots.

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stevepb (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 27.09.2026

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